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Prozessbeginn in Kiel : Doppelmord in Haale: Der Angeklagte schweigt

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Der völlig überschuldete Angeklagte soll zwei Frauen auf ihrem Pferdehof kaltblütig getötet haben.

Kiel | Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen, seine Augen aber sprechen. Sie gehen zum Angriff über, taxieren trotzig die beiden Nebenkläger, bis diese den Blick senken. Es sind Tochter und Sohn, die um Mutter und Oma trauern, in Saal 232 des Kieler Landgerichts Tränen vergießen.

Kfz-Mechaniker Dennis N., 29 Jahre alt, muss sich für den Doppelmord von Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde) verantworten. An seiner Seite sitzen zwei Anwälte, die ihre Gewieftheit bereits in etlichen Strafprozessen bewiesen haben. Auch in diesem Verfahren haben sie eine Schwachstelle gefunden: In den ersten Stunden ihrer Arbeit sind den Ermittlern Pannen unterlaufen, die sich nun rächen könnten.

Die Anklage lautet auf Mord aus Habgier, mit Heimtücke und zur Vertuschung einer Straftat. Außerdem auf Brandstiftung und Untreue. Dennis N. soll von den Getöteten in sechs Raten 7900 Euro erhalten haben.

Regina F. (57) und ihre Mutter, Inge S. (83), betrieben einen Pferdehof, brauchten Ersatz für ihren defekten VW-Bus, den der Kfz-Mechaniker besorgen sollte. Dafür hatten sie sogar eine Lebensversicherung aufgelöst.

Staatsanwalt Torsten Holleck: „Mit 52.000 Euro Verbindlichkeiten war der Angeklagte jedoch völlig überschuldet.“ Er habe das Geld für sich verbraucht. Am 18. November 2014 soll Dennis N. dann angekündigt haben, den langersehnten VW-Bus zu liefern, doch auf den Hof kam er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit Messer und Pistole. Torsten Holleck: „Im Pferdestall schoss er Regina F. mit Munition vom Typ 9 Millimeter Luger Geco erst in den Rücken. Dann, als sie bäuchlings zu Boden fiel, gezielt von rechts nach links durch den Hals.“

Im Saal schluchzen Freundinnen der Ermordeten laut auf. „Mutter Inge S. eilte vom Haus zum Stall, hinter dessen Schiebetor der Angeklagte wartete“, fährt der Staatsanwalt fort. „Ihr schnitt er die Kehle durch, schoss der noch röchelnden Frau dann in den Hinterkopf.“ Danach soll Dennis N. die Leichen mit Benzin und Stroh überschüttet und angezündet haben.

Noch am gleichen Abend tauchten Ermittler bei Dennis N. auf, weil der Corsa seiner Verlobten, den er den Frauen für die Zeit ohne Auto geliehen hatte, neben dem Stall stand. Freimütig erklärte Dennis N. den Beamten, eben erst bei den Frauen gewesen zu sein, um einen Pferdeanhänger zu reparieren. Sie tüteten daraufhin seine frisch gewaschene und noch nasse Arbeitskluft ein, kassierten Handy und Portemonnaie und vermerkten: „Wir durchsuchten die Kleidung nicht, um keine Spuren zu verwischen.“

Dann fuhren sie mit Dennis N. zum Revier, um ihn als Zeugen zu vernehmen. Rechtsanwalt Christian Schumacher: „Mein Mandant war zu diesem Zeitpunkt schon ganz klar ein Beschuldigter, der mehr Rechte hat als ein Zeuge.“ Er widerspricht daher der Verwertung sämtlicher polizeilicher Vernehmungen von Dennis N. im Prozess – auf die allerdings stützt sich die Anklage in dem Indizienverfahren zum Teil.

Am ersten Prozesstag werden auch die Mutter und die beiden Geschwister des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen. Als Angehörige verweigern sie die Aussage und widersprechen ebenfalls der Verwertung ihrer Vernehmungen bei der Polizei. Nur die Verlobte von Dennis N. spricht. „Die Arbeitskleidung habe ich gewaschen, weil sie wegen eines Risses zum Schneider sollte“, sagt sie. „Und eine Waffe hat Dennis auch nie besessen.“

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erstellt am 14.Okt.2015 | 12:06 Uhr

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