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Landeszeitung

13. Dezember 2017 | 12:40 Uhr

Diese Fans kennen keine Grenzen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sasaeng – ein Trend aus Korea / Wenn Musiker auf Schritt und Tritt verfolgt werden / In Deutschland sind die „Verrückten“ etwas dezenter

von
erstellt am 29.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Was tun die extremsten Fans der Welt, um von ihrem Popstar beachtet zu werden? Sich ritzen? Oder den Zopf einer Klassenkameradin abschneiden, weil diese Justin Bieber schwul findet? All dies ist nichts gegen die Taten der sogenannten Sasaeng Fans. Ursprünglich kommen sie aus Korea, doch inzwischen wird jeder exzessive Anhänger der K-Pop-Szene mit diesem Begriff belegt.

Das Wort Sasaeng kommt aus dem Koreanischen und bedeutet so viel wie „Privates Leben“. Denn diese Fans dringen in die Privatsphäre der Stars ein. In ihrer Welt dreht sich alles 24 Stunden lang nur um ihren Star. Schwärmen, Fantreffen, CD- und Foto-Sammeln – das genügt den meisten Fans. Gefährlich wird es, wenn man mehr will. Es beginnt damit, sein Idol auf Schritt und Tritt zu verfolgen und eventuell vor dessen Haus oder Hotel zu übernachten. Dementsprechend ist auch das Erscheinungsbild dieser exzessiven Fans: Ungepflegtes Hautbild, fettige Haare, schmutzige Wäsche.

Die Band mit den wohl ersten Sasaengs war TVXQ, eine K-Pop-Boygroup, die es mit ihrem weltgrößten Fanclub ins Guinness Buch der Rekorde geschafft hatte. Die fünf Jungs zogen mit ihrem traumhaften Aussehen hunderttausende Mädchen, aber auch Frauen magnetisch an. Wenn die Band TVXQ von einem Konzert in ihrem schwarzen Van nach Hause fahren wollte, fuhren zehn Taxis hinterher. Die Taxifahrer sind auf die Sasaeng-Aufträge spezialisiert; sie kennen ihren Job und wissen immer sofort, was in einer derartigen Situation zu tun ist. Der Preis für solche Verfolgungsjagden ist aber übertrieben hoch; das Sasaeng-Geschäft boomt. Die Klienten sind entweder reich geboren oder besorgen sich das Geld durch mehrere Jobs – auch durch Prostitution.

Die Horrorserie gelangte zum Höhepunkt, als ein Fan ein Foto veröffentlichte, auf dem ein Mitglied von TVXQ zu sehen war, wie es in der Sauna ein Mittagsschläfchen hielt. In einer Pressekonferenz verkündete das Bandmitglied später, er sei oft von Mädchen in seinem Schlafzimmer überfallen worden. Sie hätten versucht, ihn im Schlaf zu küssen. Auf seinem Twitter-Account schrieb er: „Ich würde alles für ein normales Leben geben“. Die Polizei wurde oft zu Hilfe geholt, doch die strafrechtliche Verfolgung gestaltet sich schwierig, denn die Sasaengs sind überwiegend minderjährig.

Was früher mit TVXQ geschah, passiert nun mit ihren Label-Partnern EXO, einer zwölfköpfigen Boyband. Die Geschichten mit den obsessiven Fans schaffen es hier sogar in die seriösen Nachrichtensender Koreas. So auch das jüngste Ereignis: Der Bruders eines Bandmitglieds heiratete. Die Feier wurde von wilden, aufdringlichen Mädchen gestürmt. Die Hochzeit endete für das Brautpaar wie ein Alptraum. Mit EXO haben die Sasaengs eine neue Ära eingeläutet.

Auch in Deutschland breitet sich dieser Trend aus. EXO war kürzlich für ein Photoshooting in Berlin, wo sie auch von zahlreichen Fans erwartet wurde – aber auch selbst welche mitbrachten. Chinesinnen flogen mit der Gruppe im selben Flieger aus Seoul nach Deutschland. Ein weiblicher Fan aus Osterrönfeld, der extra nach Berlin gefahren war und anonym bleiben möchte, berichtet: „Die Chinesinnen, das waren die extremsten Fans, die ich bisher ‚kennen gelernt‘ habe. Sobald alle in den Tourbus eingestiegen waren, saßen die schon im Taxi.“ Beim Security-Check am Flughafen piepte es, obwohl alles an Metall abgegeben war. Die Beamten suchten und fanden eine versteckte Kamera im Auge eines Teddybärs, der zuvor von einem Fan überreicht worden war.

„Sasaengs sind für mich die Verrückten, die ins selbe Hotel einchecken, in Hotelzimmer einbrechen und Unterwäsche klauen“, definiert die 22-Jährige die Extrem-Fans. „Ich gehe nur zum Flughafen oder vor das Hotel.“ Für sie gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen den Sasaengs in Deutschland und denen in Korea: „In Korea wollen die extremen Fans ja, dass die Bands von ihrer Existenz wissen. Wir finden es eher peinlich, wenn wir ihnen mehrmals begegnen“.

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