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Landeszeitung

15. Dezember 2017 | 19:30 Uhr

Dunklen Geheimnissen auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Krimi-Autorin Heike Denzau stellt ihr neues Buch in Büdelsdorf vor / Down-Syndrom und Nazi-Euthanasie-Programm als Thema

von
erstellt am 22.Mai.2017 | 16:49 Uhr

Heike Denzau ist erst spät zum Schreiben gekommen. Inzwischen ermittelt ihre Kommissarin Lyn Harms seit sechs Jahren und ist sehr erfolgreich. Am 1. Juni wird die Autorin den neuesten Fall im sh:z-Druckzentrum in Büdelsdorf vorstellen. Sabine Sopha, Redakteurin der Landeszeitung, sprach mit Heike Denzau über ihre Karriere als Schriftstellerin und das neue Buch „Dunkle Marsch“.

Frau Denzau, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Durch einen Zufall. Ich habe eine Geschichte für den Kindergottesdienst verfasst. Die kam so gut an – auch bei den Erwachsenen, dass ich an einem Wettbewerb für Weihnachtsgeschichten teilgenommen habe. Unter mehr als 200 Einsendungen habe ich den ersten Platz belegt. Aber die Initialzündung war die kleine Geschichte. Nach diesem ersten Erfolg habe mir gedacht: Du scheinst es ja zu können, habe verschiedene Genres ausprobiert und Kurzgeschichten geschrieben. Meinen ersten Krimi habe ich dann über einen Agenten bei dem Kölner Emons Verlag untergebracht. Das war vor zirka sieben Jahren.

Und Sie hatten zuvor keinerlei Erfahrungen mit der Schriftstellerei oder dem Buchgewerbe?

Nein, ich bin gelernte Rechtsanwalts- und Notarangestellte, habe später als Sekretärin gearbeitet und mich anschließend um meine beiden Töchter gekümmert.

Die Hauptperson Ihrer Krimis ist eine Frau. Haben Sie sich bewusst für eine Ermittlerin entschieden?

Ich dachte mir, dass ich mich in eine Frau besser einfühlen kann. Als ich die Figur entwickelt habe, suchte ich nach einem Alleinstellungsmerkmal. Viele Ermittler haben ja ein Alkoholproblem. Ich habe mich dafür entschieden, dass Lyn Harms geschieden und Mutter von zwei Töchtern ist. Diese Thematik kennen viele Menschen, sie bietet großes Identifikationspotenzial.

Wollen Sie es auch mal mit einem Mann als Hauptperson versuchen?

Ja, ich habe entsprechende Zukunftspläne. Ich bin gespannt, wie das sein wird, und freue mich schon auf diese neue Herausforderung.

Sie haben ja noch ein zweites Standbein.

Stimmt, bei Droemer-Knaur veröffentliche ich humorvolle Bücher wie „Opa will zum Nordkap“, denn im Krimi kann ich Humor nur bedingt ausleben. Im März kommenden Jahres erscheint dann „Ein Landarzt zum Verlieben“.

Ihr neuer Krimi behandelt dagegen ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte – das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten. Warum haben Sie diese Thematik gewählt?

Der Auslöser war ein Artikel: „Die Frau, die es nicht geben dürfte“. Gisela Großer überlebte trotz Down-Syndrom die Nazizeit. Dieser Artikel hat mich sehr berührt, vor allem, da ich eine Nichte mit Down-Syndrom habe – so wie im Buch der Journalist Gero Schlüter einen Neffen mit dieser Chromosomen-Veränderung hat.

In „Dunkle Marsch“ hat aber auch eine Familie während des Zweiten Weltkrieges eine Tochter mit Down-Syndrom verloren. Sie schildern im Buch, wie die Kinder damals in Heime kamen, wo man sie verhungern ließ oder tötete.

Die Euthanasie-Recherche war absolut grauenhaft. Aber in meinen Büchern möchte ich nicht belehren. Sehr viel eindrucksvoller lässt sich ein Thema anhand eines Beispiels darstellen. Darum auch der Blick in die Vergangenheit. Ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert.

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