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Hanerau-Hademarschen : Die Tagebücher eines „Wetterfroschs“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hans Achim Schulz notierte seit 1945 Angaben zum Klima. Sein Lebenswerk ist nun im Heimatmuseum Hanerau-Hademarschen zu bewundern.

Seite um Seite füllen Zeichen und Zahlen die karierten Blätter der acht Kladden, voll mit Angaben zu Wetter, Temperatur, Niederschlagmenge, Wetterlage und vielem mehr. Fast 70 Jahre lang zeichnete Hans Achim Schulz handschriftlich Tag für Tag das Wetter an seinem jeweiligen Wohnort auf. Diese Daten ergänzte er um Zeitungsartikel, vermerkte Wetterkapriolen und Klimaphänomene, fertigte selbstgezeichnete Diagramme an, fügte Wetterkarten hinzu, arbeitete die Wetterdaten seit dem Jahr 1878 mit ein und beschrieb in kleinen Texten den jeweiligen Zustand der Vegetation je nach Jahreszeit. Entstanden sind acht Bände über das Wetter in Borgstedt, Beldorf-Grüntal und Hanerau-Hademarschen, die er nun dem Heimatmuseum in Hanerau-Hademarschen überlassen hat.

In einer Präsentation stellte Museumsleiter Fritz Barnstedt das Lebenswerk von Hans Achim Schulz vor, das neben den Aufzeichnungen auch Wetterkarten über die Südhalbkugel der Erde beinhaltet, sowie alle gesammelten Karten vom Wetteramt Schleswig und dem Deutschen Wetterdienst Offenbach, die Schulz in all den Jahren erhalten hat. „Das ist eine bemerkenswerte Lebensarbeit, die wir da erhalten haben und wir können wohl kaum ermessen, wie wertvoll diese einzigartige Sammlung wirklich ist“, lobte Barnstedt das Engagement des 83-Jährigen.

1945 begann der gebürtige Borgstedter Hans Achim Schulz im Alter von 14 Jahren mit den Aufzeichnungen: „Damals ging ich in Rendsburg zur Mittelschule. In Physik wurde das Thema Wetter behandelt, denn damals gehörte Naturkunde zum Physikunterricht dazu“, erzählt er von den Anfängen seiner Leidenschaft. In einem der Lehrbücher habe gestanden: „Führe auch du ein Wettertagebuch, so ging es los“. Wahrscheinlich sei er bei dem Thema auch familiär vorbelastet gewesen. „Schon als Kind wurde bei uns ständig über das Wetter gesprochen. Meine Vorfahren waren Schiffer in Breiholz und hatten dadurch ständig mit dem Wetter zu tun. Ich fand es spannend, wenn sie über den Seewetterbericht diskutierten. Vielleicht war das ausschlaggebend für später“, erzählt der 83-Jährige. Neben eigenen Messungen bezog er Daten von Wetterkarten, die er aus Schleswig und Offenbach erhielt bis zum Jahr 2000, „dann habe ich sie abbestellt, weil sie zu teuer wurden.“ Im Auftrag des Wetteramtes absolvierte er weiter Messungen für Borgstedt, später 30 Jahre lang für Beldorf und elf Jahre für Hanerau-Hademarschen, seinem jetzigen Wohnort. Da habe er die Karten von den Ämtern zur Verfügung gestellt bekommen. Das Eintragen, Zeichnen und Nachrechnen der Messwerte habe viel Zeit gekostet. „Oft habe ich bis spät in den Abend oder in die Nacht an den Kladden gesessen. So bekloppt ist wohl heute im Zeitalter von Computern keiner mehr“, meint Schulz. Es sei gut zu wissen, dass diese Arbeit nicht verloren geht und einen Platz im Museum findet. „Dafür bin ich Fritz Barnstedt sehr dankbar, ich hätte es nur schwer ertragen, wenn die Aufzeichnungen irgendwann nach meinem Tod im Müll gelandet wären, denn da gehören sie nicht hin.“

Wer wissen möchte, wie das Wetter am Tag seiner Geburt war oder sich die Werke anschauen möchte, hat dazu im Museum Gelegenheit, das jeden ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet ist.

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