Spendermangel über die Feiertage : Ein Angsthase geht Blut spenden

47 Menschen kamen gestern zur Blutspende in Rendsburg. Redakteurin Katrin Schaupp gehörte dazu.
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47 Menschen kamen gestern zur Blutspende in Rendsburg. Redakteurin Katrin Schaupp gehörte dazu.

LZ-Redakteurin mit Spritzen-Panik testet beim DRK-Kreisverband im Selbstversuch, wie schlimm der Aderlass wirklich ist.

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23. Dezember 2014, 06:00 Uhr

150.000 Menschen gehen jedes Jahr in Hamburg und Schleswig-Holstein Blut spenden. Seit gestern gehöre ich auch dazu. Angesichts der zahlreichen Spender, die jede Gelegenheit für den Aderlass nutzen, ist das eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Ein bisschen stolz bin ich aber trotzdem – ich habe nämlich furchtbare Angst vor Spritzen.

Wenn man das erwähnt, hört man immer dasselbe: „Blut spenden ist wirklich nicht schlimm“, versuchen einen Freunde und Bekannte zu ermutigen. Aus zwei Gründen habe ich es nun ausprobiert: Zum einen, weil ich es toll finde, wenn man auf diesem Wege anderen helfen kann. Und zum anderen, weil ich wissen wollte, wie schlimm es wirklich ist. So machte ich mich gestern Nachmittag auf den Weg zu einem offiziellen Blutspende-Termin beim DRK-Kreisverband in Rendsburg. Zugegeben: Mit schlottrigen Knien, aber sehr motiviert betrat ich die Räume in der Berliner Straße 2. Nach der Erfassung meiner persönlichen Daten wurden Körpertemperatur und der Eisenwert im Blut gemessen. Beides war in Ordnung, so dass ich die letzte Station vor der eigentlichen Blutspende ansteuern konnte: das Vorgespräch mit einer Ärztin. Hierbei wird der ausgefüllte Fragebogen durchgesehen und der Blutdruck gemessen. Wären diese Werte entscheidend gewesen, hätte ich wieder gehen müssen. Denn die Aufregung hatte meinen Blutdruck in ungeahnte Höhen getrieben. So aber bekam ich das Okay – und es wurde endgültig ernst.

In einem Raum mit vielen Liegen durfte ich es mir auf einer davon bequem machen. Und dann stand Kirsten Beck vor mir. Sie war es, die mir letztlich das Blut abnehmen sollte. Von ihrem Geschick würde also mein Urteil darüber abhängen, wie schlimm Blut spenden wirklich ist. Nun ging alles ganz schnell. Der Oberarm wurde abgebunden, die Einstichstelle mit einer kühlen Flüssigkeit desinfiziert, dann griff Kirsten Beck zur Nadel. Mein Blick wanderte durch den Raum, nur nicht auf meinen Arm. Ein kurzer Pieks. War’s das? Tatsächlich. Es ging schnell und war nicht schlimm. Die nächste Phase erforderte zehn Minuten Geduld. So lange dauerte es, bis ein kleiner, transparenter Plastikbeutel mit einem halben Liter meines Blutes gefüllt war. Übung macht den Meister, dachte ich, während ich mich umsah. Und wusste schon zu diesem Zeitpunkt: Das war nicht das letzte Mal, dass ich Blut spende. Zumal ich vorher Informationen bekommen hatte, die den Spruch „Blutspender sind Lebensretter“ bestätigen: In Hamburg und Schleswig-Holstein werden jeden Tag 750 Blutkonserven à 500 Milliliter benötigt. Aktuell ist Blut spenden besonders wichtig, um einem Mangel zwischen den Feiertagen vorzubeugen. Mit jeder Konserve kann bis zu drei Patienten geholfen werden. Je nach Erkrankung bekommen sie die roten Blutkörperchen, das Plasma oder die Blutplättchen verabreicht. 19 Prozent des Blutes und seiner einzelnen Bestandteile werden für Krebserkrankte benötigt. Jeweils 16 Prozent werden zur Therapie von Herz- sowie Magen- und Darmkrankheiten verwendet.

Nur etwa drei Prozent der Bevölkerung spenden Blut. Das ist aus Sicht des DRK zu wenig. Die nächsten Gelegenheiten gibt es am Sonnabend, 27. Dezember, von 13 bis 17.30 Uhr in Nortorf in der Gemeinschaftsschule, Marienburger Straße 49. In Osterrönfeld am Montag, 29. Dezember, von 15 bis 19.30 Uhr im Bürgerzentrum, Alter Bahnhof 24 und am Freitag, 2. Januar, von 16 bis 19 Uhr in Sehestedt in der Mehrzweckhalle, Kirchenweg 10.

Wenn ich das geschafft habe, kann das jeder andere auch. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten an alle Blutspender – und jene, die es noch werden wollen.

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