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Rickert : "Diese Hilfe ist mehr wert als Geld"

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Sönke Schröder freut sich über zwanzig Jugendliche aus Lübeck, die ihn bei der Sanierung der alten Dorfschmiede unterstützen.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 09:06 Uhr

Rickert | Niklas und Vanessa kratzen die alten Farbschichten von einer Holztür, Marlena kämpft mit dem hart gewordenen Kitt eines Eisenfensters, Lisa-Marie tackert ein Schilfgeflecht an die Decke - zwanzig Jugendliche der Lübecker Jugendbauhütte helfen in dieser Woche mit, die alte Dorfschmiede in Rickert zu sanieren.

Seit 1912 steht die Dorfschmiede an der Straße "An der Schmiede"/Ecke Dorfstraße. Friedrich Schröder hat sie damals gebaut. Sein Enkel Sönke Schröder will das historische Gebäude vor dem Verfall retten. Vor zwei Jahren hat er begonnen, die Schmiede und das dahinter liegende Stall- und Lagergebäude zu sanieren. "Es geht mir darum, mit der alten Schmiede ein Stück Kultur für das Dorf zu erhalten", nennt der 52-Jährige als Hauptgrund für seinen Einsatz, der ihn Zeit und Geld kostet.

Dass er jetzt eine Woche lang tatkräftige Unterstützung durch die Jugendbauhütte hat, freut ihn ungemein. "Diese Hilfe ist mehr wert als Geld." Den Kontakt hat der selbständige Messebauer über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bekommen, zu dem die Lübecker Jugendbauhütte gehört. Zwanzig junge Menschen leisten hier ein "Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege." "Dazu gehören auch sechs Projekt-Seminare wie dieses in Rickert", erklärte Ivalu Vesely, Leiterin der Jugendbauhütte Lübeck. Die Dorfschmiede sei eine der wenigen im Norden erhalten gebliebenen Schmieden, die nicht an andere Standorte versetzt oder in ihrer Bausubstanz oder Nutzung verändert wurden, macht sie die Bedeutung des historischen Gebäudes deutlich. Als bauliches Zeugnis einer ländlichen Handwerksgeschichte sei sie beispielhaft. "Die Sanierung des Gebäudes, das zusehens dem Verfall preisgegeben ist, die Wiederbelebung der Schmiedetätigkeit und die geplante Nutzung als "Schulschmiede" werden nicht nur einen aussterbenden Gebäudetyp retten, sondern auch das historische Erscheinungsbild des Dorfes Rickert aufwerten", betonte Vesely.

Die "Schulschmiede" ist eines der Ziele, die Sönke Schröder anvisiert. "Schüler können hier einen Bezug zum Handwerk finden und sich für die Arbeit mit Eisen und Holz begeistern." In der Schmiede könnten zum Beispiel Messer hergestellt werden, in der Holzwerkstatt der dazu passende Messergriff, stellt sich Schröder vor.

Und damit in der Schmiede "immer etwas los ist", sucht Schröder (0172/8321085) Interessierte, die dort arbeiten wollen. Wenn die zwanzig Jugendlichen heute wieder abreisen, ist Schröder, der in Osterrönfeld wohnt, bei der Sanierung wieder auf sich selbst gestellt. "Aber die Arbeit der Jugendbauhütte ist ein guter Grundstock."

Die zwanzig Jugendlichen kommen aus ganz Deutschland, dazu Frank aus Gambia und Olga aus Russland. Während der Arbeit in Rickert wohnten sie in einem Haus der Kirchengemeinde Rendsburg St. Jürgen auf dem Heidberg in Neu Duvenstedt. "Wir arbeiten, leben, kochen und feiern gemeinsam, so wie es in den Bauhütten vor Jahrhunderten üblich war", erklärt Ivalu Vesely. Für das nächste "Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege" sind noch Plätze in der Lübecker Jugendbauhütte, die erst vor einem Jahr gegründet wurde, frei. Informationen gibt es bei der Leiterin Ivalu Vesely (0451/20940050).

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