Fockbek/Rendsburg : Die Wikinger kommen per Schiff über die Eider

Die Lage  der historischen Stätten: Grau = Grönsfurther Weg bzw. Ochsenweg. Schwarze Linie unten links = die Dünen bzw. der Wall, die auch als Grönsfurther Berge bezeichnet werden.  Rechts unten der NOK.  Foto: Grafik: Anke Feiler-Kramer
Die Lage der historischen Stätten: Grau = Grönsfurther Weg bzw. Ochsenweg. Schwarze Linie unten links = die Dünen bzw. der Wall, die auch als Grönsfurther Berge bezeichnet werden. Rechts unten der NOK. Foto: Grafik: Anke Feiler-Kramer

Friedensverhandlungen an der Grönsfurth: Vier Gemeinden feiern ein historisches Ereignis

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16. August 2011, 06:42 Uhr

fockbek/rendsburg | Von der Grönsfurth sind es gut 27 Kilometer bis Haithabu. Mit dem Auto ein Klacks, im Jahre 811 zu Pferd ein halber Tagesritt. Für damalige Verhältnisse eine kurze Anreise. Genauso wie von Burg Esesfeld an der Stör: Ritter zu Pferd benötigten nur einen Tag, um an die Eiderfurt zu gelangen. Ein idealer Treffpunkt also für Vertreter von Wikingerchef Hemming und Frankenkönig Karl dem Großen. Wo die Delegationen vor 1200 Jahren quasi den ersten deutsch-dänischen Frieden aushandelten, wird an diesem Sonnabend ein großes Fest gefeiert - mit Wikingern, Gaumenfreuden und Ohrenschmaus (siehe rechts).

"Wir wollten uns die Möglichkeit nicht nehmen lassen, dieses historische Ereignis zu würdigen", erklärt Pierre Gilgenast. Der Fockbeker Bürgermeister beschäftigt sich seit gut zwei Jahren intensiv mit dem Thema Grönsfurth. Gemeinsam mit der Archäologin Dr. Anke Feiler-Kramer ist Gilgenast die treibende Kraft in der Wiederentdeckung der "Grünen Furt". Dass es von Nord nach Süd einen bedeutenden Fluss-Übergang gab, wird aus Sagen und Überlieferungen deutlich. Aber wo? Anke Feiler-Kramer hat in alten Aufzeichnungen recherchiert. Im Dezember stellte sie den Kulturausschüssen der beteiligten Gemeinden ihre Studie über "Die Eiderfurt bei Fockbek" vor.

Mit dem Bau des Eiderkanals im 18. Jahrhundert wurde der Fluss schiffbar gemacht - das Ende der Furt war gekommen. Doch zuvor war die Stelle ideal. "Der sandige Untergrund bot festen Halt", argumentiert die Archäologin. Auf der übrigen Länge "versperrt" eine Klintstrecke an der Untereider den reibungslosen Zugang zum Wasser. "Aber die Eiderfurt ist physisch nicht völlig verloren gegangen", so die Archäologin. "Högndor" bedeutet "das hohe Tor", was wiederum die Ortsbezeichnung für die Südseite der Furt war. Dies ist heute der Name des flachen Hügels, auf dem sich die Westerrönfelder Ortmitte erhebt, erklärt Feiler-Kramer. Zudem verweist der Flurname "Grönhude" auf eine Hude - einen Holzlager- oder Landungsplatz oder kleine Fährstelle". Und der Straßenname des "Grönsfurther Weges" in Fockbek ist ein weiteres Indiz. Der Straßenverlauf ist identisch mit dem ehemaligen Ochsenweg, wissen die Historiker. In Nord-Süd-Richtung war dies also die Stelle, an der die Ochsen über den Fluss getrieben wurden - bis um 1200 eine Brücke bei Rendsburg gebaut wurde.

Wer heute der Verlängerung des Grönsfurther Weges folgt, kommt am Rendsburger Klärwerk vorbei und gelangt an die grünen Wiesen der seit langem begradigten Eider. Ruhig ist es hier, friedlich. Und die Binnendünen, Grönsfurther Berge genannt, laden seit Generationen zu einem Spaziergang ein. Wer am Sonnabend hierher kommt, wird allerdings ein buntes Treiben vorfinden. Die Schleswiger Wikingergruppe "Opinn Sjold" legt mit dem Wikingerschiff "Sigyn" an. Sie stellt die Abordnung des Dänenhäuptlings dar. Die Rendsburger Ritterschaft steht für die fränkischen Edelleute, die Karl der Große geschickt hatte. In den Annalen heißt es, dass "von jeder Seite und von jedem Volk, von den Franken wie den Dänen, zwölf der Großen an dem Fluss Eider zusammenkamen." Im Frühjahr 811 schlugen die Wikinger am Nordufer ihr Lager auf, die Franken am Südufer. Für die Verhandlungen war ein neutraler Ort nötig - oftmals war es eine Furt.

Mit kürzeren Unterbrechungen war der Fluss anschließend Jahrhunderte lang die Grenze zwischen Skandinavien und Europa, zwischen Dänemark und Deutschland. So unterstützt das Dänische Konsulat in Kiel die Feierlichkeiten; auch das Hobby-Werk und die AktivRegion sind an dem Fest beteiligt, das von den Gemeinden Fockbek, Schülp, Westerrönfeld und der Stadt Rendsburg organisiert wird. Und wenn die Feiernden heute auch mit dem Auto anreisen: Der Platz ist begrenzt. Drahtesel oder Pferdekutsche werden daher empfohlen.

Ablauf des Festes siehe rechts

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