zur Navigation springen

KonzertErlebnis : Ein bequemer Zeitsprung im Sitzen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Weihnachtskonzert in St. Marien mit Kantate aus Johann Sebastian Bachs Oratorium und raschem Wechsel vom Barock zur Romantik.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Traditionelles und Neues kombinierte Kirchenmusiker Volker Linhardt zum Weihnachtskonzert in St. Marien. Nicht nur der Termin, der 2. Weihnachtsfeiertag, war neu, sondern auch das Programm. So wurde nur die erste der sechs Kantaten aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt: Fast genau passend zu Bachs Uraufführungsdaten, erklang sie nach dem Heiligen Abend mit Vorgeschichte und Geburt des Christkindes. Darin zweimal das hoffnungsvolle „Jauchzet, frohlocket“ als Begründung dafür, weshalb wir Weihnachten feiern.

Weiteres Novum war die Weihnachtsouvertüre für Orchester und Chor von Otto Nicolai, der nicht nur als Opernkomponist („Die lustigen Weiber von Windsor“) bekannt ist, sondern auch als Gründer der Wiener Philharmonischen Konzerte und damit wichtiger Wegbereiter der Wiener Philharmoniker gilt. Hatte Bachs Weihnachtsoratorium mit einem fulminanten Extra-Paukensolo das Konzert eingeleitet, stellten der Kantatenchor St. Marien Rendsburg, das Orchester aus Mitgliedern der Kieler Philharmoniker und die Solisten (Brigitte Taubitz, Sopran; Manuela Mach, Alt; Achim Kleinlein, Tenor, und Jan Westendorff, Bass) in gewohnter Ausdrucksstärke ihr Können in den Dienst der Musik.

Überraschend, wie der Wandel des Orchesterklangs vom Barock in die neuere Zeit der Romantik um 100 Jahre innerhalb weniger Minuten vollzogen wurde. Fürs Publikum ein bequemer Zeitsprung im Sitzen. Nach etwas zehnminütigem Vorspiel, in dem mehrfach das Motiv „Vom Himmel hoch“ verarbeitet wurde, kam zum Schluss der Kantatenchor zu Wort. Das allerdings mit anderem, aber passendem Text: „Lob, Ehr‘ sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen ein‘gen Sohn. . .“. Klangfarbenreich und berührend zeigten Orchester und Chor Dankbarkeit für dieses Geschenk an die Menschheit. Dafür gab es spontanen Beifall.

Den Abschluss des festlichen Weihnachtskonzerts bildete Felix Mendelssohns Kantate „Vom Himmel hoch“, in welcher der Kantatenchor St. Marien allerdings in den hohen Lagen seine ansonsten so verlässliche Stimmqualität nicht zeigte. Darin wird die Bedeutung des Neugeborenen als Heiland und Erlöser aus der Not mit Dankbarkeit verbunden; auch wieder – wie in Nicolais Weihnachtsouvertüre auf die Melodie „Vom Himmel hoch“; zum Schluss aber mit dem Nicolai-Text. Damit war der Bogen geschlossen und das Denken über Weihnachten in eine neue Richtung gelenkt. Noch deutlicher wurde das in der Zugabe, in der Volker Linhardt und seine Künstler noch einmal mit Johann Sebastian Bachs „Herrscher des Himmels“ aus dem dritten Teil des Weihnachtsoratoriums an den Ursprung und Sinn dieses Weihnachtsfestes erinnerten.

Mit angenehmen knapp anderthalb Stunden Dauer und dem vom Vorweihnachtsstress befreiten Termin regte die fast ausverkaufte Veranstaltung zu einem neuen, entspannten Weihnachtsgefühl voller Dankbarkeit an. Weihnachten erhielt damit seine weitaus tiefere Bedeutung neben Geschenktausch und Wiedersehensfreude zurück.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen