Lärm im Hafen : Ein Frachter stört die Nachtruhe

Die „Industrial Force“ der US-Reederei „Intermarine“ wird im Rendsburg Port mit Teilen für Windkraftanlagen beladen.
Die „Industrial Force“ der US-Reederei „Intermarine“ wird im Rendsburg Port mit Teilen für Windkraftanlagen beladen.

Rendsburg Port kann nicht genug Strom liefern. Kapitän lässt deshalb Generatoren rund um die Uhr laufen.

von
06. Juli 2018, 09:32 Uhr

Rendsburg | Ein dumpf brummender Ton ist seit Montag rund um die Uhr am Nord-Ostsee-Kanal in Osterrönfeld und Rendsburg zu hören. Anwohner haben sich beschwert. Das Brummen dringt aus dem 153 Meter langen Frachter „Industrial Force“, der auf der Südseite des Kanals im Rendsburg Port liegt. Er wird mit Teilen von Windkraftanlagen für den Export nach Übersee beladen, berichtete auf Anfrage Frank Schnabel, Geschäftsführer des Hafenbetreibers Rendsburg Port GmbH.

Eingreifen kann anscheinend niemand. Kai Lass von der Rendsburg Port Authority (RPA) teilte mit: „Das Schiff und dessen Betrieb unterliegen internationalen Regularien. Somit haben wir als Hafeneigentümer keine Handhabe, was auf den Schiffen passiert.“ Schnabel: „Wir als Hafenbetreiber haben leider keine Handhabe in Bezug auf die von Ihnen genannten Umstände.“ Beide verweisen an die Hafenbehörde und die Wasserschutzpolizei.

Letztere rückte nach Beschwerden am Dienstag gegen 19.50 Uhr an. Einem Sprecher zufolge wandte sich daraufhin ein Makler, der zwischen Reedereien und Behörden vermittelt, an den Kapitän. Gegen 23 Uhr war das Problem laut Polizei behoben. Das Brummen war gestern trotzdem noch zu hören.

Die Hafenbehörde ist das Amt Eiderkanal, da der Rendsburg Port auf dem Gebiet von Osterrönfeld betrieben wird. Die zuständige Mitarbeiterin Birgit Brückner gab bekannt, „dass nach Überprüfung der Sachlage hafenbehördlich keine Einwände gegenüber dem Schiff ‚Industrial Force‘ vorliegen.“

Nach Informationen der Landeszeitung brummen auf dem Schiff Generatoren. Der Kapitän lässt sie rund um die Uhr laufen, um Strom für die Kühlung der Motoren zu erzeugen. Er muss sie nach einer Vorgabe der Hafenbehörde jederzeit anwerfen können, um manövrierfähig zu sein, wenn etwa ein Havarist einen Liegeplatz braucht.

Die 2011 erbaute „Industrial Force“ ist angeblich technisch in Ordnung. Das Problem liegt an Land: Der Kapitän muss die Generatoren laufen lassen, weil der Hafen den Frachter nicht mit Strom versorgen kann. Es wird Elektrizität angeboten, aber für ein Schiff dieser Größe reichen die Kapazitäten nicht aus, bestätigte Lass. Es werde geprüft, ob eine Ausweitung des Angebots „wirtschaftlich darstellbar“ ist.

Jürgen Heidacker (61) aus Bad Zwischenahn hat kein Verständnis. Er parkte sein Wohnmobil gestern auf der Kanalseite gegenüber. „Was meinen Sie, was für ein Geschrei es gäbe, wenn hier alle ihre Wohnmobile laufen lassen würden, anstatt ‚Landstrom‘ zu nehmen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen