Orkantief „Christian“ : Die Wälder bleiben weiter gesperrt

 Förster Thomas Kahn verschaffte sich mit seinen Praktikanten, Natalie Ahrenhold und André Walther, einen Überblick.
Foto:
1 von 3
Förster Thomas Kahn verschaffte sich mit seinen Praktikanten, Natalie Ahrenhold und André Walther, einen Überblick.

Die Schäden in den Forsten Hütten und Brekendorf sind groß nach dem Orkantief „Christian“. Aus Sicherheitsgründen sind viele Wälder weiterhin für Besucher gesperrt. Förster müssen Brennholzkunden noch etwas vertrösten.

von
05. November 2013, 06:00 Uhr

Bislang kann Förster Thomas Kahn nur vage abschätzen, wie groß die Schäden nach Orkantief „Christian“ in seinem Revier sind. Anfangs ging er von 5000 bis 10 000 Festmeter aus, mittlerweile sind es weit mehr als 10 000. „Es ist gut das Dreifache von dem, was wir Jahr für Jahr einschlagen“, sagt Kahn. An einen ähnlichen Sturm während seiner 30-jährigen Dienstzeit als Förster kann er sich nicht erinnern. Als er sich am nächsten Morgen einen ersten Überblick über die Auswirkungen des Orkans machen wollte, kam er nicht weit. „Nach 100 Metern lag der erste Baum auf dem Weg“, berichtet er, auch alle andere Wege waren versperrt. Auch jetzt hat er noch längst nicht alle Flächen seines Reviers in Augenschein nehmen können. Die Landesforstbehörde hat die Wälder daher offiziell gesperrt.

Bei Förster Reiner Mertens hat „Christian“ noch vehementer zugeschlagen. „Ich gehe von mehr als 30 000 Festmeter aus“. In Kropp beispielsweise seien ganze Flächen entwurzelt worden. „Eine Eiche aus den Anfängen der Försterei Brekendorf vor gut 100 Jahren steht nicht mehr“, so Mertens. Eine Buche in der Alten Försterei, mittlerweile ein Naturdenkmal, hielt dem Orkan aber glücklicherweise stand. Die Gebäude der Waldjugend blieben im Hüttener Forst verschont. Zwei Hochzeitslinden riss der Sturm nieder, sie verfehlten nur knapp einen Bauwagen. Etwa 15 Jahre waren die beiden Linden alt. „Mitglieder der Waldjugend, die heiraten, können einen Hochzeitsbaum pflanzen“, erläutert Kahn das Ritual.

In den nächsten Tagen werden beide Förster genauer wissen, ob und wie die umgestürzten Bäume noch zu verwerten sind. „Es ist viel Bruch dabei, das geht dann nur noch als Brennholz weg“, so Kahn. Bei einigen Bäumen wird sich Kahn auch entscheiden müssen, ob sie überhaupt entfernt werden müssen. „Einige sind Totholzanwärter“, sagt Hüttens Revierförster. Abgestorbene Bäume sind ideale Lebensräume für unzählige Pflanzen und Tiere.

Die Waldwege sollen bald freigeräumt werden, doch Vorrang haben die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Hier sind die mobilen Forstwirtgruppen der schleswig-holsteinischen Landesforsten seit Tagen unterwegs, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Diese Arbeiten sind soweit abgeschlossen, so dass es jetzt in die Reviere gehen kann.

Kurz nach dem Sturm stand das Telefon bei Förster Kahn nicht mehr still: „Alle wollten Brennholz“. Doch in den Wald und insbesondere auf Flächen abseits der Wege lässt Kahn jetzt niemanden. „In den Kronen hängen gebrochene Äste“, betont er, umgeknickte Bäume könnten noch andere anschieben und umfallen. Die Gefahr sei einfach zu groß. Auch bei Reiner Mertens standen die Holzkunden schon mit der Motorsäge in der Hand Schlange. „Ich muss alle um Geduld bitten“, so der Brekendorfer, der dringend davon abrät, auf eigene Faust Brennholz zu schlagen.

Im Dezember, so hofft Kahn, sind die ausgewiesenen Wege im Wald wieder frei. „Ein Blick nach oben könnte aber nicht schaden“, empfiehlt auch Mertens den Erholungssuchenden, lieber weiterhin Vorsicht walten zu lassen.

Wo es nicht ausdrücklich verboten ist, konnten Waldbesucher bislang auch die Wege verlassen und querfeldein gehen. Das wird aber auf lange Sicht nicht möglich sein, ist sich Kahn sicher. Äste können herabstürzen oder Wurzelteller zurückklappen. „Viele Bäume stehen unter Spannung“, sagt Mertens, die könnten jederzeit splittern oder brechen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen