DRUCKMUSEUM : Ein Buch in Handarbeit macht Kinder glücklich

Tipps von Experten: Thomas Klimas (links) und Ulrich Dominic Mastaglio zeigen den Kindern des Buchprojekts Leon Breß und Vivian Schulze die Technik des Handsatzes.
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Tipps von Experten: Thomas Klimas (links) und Ulrich Dominic Mastaglio zeigen den Kindern des Buchprojekts Leon Breß und Vivian Schulze die Technik des Handsatzes.

Schüler der Grundschule Mastbrook machen beim Gutenberg-Projekt im Druckmuseum mit.

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28. März 2017, 16:25 Uhr

Behaupte noch einmal jemand, die Jugend von heute sei egoistisch. Im Rendsburger Druckmuseum lässt sich das Gegenteil nachlesen. Eine Gruppe der Grundschule Mastbrook stellt derzeit in Handarbeit ein Buch her. Auch die Texte stammen von den Dritt- und Viertklässlern. Der Anfangssatz war vorgegeben: „Wenn ich eine Königin oder ein König wäre  .  .  .“. Den Rest vervollständigte jedes Kind für sich persönlich. Die Kleinen wünschen sich sprechende Giraffen, Diener, Hausschweine und „alle Sachen der Welt aus Gold.“ Doch auch die anderen Menschen werden nicht vergessen und sollen Speisen, Getränke und ein Haus kostenlos bekommen, wenn der Nachwuchs die Macht übernimmt.

„Das soziale Gewissen ist bei den Grundschülern sehr ausgeprägt“, sagt Kirsten Fuchs. Das sei in allen Texten deutlich geworden. Die Museumspädagogin leitet derzeit in den Museen im Kulturzentrum das „Gutenberg-Buchprojekt“, das von dem Förderverein der Museen finanziert wird. Seit Ende Januar besuchen einmal wöchentlich acht Kinder, die das Angebot der Offenen Ganztagsschule in Mastbrook nutzen, das Druckmuseum im Hohen Arsenal. Die Nachwuchskräfte produzieren zusammen mit Kirsten Fuchs und der freischaffenden Künstlerin und Grafikerin Christin Karbaum ein Buch und lernen die Herstellung Schritt für Schritt von A    bis Z kennen. Passend zu ihren Texten über die Welt in Kinderhand entwarfen sie Bilder, ritzten diese auf Linolplatten. Schließlich wurden die farbenfrohen Kunstwerke mit den alten Druckerpressen aufs Papier gebracht. Praktische Tipps aus der „schwarzen Kunst“ lieferten dabei die pensionierten Setzer und Drucker Helmut Kohlbrenner, Thomas Klimas und Ulrich Dominic Mastaglio, die auch für andere Museumsgäste regelmäßig bei Vorführungen die eisernen Exponate in Bewegung setzen.

„Die Kinder waren mit Feuereifer bei der Sache“, freut sich Kirsten Fuchs. Der Zeitplan habe reibungslos eingehalten werden können. Nach den Osterferien werde eine zweite Gruppe der Offenen Ganztagsschule Mastbrook ihre Texte und Bilder für das Druckwerk mit insgesamt 40 geplanten Seiten erarbeiten, das im Sommer in einer Buchbinderei vollendet werden soll. „Ich wollte wissen, wie ein Buch entsteht“, verrät die zehnjährige Diana Savinor, „und es selber einmal ausprobieren“. Daher habe sie an dem Projekt teilgenommen. „Es hat mir großen Spaß gemacht.“ Auch der neunjährige Leon Breß ist ein Fan von Lesestoff. Am liebsten schmökere er Abenteuergeschichten. Zurzeit lese er „Das Volk von Tarkaan“ und freue sich schon darauf, wenn er in seine Büchersammlung das besondere Exemplar einreihen kann: den „königlichen“ Band aus eigener Produktion.

Auf das Abschlussfest, bei dem die Neuerscheinung den Eltern präsentiert wird, ist auch Museumsleiter Dr. Martin Westphal schon gespannt. Aus den Erfahrungen in den Vorjahren des landesweit einzigartigen Projekts, das mittlerweile die vierte Auflage erlebt, erwartet der Museumschef einen besonderen Moment. „Es ist faszinierend zu sehen, wie glücklich die Kinder sind, wenn ihr Buch endlich fertig ist und sie es in den Händen halten.“ Die Aktion sei ihm wichtig, weil das Museum durch die Kinder belebt werde. „Die Kleinen fühlen sich hier schnell zu Hause und kommen später vielleicht mit ihrer Familie zu einem Besuch wieder.“ Am schönsten aber sei es zu erkennen, wie das Selbstbewusstsein der Kinder wächst, weil sie aus eigener Kraft etwas Wertvolles geschaffen haben. „Das zu beobachten, ist einfach unschlagbar.“

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