Drohne spürt Rehkitze im Gras auf

Vorbereitung: Die Jäger Yannik Pick (links) und Olaf Malmström sehen Drohnenpilot Philipp Dethleffsen und Landwirt Erik Müller bei der Eingabe der Geodaten zu.
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Vorbereitung: Die Jäger Yannik Pick (links) und Olaf Malmström sehen Drohnenpilot Philipp Dethleffsen und Landwirt Erik Müller bei der Eingabe der Geodaten zu.

Rettung aus der Luft vor Tod durch Mähmaschinen / Flugroboter mit Wärmebildkamera im Einsatz / Test auf Gut Ellerdorf

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23. Mai 2018, 14:27 Uhr

High Tech zur Lebensrettung: Durch den Einsatz von Drohnen und Wärmebildkameras können immer öfter Rehkitze vor einem Tod durch Mäh- und Erntemaschinen bewahrt werden. Nun wurde die Technik zum ersten Mal auf einigen Feldern vom Gut Ellerdorf erfolgreich eingesetzt.

Es ist das angeborene und instinktive Verhalten ganz junger Rehkitze, sich bei Gefahr im hohen Gras abzuducken und regungslos zu verharren. Was seit Jahrhunderten zwar gegen Fressfeinde hilft, hat aber fatale Folgen, wenn Mäh- und Erntemaschinen im Einsatz sind. Im schlimmsten Fall überlebt das Kitz den direkten Unfall zwar erst, um dann aber später verstümmelt und schwerverletzt qualvoll zu verenden.

„Normalerweise liegt es in der Verantwortung des jeweiligen Landwirts, vor dem Mähen die Felder zu kontrollieren – aber wir Jäger unterstützen das natürlich gerne mit“, erklärt Olaf Malmström, der die örtliche Jagd schon seit vielen Jahren von dem Landwirt Erik Müller gepachtet hat. Mit ihm hatte er sich darauf geeinigt, dieses Mal eine Drohne zum Einsatz zu bringen. Vor kurzem war es dann so weit: Kurz nach sechs Uhr morgens herrscht rege Betriebsamkeit auf einem der Felder von Landwirt Müller. Gemeinsam mit ihm gibt Drohnenpilot Philipp Dethleffsen von der Firma Sky Tec erst einmal die Geodaten der in Frage kommenden Fläche in einen Laptop ein. Anhand einer Satelliten-Karte können somit die geografischen Eckpunkte direkt festgelegt werden. Noch eine kurze Kontrolle der Akkus und es kann losgehen. Auf Knopfdruck beginnen die acht kleinen Propeller zu rotieren, um kurz darauf die Drohne mit einem Surren, das an einen Hornissenschwarm erinnert, in die vorher eingegebene Beobachtungshöhe von 75 Metern zu befördern. Den Rest macht die Technik von alleine. „Sie fliegt jetzt mit einer Geschwindigkeit von neun Metern pro Sekunde das Feld ab und deckt dabei eine Breite von gut 80 Metern ab – stoppen wird sie erst wieder, wenn ich manuell eingreife“, verrät der Drohnenpilot.

„Da vorne könnte etwas sein“, ruft Dethleffsen den Jägern zu, nachdem er eine Wärmesignatur auf seinem Kontrollschirm aufgemacht hat, und stoppt sofort die Drohne. Anhand ihrer Position kann man schon einmal in die grobe Richtung gehen. „Jetzt rüber nach links und noch etwas weiter in Richtung Knick“, dirigiert der Drohnenpilot die Jäger zu der Stelle. Kurz vor ihnen springt ein Hase auf – Entwarnung. Kurze Zeit später ist das Feld abgeflogen. „Alles in Ordnung, ihr könnt loslegen“, betätigt Dethleffsen. Kaum haben alle das Gebiet verlassen, setzt sich auch schon die erste Mähmaschine in Bewegung. Keine Zeit für die Tiere, jetzt wieder in das Feld zu laufen.

Gegen 7.30 Uhr bricht Dethleffsen ab. „Die Sonne hat jetzt schon so viel Kraft, dass die Felder aufgeheizt werden und zu viel Wärme abstrahlen“, so der Drohnenpilot. Und richtig, haben sich vorher noch die Wärmesignaturen der Wildtiere als helle Punkte deutlich abgezeichnet, ist nun kein Unterschied mehr zu sehen. Trotz des relativ engen Zeitfensters können an diesem Morgen aber dennoch 40 Hektar kontrolliert werden. „Obwohl wir keine Kitze gefunden haben, hätten wir dafür mit einer Zwölfer-Menschenkette sonst einige Stunden gebraucht“, sagt Malmström.

Vor gut zwei Jahren wurde die Kitzrettung per Drohne zum ersten Mal vom Landesjagdverband vorgestellt. „Damals sollte so ein Gerät mit Steuereinheit und großem Monitor aber alleine 35 000 Euro kosten“, erinnert sich Malmström. Nach zahlreichen Tests hat man sich mittlerweile auf eine verlässliche und bezahlbare Technik geeinigt, die der Verband nun als Komplettpaket inklusive Schulung für 9999 Euro anbietet. Denn die benötigte Sondererlaubnis zur Kitzrettung mit Drohnenunterstützung erhalten nur Drohnenpiloten, die die Prüfung des Landesjagdverbandes abgelegt und bestanden haben. „Zurzeit sind bereit sechs Drohnen offiziell im Einsatz – aber das werden sicher noch mehr“, vermutet Dethleffsen.

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