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Mittelholstein : Durchwachsene Saison für Aukrugs Spargelbauern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das köngiliche Gemüse wuchs wegen der kühlen Witterung nicht wie erhofft.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Heute ist Johannistag, und die Spargelsaison geht zu Ende. Die Aukruger Spargelbauern ziehen eine durchwachsene Bilanz der Erntezeit – und das hängt insbesondere mit dem alles andere als spargelfreundlichen Wetter der vergangenen beiden Monate zusammen. „22 Grad und Sonnenschein“ seien das optimale Spargelwetter, vermerkt Spargelbauer Gerd Looft-Böttiger: „Aber solche Bedingungen haben wir vielleicht an drei Tagen gehabt.“ „Vor zehn Tagen sind wir morgens bei 3 Grad zum Wochenmarkt gefahren“, wirft sein Kollege Johann Holm ein. Mai und Juni waren in Mittelholstein deutlich zu kühl für den Geschmack der Bünzer Spargelbauern.

„Ich hab dies Jahr zum ersten Mal Folie über meine Spargeldämme gelegt – und das hat sich richtig bezahlt gemacht“, berichtet Looft-Böttiger. Die Folie habe den Spargel wirkungsvoll vor Kälte und Regen geschützt. „Ohne Folie wäre wohl gar kein Spargel hochgekommen“, meint Looft-Böttiger. Wegen der kühlen Frühlingstemperaturen hatte die Spargelente zwei Wochen später begonnen als 2014. „Man neigt ja dazu, die Ernte mit dem Ergebnis des Vorjahrs zu vergleichen“, gibt Holm zu bedenken, „wir waren einfach verwöhnt vom tollen Wetter und der tollen Ernte des vergangenen Jahrs.“ Im langjährigen Vergleich sei die Saison 2015 eher als „normal“ einzustufen: „Wir hatten eigentlich immer genug Spargel für unsere Kunden.“ In Anbetracht des langsam wachsenden Spargels waren allerdings manchmal erhebliche Anstrengungen vonnöten, um die Kundenwünsche zu befriedigen: „Auf dem Wochenmarkt in Kiel haben wir uns morgens so gerade noch mit der frühmorgendlichen Ernte über den Vormittag gerettet, dann haben wir mittags frischen Spargel hinterher gefahren, und trotzdem waren wir dann oft ausverkauft.“ Angesichts der relativ geringen Erntemengen war der Spargel in dieser Saison immer richtig frisch. „Nicht selten war der Spargel eine Stunde nach der Ernte schon auf dem Ladentisch“, sagt Looft-Böttiger, „in diesem Jahr hätten wir fast keine Kühlräume gebraucht.“

Angebot und Nachfrage hielten sich auch deshalb einigermaßen die Waage, weil die Kunden bei schlechtem Wetter auch nicht so verrückt nach dem königlichen Gemüse sind. „Wenn die Sonne scheint, wollen alle Erdbeeren, Eis und Spargel essen“, weiß Holm, „wenn es kalt ist und regnet, sind die Leute nicht so heiß auf Spargel.“ Das geringe Angebot sorgte überdies für Preise, mit denen die Spargelbauern zufrieden sein konnten. „Was nützt mir eine Rekordernte, wenn ich meinen Spargel nicht loswerde, weil alle anderen Spargelbauern auch eine Rekordernte haben?“, meint Looft-Böttiger.

Dass der Johannistag den Schlusspunkt der Spargelsaison markiere, sei ein „ungeschriebenes Gesetz“, vermerkt Holm. „Die Pflanzen sollen ab sofort Kraft sammeln für das nächste Jahr“, erklärt Looft-Böttiger, „wir hören jetzt mit dem Stechen auf, damit der Spargel genug Zeit zur Regeneration hat.“ Holm und Looft-Böttiger haben gestern schon die Folie von ihren Spargelfeldern genommen, ihre polnischen Erntehelfer verabschiedet und mit dem Einebnen der Spargeldämme begonnen. Auf den Spargelhöfen Holm und Looft-Böttiger gibt es deshalb heute auch keinen Spargel mehr. Im Gegensatz zum Spargelhof Brandt. „Wir haben noch bis Sonntag geöffnet“, sagt Wiebke Brandt, „bei uns gibt’s noch Spargel, solange der Vorrat reicht.“ Holm und Looft-Böttiger haben mit dieser Saison bereits abgeschlossen und sind gedanklich schon im nächsten Jahr: „Wir peilen den 5. Juni 2016 als Datum für unser 11. Spargelfest an.“ Dann soll eine neue Königin in der Spargelhochburg Bünzen regieren. „Dafür haben wir beim Spargelfest schon einige Vorschläge gesammelt, aber die Suche geht noch weiter – Kandidatinnen können sich gern bei uns melden!“

 

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