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Landeszeitung

20. Oktober 2017 | 10:57 Uhr

Christoph 42 : Durchblick im Dunkeln

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wenn es Nacht wird, setzen die Piloten des Rendsburger Rettungshubschraubers nicht nur einen Helm auf. Eine Spezialbrille verbessert künstlich die Sicht. Jetzt wird das System auch im Ernstfall eingesetzt.

Sie verstärkt das Restlicht elektronisch und ermöglicht oder verbessert die visuelle Wahrnehmung in der Dunkelheit oder Dämmerung: Seit Ende März setzen auch Piloten der DRF Luftrettung an der Imland-Klinik in Rendsburg bei ihren nächtlichen Einsätzen Nachtsichtbrillen ein, sogenannte Night Vision Goggles (NVG). Am Mittwochabend stellten die Hubschrauberpiloten Martin Dlugosch und Dirk Kugel die neuen High-Tech-Geräte einer amerikanischen Firma in der Basis an der Lilienstraße der Öffentlichkeit vor.

Sie zeigten ein kurzes Video, um den Unterschied zwischen der visuellen Wahrnehmung des Piloten im Anflug auf einen Landeplatz mit und ohne Nachtsichtbrille zu demonstrieren. Ein großer Unterschied. „Man sieht viel mehr Lichter, die man sonst nicht wahrnehmen würde“, so beschrieb es Martin Dlugosch. „Wir sind seit Jahren in der Dunkelheit geflogen. Jetzt sehen wir deutlich mehr, auch das, was außerhalb der Scheinwerfer liegt. So können wir die Situation vor Ort besser beurteilen. Das ist ein enormer Sicherheitszugewinn.“ Die Nachtsichtbrillen ermöglichen den Piloten nicht nur eine detaillierte Landeplatzerkundung, mit ihnen können auch unvorhergesehene Wetterbedingungen, wie tief hängende Wolken oder Nebelfelder, frühzeitig erkannt und ihnen ausgewichen werden.

Die Brillen funktionieren folgendermaßen: Das in der Nacht vorhandene Restlicht, etwa von Mond, Sternen und Städten wird aufgenommen, durch eine Kathodenröhre verstärkt und die Landschaftsabbildung auf einen Schirm vor die beiden Okulare der Brille projiziert. Da die Brillen einen reduzierten Blickwinkel haben und eine zweidimensionale monochromatische, grünlich-schwarze Darstellung, erfordert ihr Einsatz eine Ausbildung in Theorie und Praxis. Der Einsatz der Brillen ist Trainingssache. Da das Sichtfeld durch die Brille kleiner ist, müssen die Piloten den Kopf mehr bewegen. Zudem ist es keine Optik, sondern ein Bildschirm, auf den sie blicken. „Wir sind jetzt auf den Level, dass wir die Brillen auf dem Streckenflug einsetzen können“, erläutert Martin Dlugosch.

Im Herbst, wenn es wieder früher dunkel wird, ist der zweite Ausbildungsabschnitt, der die Start- und Landevorgänge betrifft, vorgesehen. „Dann sind wir da, wo es hingehen soll.“ Die Kosten pro Brille liegen bei rund 15  000 Euro. Pilot Dirk Kugel nickt. „Das sind schon Investitionen“, bestätigt er. „Wir brauchten mindestens zwei, haben jetzt sogar drei Brillen.“ Eine Investition, die sich lohnen wird. Denn von den insgesamt etwa 1500 Einsätzen des Rettungshubschraubers im vergangen Jahr waren rund 170 Nachtflüge.

Bei ihren nächtlichen Notfalleinsätzen arbeitet die DRF Luftrettung in Schleswig-Holstein eng mit den Feuerwehren zusammen. Gegründet wurde die Station als bundesweit zweite Luftrettungsstation der DRF Luftrettung im Februar 1975. Seitdem wurde „Christoph 42“, seit November eine Maschine vom Typ EC 145, zu über 47  000 Einsätzen alarmiert. Der Rendsburger Hubschrauber ist tagsüber mit einem, nachts mit zwei Piloten sowie mit einem Notarzt und einem Notfallsanitäter/Rettungsassistenten besetzt. Der Hubschrauber wird bei Notfällen als schneller Notarztzubringer und für den Transport von Notfallpatienten zwischen Klinken eingesetzt. Er ist als einziger Rettungshubschrauber in Schleswig-Holstein rund um die Uhr einsatzbereit und vor allem auch für die nächtliche rettungsdienstliche Versorgung der Inseln und Halligen von Bedeutung. Durchschnittlich jeder zweite Nachteinsatz führt die Hubschrauberbesatzung dorthin.

Das Einsatzgebiet des Rendsburger Rettungshubschraubers umfasst tagsüber die Kreise Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen, Nordfriesland und Schleswig-Flensburg einschließlich der Inseln und Halligen. In der Nacht ist das gesamte Land mögliches Zielgebiet.

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