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Landeszeitung

26. September 2017 | 11:02 Uhr

Dieter Reimers schießt den Vogel ab

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Spannender Wettkampf endete erst um 18.45 Uhr: Neuer König der Altstädter Vogelschützengilde entschied sich spontan zum Mitmachen

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2016 | 16:42 Uhr

Er war gerupft und hing nur noch auf einer Ecke seiner Vogelstange. „Zum Schluss war es wirklich ein hässlicher, aber zäher Vogel“ sagte Schießoffizier Knud Sauer. Dann kam Dieter Reimers und gab ihm den langersehnten Gnadenschuss. Und während hinter ihm schon alles in Jubel ausbrach, schaute Reimers noch einen Moment länger auf den Monitor, als ob der Vogel für ihn in Zeitlupe runterfallen würde.

Dabei wollte Reimers erst gar nicht der Nachfolger von Christopher Leptien werden. „Ich habe mich spontan dazu entschieden, mitzumachen“, sagte er. Und fügte lakonisch hinzu: „Einer musste es ja tun.“ Er hätte es sich auch leichter machen können, doch dann setzte sich sein Pflichtbewusstsein durch. In ekstatischen Jubel brachen allerdings andere aus. Dieter Reimers wird wohl eine ganz besonders besonnene Majestät sein. Er sei ein typisches Beispiel dafür, dass man morgens nicht ahnt, Abends der neue Gildekönig zu sein, sagte Ältermann Thomas Krabbes. Zwischen 700 und 800 Schuss hatten die Gildebrüder abgefeuert, so genau wusste das gestern Abend niemand. Nur neun Schuss davon stammten von Reimers. „Du wirst es nicht bereuen“, versprach ihm Schießoffizier Knud Sauer nach dem Königsschuss.

Voran gegangen war ein spannender Kampf. Thomas Krabbes etwa hatte Pech. Nach seinem Schuss fiel der Kopf des Tiers nach vorne, Krabbes setzte zum Jubeln an, und dann – geschah nichts. Gefallen ist der Kopf erst mit dem nächsten Schuss – abgefeuert von Alexander Hilgendorff. Zwischendurch musste Dirk Albers, der am Schießstand das Sagen hatte, immer wieder Motivationsarbeit leisten. „Sven, ich habe eine Kugel für Dich“, sagt er zu Gildebruder Sven Thürnau, und der versuchte auch mit Inbrunst, dem Vogel den Garaus zu machen, allein er scheiterte. Dann war Hans Peleikes an der Reihe, doch der zimmerte das Tier mit seinem letzten Schuss wieder richtig fest. Spätestens jetzt wollte auch der lädierte Vogel nur noch sterben.

Der Vormittag stand im Zeichen des Gildefrühstücks, des letzten großen Auftritts von Majestät Christopher Leptien. Er nutzte diese Gelegenheit, um sich bei seinen Gildebrüdern für die Unterstützung während der einjährigen Regentschaft zu bedanken. Nach dem Königsschuss im vergangenen Jahr habe ihn zwar eine gewisse Schockstarre ergriffen, aber nach einem kurzen Moment der Gewöhnung habe er „viel Freude daran gehabt, ein klitzekleiner Teil einer 500-jährigen Geschichte zu sein“. Über zwei Ereignisse habe er sich besonders gefreut: dass die historische Gilderolle restauriert werden konnte und man 10  000 Euro für minderjährige Flüchtlinge gespendet habe, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind. Man könne mit dieser Spende zwar nicht alle Probleme lösen, „aber wir zeigen als Gilde, dass wir bereit sind, die Menschen zu unterstützen.“

Eine lange Tradition hat bei den Altstädtern die Rede der Gäste. Diesen Part übernahm in diesem Jahr Hans-Jürgen Jensen, Redakteur der Kieler Nachrichten. Vor 30 Jahren war er von Berlin nach Rendsburg gekommen und von der Gilde bei der ersten Begegnung „irritiert und fasziniert zugleich. Warum machen die das?“ Und er lieferte die Antwort gleich mit: Hier wird eine fast 500-jährige Tradition bewahrt, die zudem mit großem bürgerlichem Engagement verknüpft ist. Jensen nannte mehrere Beispiele: den Ratsherrn, der mit seinen Freunden im Winter im Hohen Arsenal Weihnachtsbäume für den guten Zweck verkauft oder den Inhaber eines Großhandels für Sanitätshäuser, der mit Gleichgesinnten palettenweise Kleidung, Spielzeug und andere Dinge einsammelt und bei einem Wohltätigkeitsbasar in der Nordmarkhalle verkauft. Die Beispiele belegten, wofür die Gilde heute mehr als früher stehe und stehen müsse: „Ihre Aufgabe ist der Einsatz für die Stadt und die Menschen, die in ihr leben.“

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