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Landeszeitung

26. September 2017 | 07:46 Uhr

Nortorf : Ein Friedhof setzt neue Trends

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Naturgräber-Anlage in Nortorf erfüllt Wunsch nach schlichter und würdevoller letzter Ruhestätte. 225 Quadratmeter stehen für 60 Urnenbestattungen zur Verfügung.

Trends gibt es überall: in der Mode, im Wohnbereich, bei der Wahl des Urlaubslandes. Auf dem Friedhof hingegen steht die Zeit still, so die verbreitete Meinung. Weit gefehlt: Auch bei der Gestaltung der letzten Ruhestätte müssen sich die Friedhofsverwaltungen heute gesellschaftlichen Veränderungen anpassen – so wie jetzt in Nortorf.

Unter einer 100 Jahre alten Eiche hat das Team um Friedhofsverwalter Heinz-Jürgen Schafranski in Eigenleistung auf dem neuen Friedhof ein etwa 15 mal 15 Meter großes Areal geschaffen, auf dem rund 60 Urnengräber angelegt wurden. Das Besondere: Die Gräber werden von aus der Region stammenden Natursteinen markiert, und nur ein Bronzeschild mit dem Namen und den Daten des Verstorbenen darauf markiert die Ruhestätte. „Wir haben uns entschieden, dass es auf den beiden Nortorfer Friedhöfen keine anonymen Bestattungen geben soll, tragen aber mit der neuen Grabanlage dem Wunsch nach schlichten, naturnahen Grabstellen Rechnung“, erklärte Schafranski, der in diesem Jahr seit vier Jahrzehnten seinen Dienst auf dem Friedhof verrichtet. Damit stelle man sich der Konkurrenz durch die immer beliebter werdenden Friedwälder.

Die jetzt eröffnete Naturgräber-Anlage ergänzt das Portfolio des Friedhofes um eine weitere Bestattungsart: Neben dem klassischen Grab für Erdbeisetzungen gibt es seit 2012 in Nortorf bereits ein Urnengemeinschaftsfeld, in dessen Zentrum eine Namensstele die Verstorbenen ehrt. Da dieses erste Gemeinschaftsfeld auf dem neuen Friedhof bereits keine weiteren Grabstellen mehr vorhält, wird eine zweite, größere Anlage ähnlicher Struktur auf dem alten Friedhof entstehen, wo Freiflächen eine großzügigere Nutzung ermöglichen. „Wir haben gedacht, dass wir mit dem Urnengemeinschaftsfeld vier oder fünf Jahre das Angebot aufrecht erhalten können, nun ist es aber nach nur zwei Jahren schon voll“, erläutert Heinz-Jürgen Schafranski. Es sei eben doch ein Trend auf dem Friedhof zu erkennen: „Die klassische Erdbestattung macht derzeit nur noch etwa ein Drittel der Beisetzungen aus.“

Dies erklärt der Friedhofsverwalter mit einer grundlegenden Veränderung der Bestattungskultur. „Früher war die Familiengrabstelle mit mindestens vier Plätzen die Regel.“ Diese habe alleine bereits im Schnitt 4500 Euro gekostet, hinzu kamen der Stein und vor allem die Pflege. Ein Einzelgrab auf dem neuen Naturgräberfeld kostet dagegen 1180 Euro plus etwa 250 bis 300 Euro für das Bronzeschild. Weitere Kosten für einen Stein oder die friedhofsgärtnerische Betreuung fallen nicht an. Auf dem Urnengemeinschaftsfeld kostet die Ruhestätte 1500 Euro, wobei ebenfalls keine weiteren Kosten auf die Hinterbliebenen zukommen, da auch hier die Friedhofsverwaltung die Reinigung und Bepflanzung übernimmt.

Etwa 100 Menschen werden Jahr für Jahr auf den von der Kirchengemeinde getragenen Nortorfer Friedhöfen beerdigt – zum Vergleich: In Neumünster sind es etwa zehnmal so viele. Heinz-Jürgen Schafranski erläutert: „Wir müssen die immensen Kosten für den Unterhalt der Friedhöfe über die Gebühren refinanzieren. Ein Beispiel: Als Haushaltsziel bei den Einnahmen über die Beerdigungen ist allein schon eine Summe von 240 000 Euro angesetzt.“

Die tatsächlichen Kosten für den Friedhofsunterhalt sind aber noch deutlich höher. Laut Aussage der Kirchenkreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde gab die Kirchengemeinde Nortorf für die hoheitlichen Aufgaben der Friedhöfe im vergangenen Jahr rund 360 000 Euro aus – gut angelegtes Geld, bedenkt man, dass dort Menschen ihre würdige letzte Ruhe finden – in welcher Form auch immer.

 

 

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