Steenfeld : Ein Brunnen für alle

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Informationen bei Einwohnerversammlung. Zwölf Kilometer Hauptleitung führt zu hohen Kosten.

shz.de von
22. Januar 2015, 06:00 Uhr

Was in anderen Gemeinden längst selbstverständlich ist, war in Steenfeld nun Thema einer rege besuchten Einwohnerversammlung: Der Bau einer zentralen Wasserversorgung. Bislang erfolgt die Trinkwasserversorgung in Steenfeld über Brunnen auf den Hausgrundstücken. Was an sich kein Problem ist, wären da nicht die schlechten Wasserwerte, mit denen viele der Einwohner seit Jahren leben müssen.

„Von 79 Brunnen sind 39 rot belastet“, verlas Bürgermeister Ralf Eichert auf der Versammlung die Zahlen für Dezember 2014, die er sich zuvor vom Gesundheitsamt hatte geben lassen. Das bedeute, dass in einzelnen Fällen die Grenzwerte für Ammonium, Eisen, Mangan oder Nitrat überschritten wurden. In fünf Brunnen gab es bakteriologische Auffälligkeiten, bei sechs Brunnen war der pH-Wert zu niedrig, in sieben zeigten die gezogenen Proben eine Trübung, in vier weiteren Fällen eine Färbung. So sind die Werte für das Wasser aus dem Brunnen von Bettina Horn so schlecht, dass das Gesundheitsamt vom Verzehr abrät. Zudem habe sie zweimal umsonst nach neuen Wasserstellen gebohrt, erzählte sie. Ohne Wasser aber sei ihr Haus keine 100 Euro wert. Woher die schlechten Werte kommen, konnte Ralf Eichert nicht sagen. „Sicher ist aber, dass sich die Vorschriften und Grenzwerte für Hauswasserwerke aufgrund der zunehmenden Beeinträchtigung des Grundwassers landes- und bundesweit weiter verschärfen werden.“ Hinzu komme, dass es in Teilen der Gemeinde immer schwieriger werde, Wasser selbst in 100 Metern Tiefe zu finden.

„Neue Bohrungen kommen einer Glückslotterie gleich und sind zudem sehr teuer“, so Eichert. Deshalb sei es an der Zeit, sich um eine zentrale Wasserversorgung in Steenfeld zu kümmern. Das Problem ist aber die dezentrale Beschaffenheit des Ortes und der Grundstücke, die sich über rund elf Quadratkilometer auf die Ortsteile Liesbüttel, Spann, Pemeln, Schnittlohe, Fischerhütte und Wilhelmsburg verteilen, wobei Pemeln und Wilhelmsburg aufgrund der Entfernung nicht mit in die Planung einbezogen wurden. „Um alle an die neue Wasserversorgung anzuschließen, brauchen wir eine rund zwölf Kilometer lange Hauptleitung, und das macht die Sache teuer“, erklärte Eichert. Erste Berechnungen durch den Wasserverband Süderdithmarschen ergaben einen Anschlussbeitrag von rund 4327 Euro pro Grundstück, bei einer angenommenen Hausanschlusslänge von 20 Metern. Dadurch, dass der Bereich wie ein Neubaugebiet betrachtet werden könne, sei es rechtlich möglich, dass sich der Verband mit 30 Prozent an den Gesamtkosten von 566  000 Euro beteiligen kann, die restlichen 70 Prozent verteilen sich auf die Einwohner zu möglichst gleichen Beträgen, erklärte Henning Stahl vom Wasserverband. Die Gemeinde beteiligt sich mit 10  000 Euro an den Hydranten. Voraussetzung für dieses Angebot sei die Mindestteilnahme von 100 bis 132 Grundstücken, damit es sich für den Verband rechnet. „Somit ist klar: Ich brauche euch alle, wir brauchen uns alle“, appellierte Ralf Eichert an die Solidarität der Einwohner. Ein Anschlusszwang besteht nicht. „Aber seid euch bewusst, dass dieses Angebot vom Wasserverband absolut alternativlos ist und wir es zu diesen Konditionen nie wieder erhalten werden“, mahnte Eichert. Bis Ende Januar haben die Steenfelder nun Zeit, über das Angebot nachzudenken und einen Antrag auszufüllen.

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