Dritte Gedenktafel der "Kolo-Schule" gestohlen

Eine Stele  'oben ohne': Ingrid und Frank Müller  an den Gedenksteinen. Foto: Haller
Eine Stele "oben ohne": Ingrid und Frank Müller an den Gedenksteinen. Foto: Haller

Koloniale Frauenschule wurde vor 85 Jahren gegründet / Ehepaar pflegt Anlage am früheren Standort

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26. Mai 2012, 07:27 Uhr

Rendsburg | Vor 85 Jahren wurde die Koloniale Frauenschule Rendsburg gegründet. Vor dem Hintergrund dieses Jubiläums ärgert es Ingrid und Frank Müller besonders, dass bereits zum dritten Mal eine Gedenktafel am einstigen Standort des Gebäudes gestohlen wurde. Das Ehepaar pflegt seit mehreren Jahren diese Stätte. Der Backsteinbau, der später auch Heimvolkshochschule beziehungsweise Nordkolleg beherbergte, hatte 1977 der Kanalerweiterung weichen müssen. Rund 1000 "höhere Töchter" waren hier bis 1945 mit haus- und landwirtschaftlicher Ausbildung auf ein Leben in den deutschen Kolonien vorbereitet worden.

Dass sich der 70-jährige Frank Müller und seine Frau Ingrid (74) um die Gedenkstätte kümmern, kommt nicht von ungefähr. Der früher als Transall-Flieger beim Lufttransportgeschwader 63 tätige Berufssoldat stammt aus Witzenhausen in Hessen, wo die Deutsche Kolonialschule 1898 gegründet worden war. Sein Großvater war dort als Obergärtner beschäftigt.

Bei einem Familientreffen 1998 wurde der 1980 nach Rendsburg gezogene Müller von einem Gast angesprochen. Hans Bagwan, der Leiter des Heimatmuseums seiner Vaterstadt, hatte das RD-Kennzeichen an Müllers Auto bemerkt und ihm berichtet, er habe eine Bronzeplakette von der Kolo-Schule Rendsburg in seinen Beständen. Dorthin war sie gelangt, nachdem Vertreter der städtischen Gremien den Wunsch der Ehemaligen abgelehnt hatten, sie an einem Findling anzubringen. Diesen hatten die früheren Schülerinnen 1983 mit Hilfe der Stadt neben einer von ihnen gepflanzten Eiche aufgestellt.

Müller fackelte nicht lange und nahm die Tafel mit nach Rendsburg. 2004 wurde sie samt einer 1,50 Meter hohen Granit-Stele vom Verschönerungsverein übergeben und ein Jahr darauf durch die Kolos" eingeweiht. Seitdem wird die Anlage von den Müllers betreut.

Die älteren Damen setzten bald einen weiteren Wunsch durch: Die Ursprungs-Plakette mit Jahreszahlen und einer Abbildung des Gebäudes wechselte auf den Findling; an ihren Platz auf der Stele kam eine Messingtafel mit Angaben zur Chronik der Schule.

Damit begann auch die Geschichte der Diebstähle. 2006 wurde die durch unbekannte Täter vom Findling abmontierte Bronze- durch eine ähnliche Messingtafel ersetzt. Als diese zwei Jahre später ebenfalls das Opfer von Langfingern wurde, brachte ein Steinmetz die Gravur "1927 - 1945" mitsamt dem Umriss der Schule auf dem Stein an.

Am Donnerstag entdeckten Müllers, die etwa alle zwei Monate das Beet bearbeiten und gegebenenfalls die Steine säubern, dass die Tafel von der Stele entfernt wurde - wahrscheinlich abgesägt. "Das sind doch Gangster; die haben das verkloppt", ist Müller sicher, dass es sich um gewerbsmäßige Metalldiebe handelt. In einer Mitteilung an die Ehemalige Hildegard Buhmann empfiehlt das Ehepaar, die Stele zu entfernen.

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