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Christkirchen-Konzert : Ein fast privater Abend mit der Milster

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Auftritt der Künstlerin ließ beim Publikum Glücksgefühle aufkommen. Begeisterung lösten die italienischen Arien aus. Nur die Lautstärke war gewöhnungsbedürftig.

„Ich singe gern in Kirchen.“ Wer ihr Konzert im April in Nortorf besucht hatte, kannte diese Begrüßung schon. Auch das Programm war ähnlich, ebenso die kräftige Verstärkung der Stimme, sogar den Flügel – meisterhaft und sensibel vom langjährigen Begleiter Jürgen Grimm gespielt – hörte man über Lautsprecher. Das wäre nach Ansicht vieler Besucher in der Christkirche mit ihrer fantastischen Akustik nicht nötig gewesen, aber Angelika Milster geht immer auf Nummer sicher. Das ist sie ihrer Berufserfahrung schuldig. An die Lautstärke konnte man sich gewöhnen. Es hat sich gelohnt.

Drei Jahre hält ihr Programm. So bestand der Abend aus großen Teilen des Nortorfer Angebots – Wiederhören machte Freude. Die Zuhörer in der Christkirche erlebten einen fast privaten Abend mit der Künstlerin: Lebendig ging sie auf das Publikum ein, moderierte frei, erzählte aus ihrem Leben und führte in die Lieder ein. Dazu war die Lautsprecheranlage hilfreich. Geschichten und Gesang mit unvergleichlicher Stimme sowie das teils heiter, teils nachdenklich stimmende Programm unter dem Motto „Classic meets Musical“ verführten zum Nachdenken.

Bewundernswert die Leistung Angelika Milsters: Anderthalb Stunden Konzert, im Durchschnitt gibt sie, wie im Internet (www.angelikamilster.de) nachzulesen, zwei Konzerte pro Woche. Fast wäre der Plan gescheitert. Nicht wegen der Tunnelsperrung oder der Rader Autobahnbrücke, sondern weil Angelika Milster erkältet war. „Das Konzert wollte ich nicht absagen“, entschuldigte sie sich, „darf ich kurz das Taschentuch benutzen?“ Verständnisvolle Zustimmung, Beifall. So macht das ein Profi.

„All mein Gedanken sind bei dir“ wäre auch ein gutes Motto gewesen. Die vielen Auftritte während der Kirchentournee haben Angelika Milsters Liebe zum Publikum keinesfalls gemildert, eher noch gesteigert. Auch wenn sie genaue Vorgaben machte („Fotografieren nur beim 5. Titel“) und mit passender Lichtregie die Christkirche in sattes Rot tauchen ließ – immer zeigte sie dem Publikum ihre Liebe und Dankbarkeit. „Die Musik muss vom Herzen kommen,“ bestätigte sie mit jedem Ton. „Wichtig ist, dass man fühlt, was man singt!“

Das Konzert hinterließ ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit. Mucksmäuschenstille nach dem „Kyrie eleison“. „Guten Abend, gute Nacht“ kam um viertel vor acht etwas früh, war aber zu dieser Zeit auch der kleinen Angelika von ihrem fantasievollen Großvater vorgesungen worden.

Die italienische Arien begeisterten mehr denn je: „Es gibt drei, zehn, dicke, dünne und dumme Tenöre, jetzt probier ich das mal!“ kündigte sie vorab ihren musikalischen Ausflug an. In „Du hast mir Glück gebracht“ besang sie den Tod eines Freundes von dem sie sich während einer Tournee nicht verabschieden konnte: „Ich hab‘ dir niemals adieu gesagt“. „Menschen, die Menschen lieben, sind die glücklichsten Menschen auf der Welt“ fasste zusammen, was alle deutlich spürten. Zum Schluss dann „Memories“ aus „Cats“: „Komm, berühr mich und du verstehst, was Glück wirklich ist.“ So war es.


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erstellt am 16.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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