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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 06:09 Uhr

Die Schwierigkeit, Deutsch zu lernen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Land hat zusätzliche Mittel bereitgestellt – auch für neue Stellen im Kreis / Ehrenamtler fordern jedoch noch stärkeres Engagement

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2015 | 11:45 Uhr

Sie kommen aus Syrien, dem Iran oder aus Eritrea. Sie haben eine gefahrvolle Flucht überstanden. Sie können kein Deutsch und manchmal nur das kyrillische oder arabische Alphabet. Aber sie sollen in den Schulen des Kreises denselben Wissenstand erlangen wie deutsche Schüler. „Eigentlich braucht jedes dieser Kinder Einzelförderung“, sagt Reinhard Frank. Im Rahmen von DaZ (Deutsch als Zweitsprache) hat er Flüchtlingskinder an der Schule Altstadt in Rendsburg unterrichtet. Mit Hilfe von Spenden unterstützt die Volkshochschule (VHS) den Unterricht an DaZ-Zentren. Denn, so sagt VHS-Leiter Rainer Nordmann: „Die zur Verfügung stehenden DaZ-Unterrichtsstunden reichen nicht annähernd aus.“

Vor knapp zehn Jahren wurde damit begonnen, DaZ-Zentren in Deutschland aufzubauen. „Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund erlangen nicht den Abschluss, zu dem sie kommen könnten. Und nur wenige Jugendliche mit nichtdeutscher Herkunftssprache machen Abitur“, nennt Eylem Cetinöz als Grund. Sie ist DaZ-Fachberaterin im Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Das Konzept lief bisher gut“, erklärt Schulrat André Berg. Gemeinsam mit Schulrätin Anne Dube ist er für den Kreis Rendsburg-Eckernförde zuständig. Aufgrund des Flüchtlingsstromes sei ein erhöhter Bedarf entstanden, so Berg. „Der originäre Auftrag ist sehr viel größer geworden“, betonen die Schulräte.

Darauf hat das Land Schleswig-Holstein reagiert. Um 7,7 Millionen Euro hat es die DaZ-Mittel aufgestockt. Insgesamt werden 30 zusätzliche Vollzeit-Lehrerstellen geschaffen. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde werden die bisherigen 13,5 Stellen um 5,5 aufgestockt. „Auch die Fortbildung wird ausgebaut“, ergänzt Anne Dube. Doch zwei Faktoren erschweren den Einsatz der Lehrkräfte: Die große Fläche des Kreises. Und „die Zahl der Kinder ist nicht kalkulierbar“, sagt Rainer Nordmann. So kann selbst das Schulamt nicht sagen, wie viele Kinder an den jeweiligen DaZ-Zentren oder -Außenstellen eine Förderung erhalten. „Die Zahlen wechseln ständig und unterscheiden sich von Monat zu Monat.“

Schulrätin Dube betont, dass die Kollegen an den DaZ-Zentren daher auch ganz individuelle Pläne erstellen. Wird beispielsweise ein Kind in Alt Duvenstedt angemeldet, das noch nicht über genügend Deutsch-Basiskenntnisse verfügt, wird es für eine Zeit am DaZ-Zentrum in Rendsburg unterrichtet. Um die Fahrtkosten müssen sich die Eltern in diesem Fall keine Gedanken machen – anders als im Falle von erwachsenen Asylbewerbern. Es besteht Anspruch auf Schülerbeförderung, die Kosten werden übernommen.

Dennoch stoße das System an seine Grenzen, meint VHS-Leiter Nordmann. „Wir sind täglich an den Schulen. Unsere Wahrnehmung ist eine andere: Es reicht nicht.“ Diesen Eindruck bestätigt auch Reinhard Frank. Die Lehrer könnten den erhöhten Anforderungen nicht gerecht werden. Gerade, da etliche der Kinder traumatisiert seien. Aber auch, weil sie mit so unterschiedlichen Vorkenntnissen kämen (siehe auch Interview unten). „Es ist ein schwieriger Prozess, bis sie das lateinische Alphabet können.“ Seiner Meinung nach sei auch das Lerntempo für viele zu schnell.

„Es kann natürlich immer ein Mehr geben“, sagt Anne Dube mit Blick auf die Forderungen. Die Schulräte weisen darauf hin, dass DaZ-Lehrkräfte beispielsweise eine Fortbildung mit erfahrenen Trauma-Therapeuten in Anspruch nehmen können. Und Kreisfachberaterin Eylem Cetinöz berät regelmäßig die Lehrer an den Schulen, zwei Mal im Halbjahr gibt es eine DaZ-AG für den gesamten Kreis. Denn die Anfangsförderung ist nur der erste Schritt: „Die Alltagssprache erwirbt man in zwei Jahren, und die Bildungssprache – um erfolgreich in der Schule arbeiten zu können – in sechs bis neun Jahren.“

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