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Rendsburg : „Divine“: Pannenfrachter vor der Weiterfahrt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mängel auf der „Divine“ größtenteils behoben. Zehnköpfige Besatzung lebt an Bord und ist seit drei Monaten ohne Heuer.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Rendsburg | Dem trüben Wetter am Kreishafen Rendsburg dürfte die Stimmung an Bord der „Divine“ entsprechen. Seit über zwei Monaten liegt das Frachtschiff samt Besatzung an der Kette. Zehn Männer an Bord warten auf ihre Heuer durch den türkischen Reeder. Die steht bereits seit drei Monaten aus und ist ein wichtiger Grund dafür, dass das 21 Jahre alte Schiff den Hafen nicht verlassen darf – doch bei weitem nicht der einzige. 45 Mängel hatte die Hafenstaatkontrolle, eine Art „Tüv“ für Schiffe, festgestellt und deshalb die Weiterfahrt untersagt. Doch jetzt ist ein Ende der Probleme absehbar. Der Reeder will die Mannschaft bezahlen, und auch die anderen Unzulänglichkeiten scheinen größtenteils beseitigt.

Die „Divine“ ist ein Frachtschiff, das unter panamaischer Flagge fährt. Es ist 81 Meter lang, zwölf Meter breit und hat einen Tiefgang von 5,9 Metern und wurde 1994 gebaut. Bis 2010 hieß das Schiff „Playa de Finisterre“, danach „Golden Dream“ und „Golden Deam I“ (bis 2012).

Gelangweilt hat sich die aus Indern, Russen und Türken bestehende Besatzung in den Wochen im Hafen wohl nicht. „Wir beheben die meisten Mängel selbst“, sagt ein indisches Crewmitglieder, das unerkannt bleiben möchte. „Schreiben Sie nicht meinen Namen!“, wiederholt er mehrfach. Seit sechs Monaten seien sie auf dem Schiff, die ersten drei wurden sie noch bezahlt. „Aber seit dem letzten Monat auf See und dann den zweiten an Land haben wir kein Geld gesehen.“ Ein Mann an Bord schaut misstrauisch zu ihm und dem Reporter herüber. „Der Erste Offizier“, sagt er. „Wir reden über Indien“, versucht er seinen Vorgesetzten zu beruhigen, und beendet schnell das Gespräch.

Beim Kampf um die Bezahlung hilft der Crew die Internationale Transportarbeiter Föderation ITF. Karin Friedrich, Inspektorin bei der Gewerkschaft, traf sich vergangene Woche mit Vertretern der Reederei zu Verhandlungen. „Die Reederei hat die Zahlung der ausstehenden Gehälter angekündigt“, so Friedrich. Sie ist vorsichtig hoffnungsvoll. Nach ihrer Erfahrung könne man sich jedoch erst sicher sein, wenn das Geld tatsächlich auf dem Konto eingegangen sei.

Kai Lass, Prokurist und Hafenleiter der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Rendsburg-Eckernförde, schätzt die Höhe der fälligen Zahlung auf über 100.000 Euro. Auch er gibt sich optimistisch. „Wir sind voller Hoffnung, dass die ,Divine‘ bald weiterfahren kann.“ Die meisten der Mängel seien behoben. Sobald die Zahlung an die Mannschaft eingegangen sei, könne die Hafenstaatkontrolle das Schiff überprüfen. „Wenn dann alles in Ordnung ist, kann die ‚Divine‘ vielleicht noch in dieser Woche den Hafen verlassen.“

Die Besatzung wohnt seit der Festsetzung in Rendsburg an Bord des Schiffs. Karin Friedrich: „Abgesehen davon, dass sie sich ohne die ausstehende Heuer gar keine andere Unterkunft leisten kann, tut sie dies auch, um die Reederei unter Druck setzen zu können. Das ist eine großartige Leistung.“

Lass wäre erleichtert, wenn das Schiff endlich den Hafen verließe. Die Liegegebühren wurden bisher zwar regelmäßig bezahlt. „Aber man kann nicht wissen, ob die Reederei vielleicht kurz vor der Pleite steht“, sagt er. Der Verdacht liege jedenfalls nicht allzu fern, angesichts der Umstände. Und der Hafenbetrieb laufe zwar auch mit der festliegenden „Divine“ reibungslos. Für weitere Sonderfälle sei die Kapazität allerdings begrenzt.

Am glücklichsten über die Abfahrt wäre mit Sicherheit die Mannschaft der „Divine“. Das indische Crewmitglied sagt: „Wir wollen alle nur noch zurück in unsere Heimat.“

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