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Landeszeitung

20. August 2017 | 21:27 Uhr

Ausgegraben : Die Siedlung der Namenlosen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Feuerstelle und Holzreste belegen: Bei Fockbek kochten bereits vor 2600 Jahren Menschen ihr Essen.

Wo heute die Autos entlangbrausen, siedelten vor mehr als 2000 Jahren bereits Menschen. Aktuelle Funde belegen es. Denn Reste einer Siedlung aus der vorrömischen Eisenzeit sind bei einer Grabung an der Bundesstraße 202 am Ortsausgang Fockbek in Richtung Hohn gefunden worden.

Wobei der Begriff „vorrömisch“ irritieren kann. „Die Römer waren nicht hier“, macht Archäologin Veronika Klems lächelnd deutlich. Die Wissenschaftlerin vom Archäologischen Landesamt in Schleswig und ihr Grabungsteam untersuchen die Strecke, auf der im kommenden Jahr eine Gaspipeline von Fockbek nach Ellund verlegt werden soll.

Die „spärlichen Funde“, vor allem Reste von Feuerstellen und Holzpfählen, sind nach Einschätzung der Archäologin etwa 2600 Jahre alt. Wie die Siedler jener Tage hießen, kann die Fachfrau nicht sagen. „Sie lassen sich wissenschaftlich noch nicht zuordnen“, erläutert sie. Bezeichnungen wie Germanen seien erst später und durch Tacitus entstanden. Aber was kaputt und aufgebraucht war, wanderte schon damals auf den Müll: Bei den Grabungen sind Abfallgruben entdeckt worden.

Vor Baumaßnahmen wie der Verlegung einer Pipeline werde die vorgesehene Trasse immer nach eventuellen Zeugnissen aus früheren Zeiten untersucht, erklärte Veronika Klems. Nach einer Feldbegehung mit oberflächlicher Begutachtung wird in einem zweiten Schritt nach Bodenverfärbungen und Fundstücken wie Scherben gesucht. Bei der Hauptuntersuchung wird der Oberboden auf der Breite der Trasse abgetragen, um weiter nach Funden zu suchen.
Funde und Fundstellen werden fotografisch und zeichnerisch festgehalten.

„Eine dokumentierte planmäßige Zerstörung“ nennt Klems das Vorgehen. Denn die Archäologie des Ortes sei danach nicht mehr erhalten. Nach der Arbeit des Grabungsteams könne der Baubeginn ungehindert starten.

In der nächsten Woche ziehen Veronika Klems und ihre Mitarbeiter weiter nach Owschlag. „Da versprechen die Voruntersuchungen mehr Funde.“

 

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erstellt am 25.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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