SHMF : Dirigent lässt es ordentlich krachen

Dirigent Krysztof Urbanski erläuterte das Klangchaos.
Dirigent Krysztof Urbanski erläuterte das Klangchaos.

Fulminante Generalprobe mit Krysztof Urbanski.

shz.de von
05. August 2018, 19:51 Uhr

Rendsburg | Ein lauter Sturm mit Theaterdonner über die gesamte Breite der Bühne überraschte die Besucher in der Thormannhalle. Ohne Ankündigung hatte Krysztof Urbanski in der ausverkauften Generalprobe ein Fein-Tuning der Komposition „Krzesany“ des Polen Wojciech Kilar (1932-2013) vorangestellt. Laut, lebendig, chaotisch. So der erste Eindruck des ratlosen Publikums.

Damit war klar: „Generalprobe“ ist kein Konzert. Das Klangchaos löste sich mit allerhand Gebimmel, Rasseln und Klingeln in wohlgefälligem Volksmusik-Charakter auf – damit war das Interesse an dem „Warum“ dieser teils kraftvollen, vor allem lauten Klänge geweckt. Ein faszinierendes Stück Neuer Musik, dessen Qualität zum Schluss auch die skeptischen Teile des Publikums erreicht hatte. Urbanski erklärte es: Ein Freudentanz nach erfolgreichem Raubzug in der Hohen Tatra. Darin eine wunderbare Stelle der Celli, passend zur Schönheit der Tatra. Eine Gegend, deren Besuch der Dirigent dringend empfahl.

Kleine Pause, danach pure Schönheit: Das a-Moll-Klavierkonzert von Edvard Grieg mit Anna Vinnitskaya als Solistin. Unglaublich, was die junge Mutter im Zusammenklang mit dem Orchester leistete. Dem stand die Leistung des Orchesters in keiner Weise nach. Urbanski bot das Bild eines Dirigenten, der in ein Musikstück verliebt ist und sich gefühlsmäßig, aber konzentriert, in dessen Gefühlswelt hinein begibt. Schon vor der Pause war die Konzerterwartung damit voll erfüllt.

Danach Antonin Dvoráks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“: Lange braucht es, bis im Saal Ruhe herrscht. Dann der Anfang; leise aus dem Nichts. Urbanski dirigiert wieder auswendig. Die ersten Takte vom Orchester: zwei Mal verbesserungsfähig, dann wird durchgespielt. Der zweite Satz: Genuss von Kraft, die aus der Ruhe kommt. Der Dirigent kostet mit dem Orchester alle Klangfarben- und Themenschönheiten voll aus. Dann wirkt seine Art des Dirigierens wie das Solo eines Balletttänzers, der mit allen Bewegungen von den Finger- bis in die Fußspitzen gekonnt verdeutlicht, welchen Weg die Musik nehmen würde – natürlich zu einem guten Ende. So wie Dvorák es vorgesehen hatte. Ob er dabei auch an den tosenden Beifall für das Festivalorchester und den Dirigenten gedacht hat?

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