Landwirtschaft : Die Verlierer des Hitzesommers

Mit Silage muss Klaus-Peter Lucht die Kühe auf der Weide füttern – auf der Koppel ist nicht mehr genug Gras zum Fressen.  Fotos: Malte Kühl
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Mit Silage muss Klaus-Peter Lucht die Kühe auf der Weide füttern – auf der Koppel ist nicht mehr genug Gras zum Fressen.

Der Supersommer hat auch Schattenseiten: Landwirte klagen über die Trockenheit. Der Milchbauer Klaus-Peter Lucht aus Mörel schildert die Probleme. Die Kühe finden kein Gras mehr und werden mit Silage gefüttert.

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20. Juli 2018, 12:49 Uhr

Träge liegen einige Kühe von Klaus-Peter Lucht im Schatten auf einer Weide nahe des Hofes. Erst als der Landwirt mit seinem Traktor eine Fuhre Silage in den Futtertrog kippt, kommt Bewegung in die Herde. Die Tiere fangen gierig an zu fressen, denn auf der Weide ist Futter momentan kaum zu finden. Die Dürre hat viele Pflanzen vertrocknen lassen, ohne Regen wachsen sie nicht nach.

Die Lage in der Landwirtschaft ist ernst. Seit Wochen hat es kaum geregnet. Zwar profitiert der Tourismus, Freibäder und Eisdielen haben Hochkonjunktur, aber „in der Landwirtschaft sind momentan alle Verlierer.“ Ernteausfall bei Getreide ist nur eines der Probleme , auch bei den Milchvieh-Landwirten wird die Lage schlechter. Die Herden werden entweder im Stall gehalten und mit Silage gefüttert oder weiden auf Koppeln. Um ausreichend Silage zu haben, müssen die Landwirte Gras ernten. Drei bis vier Schnitte seien in einem Jahr möglich, erläutert Lucht, der auch Vorsitzender des Kreisbauernverbandes ist. „Beim ersten Schnitt haben wir etwa 80 Prozent der üblichen Mengen geerntet, beim zweiten waren es nur noch 70 Prozent. Von den 55 Hektar, auf denen wir Gras anbauen, sind zehn Hektar ein Totalausfall“, sagt Lucht. Der dritte Schnitt werde komplett ausfallen, da alles vertrocknet sei.

Eine Möglichkeit, um noch etwas zu retten, könnte eine spezielle Gräsersorte sein. „Aubade“ sei ein schnell wachsendes einjähriges Gras. Zur Not werde er seine Äcker überpflügen und die Sorte aussähen, damit im Oktober noch einmal geschnitten werden könne, sagt Lucht.

Ein weiterer Faktor für die Versorgung seiner Milchkühe sei Mais, erläutert der Landwirt. Die rund 30 Hektar, die er angepflanzt hat, sehen derzeit noch gut aus. „Allerdings braucht auch der Mais innerhalb der kommenden zwei bis drei Wochen Regen, sonst kann er keinen ordentlichen Kolben bilden.“ Trotzdem sei ein Hektar, schätzt Lucht, bereits vertrocknet.

Eine Bewässerung ist für den Milchbauern keine Option, zum einen weil es keine Au gibt, aus der Lucht das Wasser entnehmen könnte, zum anderen weil die Technik dafür nicht vorhanden ist. Das führe letzendlich dazu, dass es einen Mangel an Futter geben werde und somit die Preise steigen. Schon jetzt sei ein Preisanstieg bei Heu oder Stroh festzustellen, wenn man überhaupt noch etwas bekomme. Er habe für das kommende Jahr Verträge mit den Ackerbauern in Schwansen, sodass der Preis nicht zu stark steigen kann.

Mit der Stallhaltung sei er momentan relativ gut aufgestellt, meint Lucht. Er hat etwa 150 Kühe in seinen Ställen. Ein geringer Teil steht auf einer Weide nahe dem Hof. Bullenkälber verkaufe er nach zwei Wochen an Mastbetriebe in den Niederlanden. Im Stall könne er seine Tiere mit Nahrung und Wasser versorgen, zudem hätten die Kühe hier Schatten.

Ein Problem der Landwirtschaft sei es, dass sie immer abhängig vom Wetter ist. In anderen Bereichen werde versucht, diese Abhängigkeit zu begrenzen, beispielsweise durch Hagelschutz bei Obstbäumen oder Folientunnel bei Erdbeeren. Bei Milchvieh sei das allerdings kaum möglich. So seien die Probleme bei Betrieben, die auf Heu- oder Weidemilch umgestellt sind, nun deutlich größer.

Bei Mastbetrieben wird die Situation laut Lucht dazu führen, dass Tiere schneller für die Schlachtung ausgesucht werden, damit diese nicht lange gefüttert werden müssten.

Der Fachmann blickt auch auf den Milchpreis mit Sorge. „Das bisschen an Marge, was übrig ist, wird wahrscheinlich durch die höheren Futterkosten aufgefressen.“

Auch im Pferdesport hat der Hitze-Sommer negative Folgen. Auf der Reitanlage Hexenkroog im Emkendorfer Gemeindeteil Kleinvollstedt werden die Sorgenfalten größer. „Wir müssen mittlerweile zufüttern, was sonst um diese Jahreszeit nicht der Fall ist“, sagt Annika Hameister, die stellvertretende Vorsitzende der Reitgemeinschaft. „Wir haben das Glück, dass wir auf etwa 25 Hektar noch selbst Heu anbauen“, sagt Vereinschefin Cornelia Weber. Trotzdem sei auf den Flächen nur 50 Prozent der normalen Ernte eingefahren worden. Konnte man in den Vorjahren etwas abgegeben, so sieht es dieses Jahr dürftig aus.

Da auch Stroh nicht genug vorhanden ist, erwarten die Reiterinnen einen extremen Kostenanstieg bei Holzspänen als Ersatz. Ein kleiner Trost ist, dass zum geplanten Springturnier Ende August, die Bodenverhältnisse wohl sehr gut sein werden.

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