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Nortorf : Die Spuren von „Schnaps-Lorenzen“ verlieren sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Karsten Harp interessiert sich für die Nortorfer Geschichte und kann viel über alte Gebäude und Begebenheiten erzählen.

So um die 28  000 Ecken sei er irgendwie mit „Schnaps-Lorenzen“ verwandt, berichtet Karsten Harp und blickt dabei auf das dunkelgrüne Gebäude in der Poststraße, welches derzeit abgerissen wird. Aber das sei nicht der einzige Grund, weshalb sich der Nortorfer für die Geschichte der Stadt so interessiert. „Schon als kleiner Junge habe ich immer nachgefragt und wollte alles wissen“, erinnert sich der 44-Jährige, „seitdem ist das mein Steckenpferd.“

Dass der Bagger gerade Schicht für Schicht des alten Hauses abreißt, sei für Karsten Harp aber nicht so tragisch. „Eine Stadt muss sich verändern und entwickeln, sonst kann sie nicht weiterleben.“ Dennoch habe er gemischte Gefühle. „Es ist das typische lachende und das weinende Auge“, erklärt Harp, der die Informationen aus seinem persönlichen Archiv auch stets dem Stadtarchiv weiter gibt. „Die Geschichte muss man bewahren. Sonst kann sie später keiner erzählen und sie gerät ganz und gar in Vergessenheit.“

In dem Gebäude in der Postraße befand sich bis 1966 ein Spirituosengeschäft. „Den Inhaber nannten sie auch Schnaps-Lorenzen“, erklärt der 44-Jährige. Lorenz Lorenzen wurde 1879 in Schütting auf Pellworm geboren. Nach seiner Konfirmation machte er eine Lehre beim Kaufmann Schnoor (Handel und Spirituosen) in Burg in Dithmarschen. 1902 machte Lorenzen sich selbständig und eröffnete das Kolonialwarengeschäft in der Poststraße in Nortorf. Sein Bruder Friedrich hatte nur wenige Meter weiter in der Großen Mühlenstraße ein Geschäft mit Topfwaren und wurde deshalb auch „Pott-Lorenzen“ genannt. Lorenz Lorenzen war nach dem 2. Weltkrieg 1. stellvertretender Bürgermeister von Nortorf. Im Mai 1954 verstarb er.

Die Daten darüber hat Karsten Harp alle im Kopf. „Das liegt mir einfach. Aber natürlich schreibe ich auch alles auf, damit die Informationen erhalten bleiben“, erklärt Harp, der mittlerweile in Ellerdorf lebt. Die geschichtlichen Hintergründe erfährt er dabei nicht nur aus alten Büchern oder dem Stadtarchiv - „ich spreche auch gezielt Leute an und einige kommen auch direkt auf mich zu, weil sie wissen, dass ich mich dafür interessiere“, berichtet Karsten Harp.

Ein weiteres Gebäude wird nur wenige Meter entfernt von der Poststraße abgerissen: Das Haus in der Johannisstraße 6. Dazu hat Harp einen ganz besonderen Bezug. „Direkt gegenüber bin ich geboren.“ Auch andere Geschichten hat Harp sofort parat. So erzählt er von dem Malheur des späteren 99-Tage-Kaisers Friedrich dem III. der bei einem Aufenthalt in Nortorf aus Versehen Tinte auf die Damastdecke der Frau des damaligen Propstes Magnus von der Heyde kippte. Schnell entfernte die Frau den Fleck. Später ärgerte sie sich, weil in Nortorf der Grundstein zur Erstürmung der Düppeler Schanze am 18. April 1864 beschlossen wurde. „Man sagt, sie hätte die Decke gern als Andenken aufbewahrt. Wer weiß, vielleicht würde sie nun im Nortorfer Museum liegen“, berichtet Harp. Auch die Anekdote zu Kaiser Wilhelm II. gefällt dem Geschichtsfan: „Als dieser in Nortorf Station machte, putzte die Stadt sich heraus, die Kapelle wartete bereits gespannt am Bahnhofsplatz. Als der Zug hielt, stieg der Schaffner aus und sagte: ,Ruhe bitte. Die Majestät schläft jetzt.“

Sein Arbeitszimmer sei voll an Material. Alles sei nach Jahreszahlen sortiert und akribisch festgehalten. Neben der baulichen Entwicklung, vielen kleinen Geschichten und Anekdoten, schreibt Karsten Harp auch an der Familienchronik. „Die reicht sogar bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Die Geschichte Nortorfs beginnt bei mir ab 1850. “

Wegziehen kommt für den Familienvater nicht in Frage: „Hier bin ich geboren, hier hab ich meine Wurzeln.“ Und: „Wenn ich mir alte Bilder ansehe, dann muss Nortorf ein niedliches, pulsierendes kleines Fleckchen Erde gewesen sein.“

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erstellt am 04.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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