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Landeszeitung

23. September 2017 | 20:32 Uhr

Diese Bürger wollen Druck machen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Osterrönfelder fordern regulären Ersatzverkehr für Schwebefähre: Menschenkette am 3. Juni als Zeichen an die Kanalverwaltung

Bernd Sienknecht reicht’s – und seinen Bürgern auch. „Wir wollen uns hier nicht abschneiden lassen“, so der Osterrönfelder Bürgermeister gestern bei einem Ortstermin vor der Eisenbahnhochbrücke. Sienknecht ärgert sich über die Verkehrssituation, die er als Chaos bezeichnet und die seinen Einwohnern die Querung des Kanals erschwert: die havarierte Schwebefähre abgehängt, der Kanaltunnel nur durch eine Röhre befahrbar, und einen Ersatzverkehr für die Schwebefähre soll es nur für die Zeit geben, in der die Fahrstühle im Fußgängertunnel ausfallen. Sienknecht will bürgerfreundliche Lösungen. Und er ist davon überzeugt, dass dafür der öffentliche Druck auf die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) erhöht werden muss. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass es so nicht weitergeht.“

Ein solches Zeichen soll eine Menschenkette sein, die am Freitag, 3. Juni, die Eisenbahnhochbrücke mit dem Fußgängertunnel verbindet – quasi ein symbolischer Brückenschlag, der Rendsburg und Osterrönfeld miteinander verbindet. Sienknecht, sein Rendsburger Amtskollege Pierre Gilgenast und der Kreiskulturbeauftragte Reinhard Frank rufen die Einwohner der Region zum Mitmachen auf. Damit sich auch Schüler beteiligen können, treffen sich alle Teilnehmer zunächst ab 13 Uhr an der Hochbrücke auf der Osterrönfelder Seite.

Die Initiatoren möchten die Aktion nutzen, um auf zwei Kernforderungen hinzuweisen. Die wichtigste formuliert Pierre Gilgenast: Spätestens Ende des Jahres soll die Schwebefähre wieder fahren. Rendsburgs Bürgermeister beruft sich auf ein Versprechen des Bundesverkehrsministeriums. Als eine Rendsburger Delegation am 18. Februar mehr als 12  500 Unterschriften der Landeszeitungs-Aktion „Rettet die Schwebefähre!“ in Berlin überreichte, versprach der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann, dass die Fähre bis Ende des Jahres wieder in Betrieb gehen soll. Gilgenast: „Ich fordere das ein.“

Die zweite Kernforderung bezieht sich auf den Ersatzverkehr, den die WSV für die Zeit des Schwebefähren-Ausfalls in Aussicht gestellt hat. Ab dem kommenden Monat soll eine Ersatzfähre zwischen Rendsburg und Osterrönfeld verkehren. Ursprünglich war von einem regulären Betrieb die Rede, dann ruderte die WSV zurück. Seitdem verfolgt die Behörde das Ziel, dass eine Ersatzfähre nur dann unterwegs sein soll, wenn im Fußgängertunnel mindestens ein Fahrstuhl ausfällt – also beispielsweise Rollstuhlfahrer Probleme hätten, den Kanal zu queren. Denn Hinweise der WSV, dass ein Fährbetrieb nach Fahrplan wegen der großen Leistungsfähigkeit des Fußgängertunnels nicht erforderlich sei, hält man in Osterrönfeld für eine Ausrede, um Kosten zu sparen.

Sienknecht will keine Fähre, die nur dann verkehrt, wenn es Probleme im Fußgängertunnel gibt. „Wir brauchen stattdessen einen adäquaten Ersatzverkehr.“ Er ist davon überzeugt, dass ein regulärer Fährbetrieb auf großes Interesse der Bürger stoßen würde. „Wenn wir aber feststellen sollten, dass wir uns geirrt haben und der Ersatzverkehr nicht von den Bürgern angenommen wird, werden wir auch so fair sein, nur noch einen Einsatz bei Bedarf zu akzeptieren.“

Eine bürgerfreundliche Entscheidung in Sachen Ersatzfähre ist den Verantwortlichen der Aktion Menschenkette auch deswegen so wichtig, weil so recht keiner von ihnen daran glaubt, dass die Schwebefähre tatsächlich bis Ende des Jahres wieder in Betrieb gehen könnte. Dazu Bürgermeister Gilgenast: „Ich bin skeptisch.“

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