Eiderkaserne: Lärm als Investoren-Gift

Sorge im Bauausschuss: Krach durch B77-Verkehr und Rettungshubschrauber an der Klinik könnte zum Nachteil für künftiges Wohngebiet werden

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29. Januar 2015, 12:46 Uhr

Die ehemalige Eiderkaserne ist auf dem langen Weg zu einem Wohngebiet ein kleines Stück weiter. Im Bauausschuss wurden jetzt die Beschlüsse zur Aufstellung der Bebauungspläne für das Areal nördlich der Imland-Klinik gefasst. Wie zu erwarten ohne Gegenstimmen – und dennoch wurde über ein Thema ausgiebig diskutiert. Die Geräuschkulisse der nahen Umgebung bereitet einigen Mitgliedern Sorge. Wie lässt sich verhindern, dass mögliche Investoren und die späteren Bewohner von Neuwerk-West durch Verkehrslärm vergrault werden? Die nördliche Tunnelausfahrt und der an der Imland-Klinik stationierte Rettungshubschrauber sind Krachmacher, die sich nur wenige hundert Meter neben dem Planungsgebiet befinden (siehe Grafik).

Der Ausschuss-Vorsitzende Marc-Olaf Begemann plädierte für besonders gewissenhafte Messungen der Lärmemission, am besten „bei Westwind und dann, wenn die Bäume kein Laub tragen“, so der SPD-Mann. SSW-Mitglied Andreas Vollstedt pflichtete ihm bei. Der Straßenlärm sei weit über das Ex-Kasernengebiet hinaus zu vernehmen. „Ich wohne in der Fockbeker Chaussee, zweite Reihe. Seit es auf der B  77 die Betonwand in der Mitte gibt, hören wir die Autos.“ Die Stadtplaner haben das Problem erkannt. Neben der Schnellstraße soll auf Höhe der Imland-Klinik ein bis zu 4,5 Meter hoher Lärmschutzwall gebaut werden. Er endet an einem Fußweg nahe der Auffahrt „Rendsburg-Mitte“. Umstritten war im Ausschuss, ob ein Damm dieser Länge und Größe ausreicht, um den Schall bei Westwind vom Wohngebiet fernzuhalten. Tenor: Messungen von Fachleuten abwarten, danach weiter entscheiden. Auch zum Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung an der Imland-Klinik wünschten sich die Ausschussmitglieder weitere Informationen von der Verwaltung. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob das Fluggerät zwingend neben der Klinik, also mitten im Stadtgebiet, stationiert sein muss. „Der Hubschrauber ist das größere Problem“, sagte Axel Bornhöft (CDU). Der durch den Helikopter verursachte Krach entstehe plötzlich und sei vor allem wegen der nächtlichen Starts und Landungen ein Ärgernis. Zudem absolviere die DRF viele Verlegungsflüge für Kliniken außerhalb der Region und sei deshalb auf dem Flugplatz Schachtholm besser aufgehoben.

Die DRF bestätigte auf Anfrage der Landeszeitung, dass nur elf Prozent der Verlegungsflüge unter Beteiligung der Imland-Klinik geflogen werden. Nur in elf von 100 Fällen ist Rendsburg Start- oder Zielort für Intensivpatienten. Gemessen an der Gesamtzahl der Hubschrauber-Einsätze haben Verlegungsflüge jedoch nur einen Anteil von 19 Prozent, schränkte DRF-Sprecherin Eva Baumann ein. „Notfalleinsätze machen mit 81 Prozent den Großteil der geflogenen Einsätze der Station Rendsburg aus, und 30 Prozent der Notfallpatienten werden in die Imland-Klinik Rendsburg transportiert.“

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