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Neue Erstaufnahme in Rendsburg : Ein Dorf am Stadtrand für 800 Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Flüchtlingswelle trifft nun auch Rendsburg mit voller Wucht. Im Norden Rendsburgs entsteht jetzt ein Containerdorf.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2015 | 02:27 Uhr

Die Flüchtlingswelle trifft nun auch Rendsburg mit voller Wucht. Am nördlichen Stadtrand lässt das Land Schleswig-Holstein seit gestern im Eiltempo eine Erstaufnahmeeinrichtung errichten, die rund 800 Asylbewerbern Platz bietet. In vier bis sechs Wochen soll sie fertig sein. Bebaut wird eine ungenutzte städtische Grünfläche unmittelbar neben dem Recyclinghof an der St.-Peter-Ording-Straße. Bereits morgen sollen die ersten 50 Wohncontainer bezugsfertig sein. Bis zu 150 Menschen werden am Wochenende erwartet, kündigten Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler und Bürgermeister Pierre Gilgenast auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz an.

Es handele sich über eine Übergangslösung und nicht um eine Dauereinrichtung, betonte Manuela Söller-Winkler. Gilgenast nannte als möglichen Zeitraum 18 Monate, die Staatssekretärin wollte sich auf keine verbindliche Frist festlegen. „Es können auch 19 oder 20 Monate werden, vielleicht auch zwei Jahre.“ Der Standort Rendsburg stand offenbar schon länger im Fokus des Landes. Doch die Entscheidung, dass der erste Teil einer Containersiedlung noch in dieser Woche aus dem Boden gestampft wird, fiel äußerst kurzfristig. Bürgermeister Gilgenast bekam am Dienstag eine erste Nachricht aus dem Ministerium und brach seinen Urlaub ab. Zu diesem Zeitpunkt war noch von etwa 300 Flüchtlingen die Rede. Mit der Zahl 800 rückte das Ministerium erst gestern heraus. „Das ist die Kapazität an Containern, die uns zur Verfügung steht“, begründete Söller-Winkler die Dimension. „Wir mussten angesichts eines anhaltend hohen Zustroms an Asylsuchenden schnell handeln. Die Menschen stehen jetzt vor der Tür und müssen eine Bleibe haben.“ Im Juli seien die Zahlen gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 360 Prozent gestiegen – damit habe niemand rechnen können. Fast 1000 Menschen suchten allein in den ersten zwölf Augusttagen Schutz in der zentralen Erstaufnahme des Landes in Neumünster. Auch in den anderen Unterkünften in Boostedt bei Neumünster, Seeth (Kreis Nordfriesland), Albersdorf (Dithmarschen) und Malente-Kiebitzhörn (Ostholstein) seien keine Plätze mehr frei. Die Suche nach geeigneten Flächen werde zunehmend schwieriger, so Staatssekretärin Söller-Winkler. Auf Rendsburg komme jetzt eine „große Herausforderung“ zu, sagte Gilgenast. Diese sei jedoch kein Vergleich zu den Herausforderungen, denen sich viele der Flüchtlinge ausgesetzt sähen. „Ich bin von der hohen Zahl 800 auch überrascht worden“, berichtete der Verwaltungschef. „Aber lieber jetzt die ganze Wahrheit sagen, als mit der Salamitaktik zu operieren.“ Bereits am Mittwochabend informierte Gilgenast die Spitzenvertreter aller Parteien und Rendsburgs Stadtpräsidentin Karin Wiemer-Hinz über die neue Entwicklung.

Mehrere andere Standorte im Stadtgebiet waren im Ministerium geprüft worden – unter anderem beide ehemaligen Kasernen, die Parkflächen am Norla-Gelände, der Obereiderhafen und der Willy-Brandt-Platz. Für die 4,1 Hektar große Fläche nahe der Büsumer Straße habe man sich entschieden, weil der Bau eines Containerdorfs dort am schnellsten zu realisieren gewesen sei, so Söller-Winkler. Die Stadt Rendsburg hatte seit Juni 50 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Für die kommenden Monate wurden 50 weitere Asylbewerber angekündigt – diese Aufgabe muss die Stadt nach Angaben von Gilgenast nun nicht mehr erfüllen. Auf die Stadtkasse habe der Bau und Betrieb des Erstaufnahmelagers keine direkten Auswirkungen. Alle Kosten trage das Land Schleswig-Holstein.

Für den kommenden Montagabend lädt die Stadt zu einer Einwohnerversammlung ein. Ab 19 Uhr stellt sich Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler im Bürgersaal des Hohen Arsenals den Fragen der Rendsburger. Auch Bürgermeister Pierre Gilgenast wird Rede und Antwort stehen.

 

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