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Fahrrad-Verkehr : Dieses Zeichen gibt vielen Rätsel auf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rendsburgs einzige Fahrradstraße wurde vor zehn Jahren eingeweiht. Verkehrsteilnehmer scheinen die Regeln trotzdem kaum zu kennen.

von
erstellt am 26.Jun.2017 | 18:42 Uhr

Die einzige Fahrradstraße Rendsburgs besteht seit zehn Jahren. Für manche Autofahrer stellt sie noch immer ein fremdes Terrain dar.

Sie führt vom Beginn der Straße Wehrautal an der Grundschule Neuwerk und dem Polizeirevier Rendsburg vorbei bis zum Ende der Moltkestraße. Sunna Zöllner aus Osterrönfeld nimmt die etwa 600 Meter lange Strecke auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig mit dem Fahrrad und ist entsetzt: „Autofahrer fahren zu schnell, überholen, drängeln“, berichtet die 55-Jährige. Einige Pkw-Fahrer hielten sich nicht an die besonderen Regeln an den Ampelkreuzungen: Vor einem grau gepflasterten Haltebereich für Autos ist eine rote Wartefläche für Radfahrer gekennzeichnet, über die einige Pkw-Fahrer trotzdem bis zur vorderen Haltelinie rollen würden.

Eine Situation jagte Sunna Zöllner einen besonderen Schrecken in die Glieder: Sie fuhr mit dem Fahrrad Richtung Stadtmitte, neben einem Schulmädchen, das den Arm ausstreckte, um nach links auf das Gelände der Grundschule Neuwerk abzubiegen. Plötzlich kam von hinten ein Autofahrer und überholte beide Radlerinnen. „Das hätte böse ins Auge gehen können“, berichtet Zöllner. Denn das Überholen von Fahrrädern ist in dieser Zone nicht erlaubt, teilt Thomas Möller, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Schleswig-Holstein, auf LZ-Anfrage mit. Nach Auffassung von Sunna Zöllner sollten Fahrradstraßen den Radfahrern mehr Sicherheit geben. Sie hat aber den Eindruck, dass sich immer weniger Pkw-Fahrer an die Regeln halten. „Sie wissen nicht, dass Radfahrer ein Vorrecht haben“, vermutet sie.

Die Schülerin Lisa zeigt, dass sie gut informiert ist. „Es ist wichtig, dass es Fahrradstraßen gibt. Erwachsene fahren auf der Straße, da gibt es Unfälle. Eine Fahrradstraße ist besser, weil Fahrradfahrer da Vorfahrt haben“, sagt die Drittklässlerin. Ute Grimm, Konrektorin der Grundschule Neuwerk, erlebte die Einweihung der Verkehrszone am 10. Mai 2007 selbst mit. „Das war eine tolle Sache, aber mittlerweile hupen die Autofahrer die Fahrräder weg“, stellt sie fest. Zudem seien viele Pkw zu schnell unterwegs. Erlaubt ist Tempo 30. Ein weiteres Problem sieht Ute Grimm darin, dass Autofahrer in den Parkbuchten ohne Rücksicht auf Radfahrer die Türen aufreißen oder losfahren. „Es sind auch unsere eigenen Eltern.“ Die Schulleitung habe die Mütter und Väter bereits in Briefen darum gebeten, weiter weg zu parken. Unfälle habe sie zum Glück nicht miterlebt. Auch Oberkommissar Matthias Schladetsch aus dem Präventionsteam der Rendsburger Polizei kann sich nicht an Personenschäden erinnern, aber an abgefahrene Außenspiegel. Das Problem: Die Fahrradstraße ist schmaler als andere.

Nach Kenntnis von Ratsherr Klaus Schaffner (Grüne), stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses, gibt es in Rendsburg und Umgebung nur diese eine Fahrradstraße. „Leider haben wir in der Politik nur wenige Radfahrer“, meint er. Ein Problem stellen die Kosten dar. Der Umbau vor zehn Jahren verschlang 1,3 Millionen Euro. Allerdings hat die Entwicklungsagentur für den Lebens- und Wirtschaftsraum Rendsburg einen Zuwendungsbescheid über rund 900  000 Euro für das Projekt „Fahr Rad in Rendsburg“ erhalten. Die Agentur muss selbst 30 Prozent zahlen, sodass innerhalb von fünf Jahren 1,4 Millionen Euro in die Fahrradinfrastruktur in Rendsburg und Umgebung investiert werden sollen.

In einer Fahrradstraßen gelten laut Polizei, ADAC und ADFC diese Regeln:

 Es gilt Tempo 30.

 Fahrräder haben Vorfahrt. An Kreuzungen gilt aber „rechts vor links“.

 Radfahrer dürfen nebeneinander fahren.

 Radfahrer dürfen nicht überholt werden.

 Autos und Motorräder dürfen dort nur fahren, wenn ein Schild es erlaubt.

 Es gibt unterschiedliche Aussagen, ob Lkw in einer Fahrradstraße fahren dürfen.

 Autos und Motorräder müssen an den Kreuzungen in gekennzeichneten Flächen hinter den Radfahrern halten.

 Autos dürfen nur in gekennzeichneten Flächen geparkt werden.

 „In der Regel müssen Kinder unter acht Jahren sowie Fußgänger, Inlineskater und Rollschuhfahrer die Bürgersteige oder Seitenstreifen benutzen, sofern diese vorhanden und auch nutzbar sind“, so der Verband für bürgernahe Verkehrspolitik.

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