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Störche in Schleswig-Holstein : Drohnen stören die Brut

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Bestand an Weißstörchen im Lande ist zurückgegangen. Das hat verschiedene Gründe. So machen sich unter anderem Gänse in den Nestern breit.

Meister Adebar fühlt sich gestört. Zum einen kommen weniger Störche in das Land zwischen den Meeren, zum anderen ziehen sie weniger Junge auf. Das wurde bei der Fachtagung der Storchenbeauftragten und Experten im „Michael-Otto-Institut“ in Bergenhusen deutlich.

Gebietsbetreuer Jörg Heyna legte die neuesten Bestandszahlen vor. So ist die Zahl der Ostzieher rückläufig, während die der Westzieher und Überwinterer in Südspanien zunimmt. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde erreichten nur 78 Prozent der Tiere im Jahr 2015 ihr Brutgebiet. Die gesamte Marsch ist mit einigen Ausnahmen storchenfrei und in Ostholstein und Lauenburg gehen die Zahlen deutlich zurück (weniger Ostzieher).

Uwe Peterson, Referent der Arbeitsgemeinschaft Storchenschutz des Naturschutzbundes (Nabu) Schleswig-Holstein, bedankte sich bei den Teilnehmern für ihr ehrenamtliches Engagement rund um die Betreuung der Störche von der Nestpflege über Neubau von Nestern, Beringung und Datenerhebungen. Er gab bekannt, dass die Zahl der Ringablesungen zugenommen hat von 269 im Jahr 2012 auf 449 im Jahr 2014. Nur so sei die wissenschaftliche Arbeit möglich, erklärte er . Es werde erkennbar, dass Störche aus Belgien, Polen, Schweden und Sachsen-Anhalt in Schleswig-Holstein Gebiet brüten. Sein Dank ging auch an die Experten, die sich um die verletzten Störche kümmerten.

Jörg Heyna berichtet, dass es immer mehr Störungen an den Brutnestern gibt. Neuerdings machen sich Nilgänse, Stockenten und Kanadagänse in den Storchennestern breit und vertreiben angestammte Störche. Auch habe die Zahl der Drohnen, die Flugmanöver über Brutnester durchführen, zugenommen. „Dies sind Störungen, die zu Brutausfällen führen. Wir appellieren an die Drohnenbesitzer, die Nester und die Aufzucht der Störche mit ihren Fluggeräten nicht zu stören.“

Auch die Alterspyramide verändert sich. Das Durchschnittsalter der Störche beträgt jetzt 6,5 Jahre, wenige sind zwischen 25 und 30 Jahren. Der Anteil der zweijährigen Brutvögel liegt bei elf Prozent. Die Westzieher haben weniger Verluste bei der Überwinterung als die Ostzieher und können im Schnitt zwei Jahre länger Junge aufziehen.

Sieben Störche aus Schleswig-Holstein sind mit Sendern ausgerüstet und geben somit Daten, die in Bergenhusen von Kai Michael Thomsen ausgewertet werden. Zusätzlich waren dieses Jahr weitere drei Jungstörche (zwei aus Satrup, einer aus Tetenhusen) mit „Loggern“ ausgerüstet worden. Die Geräte wiegen zirka 40 Gramm und kosten um die 2000 Euro. Sie sammeln und übertragen Daten der Störche wie Position, Flughöhe, Geschwindigkeit und Temperaturen. Diese Routen könne auch im Internet verfolgt werden: www.nabu.de/aktionenundprojekte/weissstorchbesenderung/

reisetagebuecher/.
Jörg Heyna musste mit Bedauern mitteilen, dass diese drei Jungstörche auf ihren Flügen ins Winterquartier in Bulgarien und Rumänien ums Leben gekommen sind.

In Dänemark ist die Situation der Weißstörche noch dramatischer als in Norden Deutschlands: Experte Hans Skov aus Dänemark erklärte, dass es 1850 noch 10  000 Störche gab, um 1900 1000 Störche und heute sind nur noch zwei Storchenpaare in Dänemark, die auch noch zugefüttert werden müssen. „Wir bemühen uns, die Population zu vermehren. Leider mit wenig Erfolg. Es gibt keinen Platz mehr für die Störche in der landwirtschaftlich intensivierten Landschaft.“

Störche in Schleswig-Holstein

Es hat einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr gegeben, da weniger Ostzieher im Brutgebiet in Schleswig-Holstein eintrafen.

> 2010 kamen 207 Paare,

davon 173 mit Jungen.

> 2014 kamen 293 Paare,

davon 217 mit Jungen.

> 2015 kamen 269 Paare, 207 mit Jungen.

Die Gesamtzahl der flügge gewordenen Jungstörche betrug

> 2010: 440

> 2014: 520

> 2015: 502

> Die fütterungsabhängigen Storchenpaare aus den Tier- und Wildparks (Eekholt, Witzhusen, Wyk/Föhr, St. Peter Ording und Krüzen) haben einen Bestand von 68 Paaren und 151 Jungstörchen.

> Der Bestand der sehr scheuen Schwarzstörche wird auf sieben bis zehn Paare geschätzt.

Wer mehr über Störche wissen will:
> http://stoercheimnorden.jimdo.com

> www.nabu.de/
> www.storch-schweiz.ch

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