Ein Froschparadies am Bistensee

Präsentierten das Artenschutzprogramm: Wolfgang Lenschow (l.) und Christian Dolnik  von der Stiftung Naturschutz.
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Präsentierten das Artenschutzprogramm: Wolfgang Lenschow (l.) und Christian Dolnik von der Stiftung Naturschutz.

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22. Februar 2011, 08:20 Uhr

Holzbunge | Im Naturpark Hüttener Berge will die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein neuen Lebensraum für europaweit geschützte Amphibien wie Laub- und Moorfrosch und Kammmolch schaffen. Ein Bagger begann gestern mit den Erdbauarbeiten, die für das Anlegen neuer Laichgewässer erforderlich sind.

Auf dem Gelände der Stiftung in Sichtweite des Bistensees wurde die erste Erde ausgehoben. Von dem Anlegen neuer Teiche sollen neben den Froschlurchen auch Pflanzen wie die bevorzugt auf feuchten Wiesen siedelnde Sumpfdotterblume profitieren. Durch das Vertiefen bereits vorhandener Mulden solle der natürliche Wasserhaushalt in der Fläche wieder hergestellt werden, erklärte Flächenmanager der Stiftung Naturschutz Christian Dolnik. "Auf diese Weise halten wir mehr Wasser im Grünland und können den Amphibien neue, flache Laichgewässer anbieten, die sich zur Paarungszeit im Frühjahr rasch erwärmen und optimale Fortpflanzungsbedingungen garantieren." Ein Vorteil sei hier auch, dass in den Gewässern keine Fische leben, die den Laich fressen könnten.

Holzbunges Bürgermeister Klaus Koll erinnert daran, dass es vor der Flurbereinigung 1967 in der Gemeinde Holzbunge 27 Gewässer gegeben habe. Heute seien es nur noch fünf. Da so der Lebensraum für Frösche nahezu verschwunden sei, gelte es nun aus der Restpopulation neue starke Bestände zu schaffen. Aus diesen Gruppen hat Dolnik bereits Laich entnommen, aufgezogen und auf neu angelegten Gewässern wieder entlassen. Eine einzelne Population bringe jedoch nichts, erklärt Wolfgang Lenschow, Amphibienexperte der dänischen Firma "Amphiconsult". "Sie müssen sich untereinander austauschen können." Da ein Laubfrosch einen Aktionsradius von rund einem Kilometer hat, sei es wichtig, ein Netz zu schaffen.

"Ein Teich hier und ein Teich dort, hilft nicht", betont auch Biologe Peer Ravn ("Amphiconsult"), der bereits seit sechs Jahren mit der Stiftung zusammenarbeitet. Man müsse linienförmige Strukturen schaffen. Knicks mit Brombeeren, Weißdorn und Kräutern, in denen viele Insekten leben und Flächen, die beweidet werden, seien ideal. "Sie können sehr gut riechen und finden die schönen neuen Teiche entlang der Linien." Genug Licht müsse ebenfalls vorhanden sein, um eine optimale Entwicklung zu haben. In Waldgewässern dauere der Prozess länger, sagt Dolnik.

Parallel zu den Teichbauarbeiten sollen außerdem im hügeligen Gelände neue Gehölzinseln mit Eichen gepflanzt werden. "An einigen Stellen in sandigen Bereichen bietet es sich an, durch Abschieben des Oberbodens neue Heidefläche und Magerrasen zu entwickeln", erläutert Dolnik.

Neben Gebieten in Holzbunge und Ahlefeld werden auch auf Gemeinde- und Privatflächen in Brekendorf neue Kleingewässer entstehen, die das feuchte Grünland in Froschparks verwandeln sollen. Gerd Voß bewirtschaftet 100 Hektar der Stiftung und hat bereits einige Teiche angelegt. Seit einigen Jahren finden dort Froschkonzerte statt. Am Freitag, dem 20. Mai sind Zuhörer um 19 Uhr in Eidertal, Grevenkrug (Waldsiedlung, Parkplatz an der Bundesstraße vier) eingeladen, um am 5. Schleswig-Holstein Froschkonzert-Festival der Laubfrösche teilzunehmen.

Weitere Termine unter www.stiftung-naturschutz-sh.de

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