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Betrug am Telefon : Die Tricks der falschen BKA-Beamten in SH

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Bundeskriminalamt warnt vor einer neuen Betrugswelle mit fingierten Anrufen. Die Rendsburger Kripo verhindert eine Geldübergabe im letzten Moment.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2016 | 11:53 Uhr

Sie sind erfinderisch, ausdauernd, technisch wie psychologisch gewieft und haben es auf hohe Summen Bargeld abgesehen: Betrüger, die sich als Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) ausgeben und im ganzen Bundesgebiet aktiv sind, haben auch in Schleswig-Holstein zugeschlagen. In der vergangenen Woche wurden der Polizei landesweit drei Taten bekannt. „Das sind nur die Fälle, die wir kennen“, sagt Rendsburgs Kripo-Chef Erhard Böttcher, der mit seinen Kollegen durch die Zusammenarbeit mit einer Bank verhindern konnte, dass ein sechsstelliger Betrag an die Trickdiebe übergeben wurde.

Das Opfer Rita Hansen (70), die im Raum Rendsburg lebt und deren Namen wir zu ihrem Schutz geändert haben, hatte über mehrere Woche Kontakt zu den aus dem Ausland agierenden Tätern. Deren Waffe ist das Telefon. Mit ihm verschaffen sie sich nach und nach Zugang zum Bargeld ihrer Opfer. Im Verlauf von Wochen erschleichen sich die Täter das Vertrauen der Angerufenen. Sie geben zum Beispiel an, dass Angehörige der Mafia festgenommen worden seien, bei ihnen habe man Konto- und Depotdaten gefunden.

Nun bestehe die Gefahr, dass die Rücklagen leergeräumt werden. Meistens werden die Opfer aufgefordert, ihr gesamtes Vermögen bei der Bank abzuheben oder Depots aufzulösen. Denn auch Mitarbeiter des Geldinstituts seien in die kriminellen Machenschaften verwickelt. Typisch für das Vorgehen der Täter ist auch die Aufforderung, vor dem Abheben des Geldes bei der Bank ein Schließfach anzumieten. So soll den Mitarbeitern der Kreditanstalt vorgetäuscht werden, dass das abgehobene Geld dort sicher aufbewahrt wird. Tatsächlich werden die Opfer von den Kriminellen angewiesen, alle Scheine mit nach Hause zu nehmen. Dort erscheint dann wenig später ein falscher Polizeibeamter, um das Geld in Empfang zu nehmen.

Der Besuch des angeblichen Ermittlers wird angekündigt. Um authentisch zu wirken, nutzen die Betrüger dabei eine technische Finte. Ihnen gelingt es, die Telefonnummer des Bundeskriminalamtes oder einer Polizeidienststelle auf das Telefondisplay des Angerufenen zu übertragen.

Die Beamten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. „Der Schaden geht in die Millionen“, sagt der Rendsburger Kripo-Mann Matthias Behrens. Ein großes Problem für ihn und seine Kollegen sind die Faktoren Angst und Scham: Viele Betroffene offenbaren sich nicht einmal engsten Freunden und Verwandten an, auch im Nachhinein nicht, weil sie von den Tätern geschickt unter Druck gesetzt wurden.

Oder sie schweigen, weil ihnen die ganze Sache hochnotpeinlich ist. „Selbst eine Geschädigte, deren Sohn bei der Polizei ist, hat sich ihm nicht anvertraut“, berichtet Behrens. Die Angerufenen werden von den Dieben „separiert“, wie es bei der Polizei heißt. Ihnen wird eingetrichtert, keinem zu trauen: nicht der Hausbank, nicht der Polizei vor Ort und auch nicht den eigenen Verwandten.

Rita Hansen fasst sich an den Kopf, wenn sie daran denkt, dass die Masche bei ihr wirkte. „Früher habe ich mich immer gewundert, warum die Leute auf solche Betrüger reinfallen. Jetzt mache ich die gleichen Fehler“, sagt die Rentnerin. „Es tut so weh.“

In ihrem Fall trugen angebliche Mitschnitte von Polizeiverhören zur Verwirrung bei. Der angebliche BKA-Mitarbeiter am Telefon, „ein Herr Schneider“, spielte die Aufzeichnung einer Vernehmung ab. Darin kommt „Sabine“ vor, eine Bankmitarbeiter, die scheinbar ins Visier der Polizei geraten ist.

„Ziel der Täter sind sechsstellige Beträge“, sagt Kripo-Chef Böttcher. Die telefonischen Kontakte würden aus dem Ausland abgewickelt. „Die Abholer des Geldes werden von dort aus gesteuert.“

Das Bundeskriminalamt (BKA) selbst warnte am Montag vor der neuen Welle von betrügerischen Anrufen im gesamten Bundesgebiet. Die Täter wenden sich gezielt an ältere Menschen, weil sie hoffen, deren Gutgläubigkeit und Vertrauen in staatliche Institutionen ausnutzen zu können, hieß es aus Wiesbaden. Sie gingen sehr professionell vor, wobei der erste Kontakt mit dem Opfer meist telefonisch erfolge.

Die Polizei rät bei dubiosen Anrufen fremder Menschen zu äußerstem Misstrauen und bittet, schon beim kleinsten Verdacht den Notruf 110 zu wählen.

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