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Landeszeitung

23. September 2017 | 20:07 Uhr

Zechpreller : Diese Hoteliers wurden abgezockt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwei Rendsburger Gastgeber bleiben auf Rechnungen von mehr als 3300 Euro sitzen. Die Polizei ermittelt, doch die Zechpreller sind abgetaucht.

von
erstellt am 13.Sep.2017 | 10:59 Uhr

Sie erscheint stets im adretten Blazer. Er trägt bevorzugt Pullover und überragt sie um Kopfeslänge. Das angegraute Paar soll mindestens zwei Rendsburger Hoteliers um die Zeche geprellt haben. Jochen Wande, ehemaliger Betreiber des „Schumann’s Hotel Garni“ an der Baronstraße in Neuwerk, wartet seit Februar 2015 auf die Zahlung von mehr als 1800 Euro an Übernachtungskosten. Andreas Rieck, Chef des „Hotel Hansen“ gegenüber der Nordmarkhalle, sitzt seit drei Wochen auf einer offenen Rechnung in Höhe von 1470 Euro. Er ist erschüttert: „Ab und zu kommt so etwas vor, aber so eine Dreistigkeit habe ich noch nicht erlebt.“

Das Pärchen quartierte sich in dem „Hotel Hansen“ zweimal ein. Bei seinem ersten Aufenthalt am letzten Juli-Wochenende bezahlte es beim Einchecken. Offen blieb aber eine Rechnung über zwölf Übernachtungen von Freitag, 11. August, bis Mittwoch, 23. August. Zudem schuldet das Paar dem Hotelier 24 Frühstücke, die Einquartierung seines toupierten Pudels und den Besuch des hauseigenen Restaurants.

Acht Tage nach dem zweiten Einchecken sprach Rieck das Paar an und bat um eine erste Rate. Der Gast, angeblich ein 70-jähriger Oberstudienrat, behauptete, am Montag von der Bank Geld holen zu wollen. „Am Montag sind sie dann durch den Hinterausgang raus.“ Am Mittwoch setzte er das Paar vor die Tür. „Er sagte, er hätte Festgeld. Am Freitag wäre es zuteilungsreif. Ich habe gesagt: Dann treffen wir uns Freitagmittag, und die Sache ist aus der Welt. Aber er kam nicht“, berichtet Rieck.

Zwei Tage später zeigte der Hotelier die Gäste wegen Betrugs an. Die Behörde ermittelt, bestätigt Polizeisprecher Rainer Wetzel. Nach den ausgebliebenen Zahlungen an Jochen Wande hatten die Beamten bereits dasselbe Paar im Visier. An dessen letzten gemeldeten Wohnort ist es nicht mehr anzutreffen, hörte Rieck. Angeblich hat es auch dort Mietschulden. „Ich verstehe nicht, warum die noch nicht sitzen“, sagt der Hotelinhaber. Ein Anruf beim Nord-Süd-Inkasso-Büro in Rendsburg ließ seine Hoffnungen weiter schwinden. „Da stehen angeblich noch viele Gläubiger vor uns auf der Liste. Es gibt nicht viele Chancen, unser Geld zurückzubekommen.“ Der Inhaber des Büros äußerte sich gegenüber der Landeszeitung unter Verweis auf den Datenschutz nicht.

Nach dem Betrug an Jochen Wande im Jahr 2015 wurde das Paar zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Neumünster vorgeladen, erschien aber nicht. „Ich habe 20 Minuten da gesessen, dann sagten sie: Die werden wohl nicht mehr kommen“, berichtete Wande. Die Staatsanwaltschaft Kiel teilte ihm schriftlich mit, dass das Paar nicht auffindbar sei. „Wenn ich was höre, soll ich mich melden“, berichtete der ehemalige Hotelinhaber. „Es ist doch eine Schande, dass die noch frei herumlaufen. Die machen doch so weiter.“

Rieck nahm das Heft mittlerweile selbst in die Hand. Per Fax warnte er viele Kollegen im Kreis Rendsburg-Eckernförde vor den Zechprellern. Als er ihren Leihwagen vor einem anderen Hotel entdeckte, sprach er den Inhaber sofort darauf an. Der machte Druck, sodass sie zahlten. Die Gäste wohnten dort bereits eine Woche.

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