zur Navigation springen

Aukrug : Durch Zufall „Gänse-Mama“ geworden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wie Redakteurin Katrin Schaupp zu den Küken Trude und Frieda kam. Die ersten Abenteuer aus dem Leben der beiden Jungtiere.

Die besten Dinge im Leben passieren einem, wenn man nicht damit rechnet. So war es auch nicht geplant, dass ich zur Gänse-„Mama“ werde – und doch leben seit fast zwei Wochen Trude und Frieda bei mir.

Die ganze Geschichte fing damit an, dass mir auf dem Heimweg von der Arbeit ein gelbes Etwas auf der Straße entgegenlief. Im Vorbeifahren sah ich, dass es ein Küken ist. Und weil mir das noch nie passiert ist – obwohl ich auf dem Land lebe –, hielt ich an, um nach dem Rechten zu sehen. Kaum ausgestiegen, rannte das Küken in meine Richtung und versuchte, auf meinen Schoß zu hüpfen, nachdem ich mich hingekniet hatte. Weil weit und breit kein Haus, Bauernhof oder Stall in der Nähe war, geschweige denn eine Gänsemutter, packte ich das gefiederte Wesen ein und nahm es mit nach Hause. Dort angekommen löste Trude, wie sie von irgendjemandem kurzerhand getauft wurde, wahre Begeisterungsstürme aus. Nun ist es aber auch so, dass das kleine Küken ungemein zutraulich ist. Ständig läuft es einem hinterher, ist man zu schnell oder nicht mehr zu sehen, wird laut geschrien. Und gibt es eine Gelegenheit, lässt sich Trude auch sehr gern ein bisschen kraulen und versteckt ihren Kopf dabei in der Armbeuge oder in einer Pullovertasche. Sowas lässt einfach niemanden kalt.

Da Gänse ja bekanntermaßen in Gruppen leben, stand fest, dass Trude einen Artgenossen braucht – und so zog schon am nächsten Tag Frieda ein. Obwohl sie etwas größer und älter ist als Trude, ist sie die deutlich ängstlichere Gans. Frieda folgt Trude auf Schritt und Tritt, die beiden sind ein Herz und eine Seele – und halten sich gern da auf, wo auch die Menschen sind, wenn es möglich ist. Tagsüber flitzen die beiden durch den Garten – und hier zeigen sich die Vor- und die Nachteile von Gänsen gleichermaßen: Einerseits ist das Rasen mähen mit den beiden hinfällig. Andererseits verrichten sie ihr Geschäft wo auch immer sie gerade stehen oder gehen. Doch das gehört nun mal dazu – als Landei ist man meist eh nicht so zimperlich. Was zu Gänsen noch dazugehört, das ist das Wasser. Einen ersten Kontakt zu dem Element hatten die zwei in einer Schubkarre. In der hatte sich Regenwasser gesammelt und war von der Sonne angenehm erwärmt. Nachdem sie den ersten Schreck verwunden hatten – ganz offensichtlich kannten sie Wasser zum Baden noch nicht –, entdeckten sie ihre ganz natürlichen Instinkte. So wurde ganz schnell ein bisschen getaucht und das Gefieder, das noch kein richtiges ist, gereinigt. Das zu sehen hat wirklich Spaß gemacht. Und nachdenklich gestimmt: Wie viele Tiere werden – auch hierzulande – nicht artgerecht, nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten?

Für mich steht in jedem Fall fest: Trude und Frieda sollen leben. Wenngleich mir bewusst ist, dass Gänse über 30 Jahre alt werden können. In der Hoffnung, für die zwei ein schönes zu Hause, optimalerweise mit weiteren Artgenossen, zu finden, habe ich mich viel umgehört. Doch egal, wen man gefragt hat: Alle erklären sich gern bereit, die Gänsekinder aufzunehmen – um sie dann irgendwann als Weihnachtsbraten zu verspeisen. Ehrlich gesagt sind es immer nur die Männer, die in dem Zusammenhang ans Essen denken – und dabei ist es auch irrelevant, ob sie Trude und Frieda persönlich kennen, oder nur aus meinen Erzählungen. Zur Ehrenrettung muss ich aber sagen, dass nicht alle Männer so sind. Es gibt auch die, die anbieten, beim Stallbau zu helfen, sollte sich nicht bald eine Unterkunft finden, wo die beiden alt werden dürfen.

So oder so – Trudes und Friedas Geschichte geht weiter. Und ich, ich bin davon überzeugt, dass es einen Menschen menschlich macht, sich um andere zu kümmern und für sie verantwortlich zu fühlen, wenn sie Hilfe brauchen – und wenn es eben eine kleine Gans ist. Da ist ein Weihnachtsbraten auch keine Lösung.

zur Startseite

von
erstellt am 30.Jun.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen