Nord-Ostsee-Kanal und Eider : Dürre verhindert das Anglerglück

Siegmar Steffen angelt am Obereiderhafen Aale.  Fotos: Leptin (4)
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Siegmar Steffen angelt am Obereiderhafen Aale. Fotos: Leptin (4)

Fischen an Nord-Ostsee-Kanal und Eider ist in diesem Sommer deutlich schwieriger als sonst.

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05. August 2018, 19:50 Uhr

Rendsburg | Vorsichtig geht Achim Heinrich noch einen Schritt die Böschung herunter. Dann hebt er die Rute über die Schulter und holt aus. Mit einer schnellen Bewegung wirft der zweite Vorsitzende des Rendsburger Angelvereins „Petri Heil“ die Angel aus. Der Köder landet rund 20 Meter vom Ufer entfernt im Nord-Ostsee-Kanal. Heinrich wartet kurz, dann beginnt er, an der Rolle, auf der die Schnur läuft, zu drehen. Von Zeit zu Zeit reißt er die Rute ruckartig nach oben. Der Köder muss in Bewegung bleiben, damit Raubfische auf ihn aufmerksam werden und anbeißen.

Heinrich kennt alle Tricks. Seit 40 Jahren geht er fischen. Trotzdem ist es auch für ihn derzeit schwierig, Fische an den Haken zu kriegen: Die Saison läuft „mäßig“, berichtet er. In diesem Jahr sei das Fischen deutlich schwieriger als im vergangenen. Schuld sei der außergewöhnlich heiße Sommer: „Wenn das Wasser zu warm ist, werden die Fische träge.“ Sie essen weniger, bewegen sich kaum noch und jagen daher auch nicht dem Köder hinterher. Will man einen guten Fang machen, sollte man die Angel möglichst zu später Stunde auswerfen – abends werden die Wasserbewohner wieder munterer, so Heinrich.

Maßband, Knüppel und scharfes Messer

Ein guter Platz zum Angeln ist der Kanal: Kaum eine Fischart würde sich dort nicht tummeln, erläutert der 63-Jährige. Welcher Fisch anbeißt, ist bei Profis wie den 300 Mitgliedern des Rendsburger Angelvereins aber kein Zufall. Je nach Köder werden unterschiedliche Tiere angelockt. Will man Jagd auf Raubfische wie Zander, Barsch, Hecht oder Forelle machen, bieten sich als Lockmittel kleine Plastikfische an. „Friedfische“ wie Karpfen oder Brassen dagegen fängt man am besten, indem man einen mit Maden oder Würmern befüllten Futterkorb aus Draht in der Nähe des Hakens platziert. An diesem wird ein weiterer Wurm aufgespießt. Nach dem Auswerfen heißt es abwarten. Die Angel sollte nicht bewegt werden, damit die „Friedfische“ ungestört an ihr Futter kommen können.

Nicht jeden Fang darf man behalten. Es gilt, die „Schonmaße“ einzuhalten: Ein Zander, der kürzer als 45 Zentimeter ist, muss wieder zurück ins Wasser geworfen werden. Neben einem Maßband müssen auch stets ein Knüppel sowie ein scharfes Messer zur Hand sein, um gefangene Fische schnell betäuben und töten zu können.

Grundvoraussetzung für das Angeln ist ein Fischereischein. Dieser allein berechtigt aber nur zum Fischen an der Küste. Für Gewässer im Landesinneren sind zusätzliche Erlaubnisse nötig.

Weil Angler viel Zeit am Ufer verbringen, werden sie auch häufig mit herumliegendem Abfall am Wasserrand in Verbindung gebracht. Doch Heinrich weist diesen Zusammenhang zurück: „Der größte Teil des Mülls, der am Ufer liegt, ist nicht den Anglern zuzurechnen.“ Er betont, dass die Mitglieder von „Petri Heil“ im Gegenteil sogar für die Sauberkeit von Gewässern und Ufern sorgen: Regelmäßig treffen sie sich am Stadtsee zum Reinigungsdienst. Von dem sauberen Wasser profitieren auch die Jugendlichen im Verein: Sie üben am Stadtsee.

Auch die Eider bietet sich zum Fischen an. Siegmar Steffen ist seit sechs Jahren regelmäßig am Obereiderhafen. Mit drei Angeln macht er Jagd auf Aale. An den Schnüren hat er Golfbälle befestigt. Bewegen sie sich, ist das ein Zeichen dafür, dass ein Fisch angebissen hat. Bis es so weit ist, wartet der 55-Jährige und guckt übers Wasser: „Beim Angeln kann ich die Seele baumeln lassen und abschalten.“

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