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Warder : Die Suche nach dem goldenen Vlies

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kein Coburger Fuchsschaf konnte die Körrichter in der Arche Warder vollständig überzeugen. Viele Landschafrassen vom Aussterben bedroht.

Auf die Suche nach dem „goldenen Vlies“ begaben sich die Richter auf dem Körplatz der Arche Warder immer dann, wenn ihnen Coburger Fuchsschafe zur Begutachtung vorgeführt wurden. Das „goldene Vlies“ der griechischen Mythologie, bei dem es sich um das Fell eines flug- und sprachbegabten goldenen Widders handelte, das in einem heiligen Hain von einem schiffsgroßen Drachen bewacht, aber trotzdem von den Argonauten geraubt und zuletzt in der antiken Stadt Iolkos gesehen worden sein soll, fanden die Körrichter nicht – aber danach suchten sie ja auch gar nicht, sondern nach einem anderem „goldenes Vlies“: dem rötlich-goldenen Schimmer in der Wolle besonders wohlgeratener Coburger Fuchsschafe.

„Heute haben wir diesen goldenen Schimmer bei keinem Schaf gefunden“, bilanzierte Hardy Marienfeld von der Körkommission des Landesverbands der schleswig-holsteinischen Schaf- und Ziegenzüchter. Weshalb auch kein Coburger Fuchsschaf mit der Höchstnote 10 in punkto Wolle nach Hause fahren konnte. Die Richter vergaben maximal eine 8 – und zwar an die Coburger Fuchsschafe von Frauke und Dr. Carl Wechselberg. „Der schöne Glanz des goldenen Vlies‘ ist das Zuchtziel bei dieser Rasse“, erklärte Frauke Wechselberg, „das Fell soll rötlich-golden schimmern.“ Seit 14 Jahren züchtet die Ostholsteinerin Coburger Fuchsschafe. Warum gerade diese Rasse? „Weil die Wolle gut zu verarbeiten, von vielfältiger Farbvarianz und darum für Handspinnerinnen überaus reizvoll ist.“ Frauke Wechselbergs größter Zuchterfolg: Bei der „Grünen Woche 2014“ in Berlin wurde Fuchsschaf „Xiliki“ aus Neutestorf zur „Bundeswollsiegerin“ gekürt. „Xilikis“ Tochter „Greetje“ bekam nun beim Landschaf-Tag in der Arche Warder immerhin 8 von 10 möglichen Punkten in der Bewertungsrubrik Wolle. „Das haben die Richter auch richtig gesehen“, meinte Frauke Wechselberg. Neben seiner beliebten Wolle habe das Fuchsschaf eine zweite Qualität, die es zukunftsfähig mache, erläuterte Marienfeld: „Die Coburger haben den Vorteil, dass sie sich sehr gut zur Veredelung von anderen Rassen durch Kreuzungszüchtung eignen.“ Dadurch habe das Fuchsschaf als eine der ganz wenigen alten Landschafrassen „den Schritt in die Gegenwart und Zukunft geschafft.“ Das Coburger Fuchsschaf ist seiner goldschimmernden Wolle und seiner erstklassigen Kreuzungseigenschaften wegen aktuell nicht vom Aussterben bedroht. „Alle anderen Landschafrassen sind – weil ihre Zucht eine Liebhaberei ist und man eine gewisse Grundpopulation zur Zucht braucht – Kandidaten für die rote Liste der gefährdeten Arten“, vermerkte Marienfeld.

Weshalb der jährliche Landschaf-Tag auch bestens in die Arche Warder passt, die sich ja den Erhalt alter Nutztierrassen auf die Fahnen geschrieben hat. „Durch die Körung erfolgt ein Eingriff in die Zucht, indem Eigenschaften wie Über-, Unterbiss oder Durchtrittigkeit, die der Rasse schaden würden, herausselektiert werden“, sagte Marienfeld. Die Körkommission beurteilte neben der Wolle auch die „Bemuskulung“ und die „äußere Erscheinung“ der Schafe. Die Höchstnote 10/10/10, von der jeder Züchter träumt, wurde diesmal nicht vergeben. Relativ viele 8en und auch die eine oder andere 9 verteilten die Richter bei den Rhön- und bei den Ouessantschafen. „Die Rhönschafzucht in Schleswig-Holstein gibt es seit acht, neun Jahren, man sieht die Zuchtfortschritte, und das war heute der weitaus beste Jahrgang, den wir bisher gesehen haben“, lobte Marienfeld, „und auch die sehr erfreulichen Zuchterfolge bei den Ouessantschafen sind für den Erhalt dieser Rasse total wichtig.“

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