Drei Flitterwochen für Königinnen

Paradies für Bienenköniginnen: Die Insel Helgoland liegt so weit vom Festland entfernt, dass die Imker ihre Königinnen unter 'Reinzucht'-Bedingungen begatten lassen können. Foto: lz  (3)
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Paradies für Bienenköniginnen: Die Insel Helgoland liegt so weit vom Festland entfernt, dass die Imker ihre Königinnen unter "Reinzucht"-Bedingungen begatten lassen können. Foto: lz (3)

Spezialmission auf der Hochseeinsel Helgoland / Imker unterwegs mit Bienen und 2000 Drohnen / Zuchtziel: Sanftmut

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27. Juli 2011, 07:55 Uhr

HELGOLAND/BELDORF | Von einer sehr erfolgreichen Spezialmission sind die Bienenzuchtexperten vom Züchterring Rendsburg zurückgekehrt. 80 Bienenköniginnen samt Hofstaat und Drohnenvölkern wurden nach Helgoland verfrachtet, um dort unter besonders isolierten Bedingungen begattet zu werden. Bei der Rückkehr konnten die Imker feststellen, dass sie ihre Zuchtziele immerhin zu 80 Prozent erreicht hatten.

"Die Imkerei ist so schon ein tolles Hobby", meint Carsten Knop aus Beldorf, "aber die Königinnenzucht ist das absolute Sahnehäubchen." Der 1. Vorsitzende des Imkervereins Hademarschen hat seit einem Vierteljahr ein ganz besonderes Ehrenamt auf der Insel Helgoland inne: Knop ist "Belegstellenwart der Inselbelegstelle Helgoland". Statt "Belegstelle" könne man auch "Begattungsstelle" sagen, erläutert Knop, und begattet werden sollen dort Bienenköniginnen. Dass diese Königinnen nur von den Drohnen begattet werden, welche die Züchter für diese Aufgabe auserkoren haben, ist für die Imker von großer Wichtigkeit, denn sie verfolgen bestimmte Zuchtziele und wollen darum die Rahmenbedingungen der Königinnenbegattung so weit wie möglich unter Kontrolle haben. Aus diesem Grund unterhalten die deutschen Bienenzüchter mehrere Inselbelegstellen, zum Beispiel auf Sylt, auf der Hamburger Hallig und auf Norderney, denn dort können ihre Zuchtaktionen unter ziemlich isolierten Bedingungen vonstatten gehen. "Die Inselbelegstelle Helgoland hat dabei einen Sonderstatus, denn sie ist die einzige Reinzuchtbelegstelle", erklärt Knop, "das bedeutet: Sie liegt mehr als zwölf Kilometer vom Festland entfernt, und damit kann ausgeschlossen werden, dass sich fremde Drohnen in die Paarung einschleichen."

Betreut wird die Inselbelegstelle Helgoland seit über 40 Jahren vom Züchterring (ZR) Rendsburg. In jedem Sommer werden Bienenköniginnen von ZR-Imkern zwecks "Reinzucht"-Begattung nach Helgoland verfrachtet und einen knappen Monat später wieder abgeholt. Ein Spezialjob, der seit mehr als 20 Jahren von drei Leuten erledigt worden ist: von ZR-Chef Herbert Witt aus Krummwisch, dessen Ehefrau Helga und Jürgen Voß aus Kiel. "2010 durfte ich als Frischling mit den drei alten Hasen nach Helgoland fahren", berichtet Knop. An der Helgoland-Mission 2011 nahm der Beldorfer, der 2008 seinen Körmeisterlehrgang an der Imkerschule abgeschlossen hatte, nun schon als ZR-Vizevorsitzender und Belegstellenwart teil. Ende Juni starteten Knop, die Eheleute Witt und Voß von Krummwisch aus zu ihrer ersten Helgoland-Tour. Im Gepäck hatten sie 80 Bienenköniginnen samt Hofstaat (jeweils etwa 600 Bienen) von Imkern aus Rendsburg, Todenbüttel, Wapelfeld, Neumünster, Segeberg, Kiel und Avetoft, natürlich auch die eigenen Königinnen aus Beldorf und Krummwisch sowie zwei Drohnenvölker mit rund 2000 Drohnen. Die Begattungskästen wurden nach Büsum gebracht, von wo aus es mit dem Schiff "Funny Girl" nach Helgoland ging.

Dass die anderen Schiffsgäste ein wenig ängstlich auf ihre Fracht reagieren, kennen die ZR-Experten schon. "Dem Züchterring wurde die Auflage gemacht, die Sendung so zu verpacken, dass kein Insekt entweichen kann", erzählt Knop, "die von Helga Witt angefertigten Gardinensäcke eigneten sich hervorragend dafür: Keine Biene gelangte ins Freie." Ins Freie durften die Königinnen erst auf Helgoland. Nachdem die Begattungskästen auf dem Gelände der Inselbelegstelle (eine Liegenschaft des Munitionsräumdienstes) aufgebaut worden waren, wurden die Fluglöcher geöffnet. Zu diesem Zeitpunkt waren die Königinnen genau eine Woche alt. "Die haben einmal im Leben hier auf Helgoland ihren Spaß mit den Drohnen", sagt Knop, "und dann dürfen sie den Rest ihres Lebens nur noch Eier legen."

Der einmalige Spaß für die Königinnen dauerte immerhin dreieinhalb Wochen. Bei ihrer zweiten Helgoland-Tour konnten die Witts, Voß und Knop dann feststellen, dass Königinnen und Drohnen ihren Inselurlaub optimal genutzt hatten. "Das waren offenkundig sehr vitale Drohnen", bilanziert Knop, dessen zwölf Beldorfer Königinnen alle begattet worden waren. Insgesamt lag die Begattungsquote bei 80 Prozent: ein Ergebnis, mit dem man beim ZR Rendsburg sehr zufrieden ist. "Das Ziel unserer Zuchtbemühungen ist neben einer Verbesserung der Honigleistung und der Bestäubungsleistung vor allem auch die Steigerung der Sanftmut der Bienenvölker", erklärt Knop, "nur dadurch kann man die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung erwirken, um in einem dicht besiedelten Raum eine Bienenhaltung für Jedermann zu ermöglichen."

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