Karate : Drei DM-Titel für den SSV Nübbel

Stolze Medaillengewinner (von links): Mike Burmeister (Bronze), Felix Behrendt (Gold), Robin Endricat (Silber), Michel Boldt (Gold) und Nele Mielke (Gold).
Stolze Medaillengewinner (von links): Mike Burmeister (Bronze), Felix Behrendt (Gold), Robin Endricat (Silber), Michel Boldt (Gold) und Nele Mielke (Gold).

Bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt holte der Karate-Nachwuchs des SSV Nübbel gleich drei Titel. Felix Behrendt, Michel Boldt und Nele Mielke gewannen ihrer Altersklasse. Zudem wurde Robin Endricat Vizemeister. Mike Burmeister holte Bronze.

shz.de von
01. Juli 2015, 06:00 Uhr

Dass es ein besonderer Tag werden würde, hatte Nele Mielke bereits früh geahnt. „Schon beim Aufstehen hatte ich so ein Glücksgefühl. Ich war irgendwie euphorisiert“, sagt die 17-Jährige rückblickend. Und ihr Empfinden sollte sie nicht trügen. Keine zwölf Stunden später durfte die Osterrönfelderin ihren bis dato größten sportlichen Erfolg feiern. Bei den Deutschen Karate-Meisterschaften in der Erfurt hatte sich Mielke bei den U21 in der Klasse bis 61 Kilogramm den Titel geholt.


Mielke mit „Sahne-Tag“


„Natürlich träumt man davon, irgendwann einmal ganz oben auf dem Siegerpodest zu stehen. Ich habe mir diesen Traum erfüllt. Das macht mich sehr stolz.“ Sicherlich hatte die Kämpferin des SSV Nübbel ein wenig Glück, dass mit Europameisterin Anna Miggou (Ludwigsburg) die Topfavoritin bei den nationalen Titelkämpfen fehlte, die Freude und den Stolz über den Triumph konnte das aber nicht mindern. Mielke: „Ich weiß nicht, ob ich gegen Anna gewonnen hätte, ich habe schließlich noch nie gegen sie gekämpft. Aber ich weiß, dass ich ihr das Siegen verdammt schwer gemacht hätte.“ Denn Mielke hatte nach den Worten von Trainer Axel Behrendt „einen Sahne-Tag erwischt“, schon früh zeichnete sich der Erfolg seines Schützlings ab. „Nele hat sehr konzentriert gekämpft. Ihr war anzumerken, dass sie diesen Titel unbedingt wollte. Klasse, dass sie es geschafft hat“, sagt Behrendt, der sich aber nicht nur über den Erfolg Mielkes freuen durfte, denn mit Felix Behrendt (U21/-75 kg) und Michel Boldt (Jugend/-63 kg) stellte der SSV Nübbel noch zwei weitere Deutsche Meister. Zudem wurde Robin Endricat (U21/-75 kg) Vizemeister und Mike Burmeister (Jugend/-45 kg) holte Bronze. „Dass ist für so einen kleinen Verein wie wir es sind, ein Riesenergebnis“, sagt Behrendt mit berechtigtem Stolz in der Stimme. Den Erfolg sieht der Trainer in der akribischen Vorbereitung auf die Titelkämpfe begründet. „Wir haben sehr intensiv trainiert und viel an der Taktik gearbeitet. Die haben das alle top umgesetzt.“


Verletzung stoppt Endricat


Trainer-Sohn Felix beispielsweise hatte seinen Kampfstil umgestellt und das Heil in den Kämpfen von Beginn an in der Offensive gesucht. In der zweiten Runde traf Behrendt mit Laurent Etemi (Esslingen) auf einen Gegner, dem er Ende April im Halbfinale der Deutschen Senioren-Meisterschaften noch unterlegen war. Diesmal machte der Nübbeler kurzen Prozess mit Etemi und fegte seinen Kontrahenten mit 6:1 von der Matte. Einzig Vereinskollege Robin Endricat hätte Behrendt auf dem Weg zu dessen siebten deutschen Meistertitel stoppen können, doch zu einem reinen Nübbeler Endkampf – wie bereits 2012 – kam es nicht, weil Endricat im Halbfinale von seinem Gegner K.o. getreten wurde. Beim Stand von 2:0 für den Nübbeler traf Robin Winters (Wittlich) den 20-Jährigen mit dem Fuß so stark am Kopf, dass Endricat zu Boden sank und liegen blieb. Winters wurde zwar disqualifiziert und Endricat zum Sieger erklärt, doch da der Nübbeler auch nach zehn Sekunden nicht wieder allein auf die Beine kam, durfte er an dem Tag nicht mehr weiterkämpfen. „Das ist natürlich sehr ärgerlich. Ich war sehr gut drauf und hätte gegen Felix eine reelle Chance gehabt, auch wenn er die meisten Trainingskämpfe gewinnt und klarer Favorit war“, sagt Endricat, der sich mit etwas Abstand aber über das gewonnene Silber freut, anstatt sich über das verpasste Gold zu ärgern. „Deutscher Vizemeister ist schließlich auch ein großer Erfolg.“ Und mit dem zweiten Platz in Erfurt steigen Endricats Chancen, dass er demnächst Post von Bundestrainer Thomas Nitschmann erhält und zu einem Bundeslehrgang eingeladen wird. „Der Bundestrainer hat mir erzählt, dass er mich schon seit 2012 auf dem Schirm hat, dass ich aber noch einige Erfolge vorweisen muss. Ich hoffe, dass er sich jetzt endlich mal meldet.“


Nervenstarker Boldt


Ganz sicher liegt demnächst bei Michel Boldt eine Einladung für die Jugend-EM 2016 auf Zypern im Briefkasten. Mit seinem Sieg bestätigte er seine blendende Form. Vor zwei Monaten hatte Boldt erst das hoch karätig besetzte U21 Randori in Rimbach gewonnen. Dass der 14-Jährige derzeit von Erfolg zu Erfolg eilt, grenzt allerdings schon an ein kleines Wunder, denn Boldt steht nach einem Kreuzbandriss im Sommer 2013 und einer eineinhalbjährigen Pause aufgrund einer verschleppten Operation (Boldt: „Ich hatte zuerst eine falsche Diagnose erhalten“) erst seit Kurzem wieder auf der Matte. Doch der Schüler ist aus der unfreiwilligen Auszeit erstarkt hervorgegangen – auch mental, wie er in Erfurt demonstrierte. Im ersten Fight lag der Kämpfer des SSV Nübbel 20 Sekunden vor dem Ende scheinbar aussichtslos mit 0:2 in Rückstand. Der Traum vom Titelgewinn und der EM-Nominierung lag in weiter Ferne. Doch mit einer unglaublichen Energieleistung drehte Boldt den Kampf und gewann 4:2. Auch im Finale präsentierte sich der Teenager nervenstark. Gegen den körperlich überlegenen Melvin Fleischer (Anhausen) wartete Boldt auf den einen, den entscheidenden Augenblick und traf den Gegner mit der Faust. „Titel gewonnen, das Ticket für die EM in der Tasche – mehr geht nicht“, freute sich Boldt. Auch für ihn war es ein besonderer Tag.

Die weiteren Platzierungen der SSV-Kämpfer:

5. Freya Christiansen (U21/+68 kg). Jan-Niklas Okel (U21/-67 kg), Leah Hohmann (Jugend/-54 kg), Jermaine Shakchir (Jugend/-70 kg), Falk Schadebrodt (Jugend/-57 kg), Jonathan Gärtner (Jugend/-57 kg) schieden vorzeitig aus.

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