Noch kein Verkauf : Duell um die Hertie-Ruine geht weiter

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Die Verhandlungen mit einem Bewerber über das Ex-Kaufhaus enden ohne Ergebnis – jetzt hat ein Unternehmer aus der Region wieder bessere Karten.

shz.de von
19. Januar 2015, 06:01 Uhr

Wieder nichts – bei den Verhandlungen um den Kauf des leerstehenden Hertie-Hauses gibt es noch immer keine Entscheidung. Gespräche zwischen einem von zwei Interessenten und dem Vermarkter der ehemaligen Warenhaus-Immobilie endeten am Freitag ohne Ergebnis. Vertreter der Albrecht Vermögensverwaltung (AVW) und Sebastian Mogos-Lindemann von der Firma CR Investment Management konnten sich nach Informationen der Landeszeitung nicht auf einen Kaufpreis einigen. Wie berichtet, möchte AVW sowohl das Hertie-Haus am Altstädter Markt als auch das ebenfalls leerstehende Ex-Kaufhaus in Schleswig erwerben. Das allerdings zu einem vergünstigten Paket-Preis – den Mogos-Lindemann offenbar nicht zu akzeptieren bereit ist. Sein stärkstes Druckmittel ist der zweite Bewerber, ein Unternehmer aus der Region. Der möchte das Rendsburger Haus allein erwerben, abreißen und im Schatten der Marienkirche ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage errichten. Von beiden Verhandlungspartnern gab es am Freitag keine Stellungnahme.

Fünf Jahre und 156 Tage nach dem Auszug der letzten Kaufhaus-Mitarbeiter ist der Ausgang der Verhandlungen damit offen. Während Beobachter zunächst die Albrecht Vermögensverwaltung (war bereits an der Schiffbrückengalerie beteiligt) im Vorteil sahen, weil die Entwickler beide Häuser kaufen wollen, scheint der hiesige Unternehmer nun wieder bessere Karten zu haben. Fest steht: Der fortschreitende Verfall des Hertie-Gebäudes wirkt sich aus Käufersicht positiv auf den Preis aus. Der inzwischen gerichtlich festgestellte Verkehrswert beträgt nur noch 848  000 Euro – rund die Hälfte jener Summe, von der noch vor etwa einem Jahr die Rede war. Damals hatte die Stadt noch erwogen, das Haus selbst zu erstehen.

Ein Mann kennt beide Kaufhaus-Wracks genau. Der Beringstedter Andreas Kleist war der letzte Geschäftsführer sowohl des Rendsburger als auch des Schleswiger Hertie-Hauses, bevor an beiden Standorten die Lichter ausgingen. „Es ist traurig, was aus diesem 1A-Standort in Rendsburg geworden ist“, sagt Kleist, der 20 Jahre für Karstadt/Hertie gearbeitet und sich nach dem beruflichen Aus Mitte 2009 eine neue Existenz geschaffen hat. Der 45-jährige Ex-Kaufhaus-Chef leitet nun das von ihm selbst gegründete Seniorenheim „Pflegezentrum Op den Botterbarg“ in Hanerau-Hademarschen. Mit Hertie, so Kleist, habe er abgeschlossen. Das Äußere der Ruine wundere ihn überhaupt nicht. „Der bauliche Zustand war schon damals schlecht. Ich möchte nicht wissen, wie es jetzt darin aussieht.“

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