"Die Sanierung ist nicht in Gefahr"

<strong>Die Berufliche Schule Gewerbe, Technik, Landwirtschaft (GTL)</strong> in Rendsburg soll aufwändig saniert werden. Nun hat sich der Architekt zu Wort gemeldet und möchte an der Sanierung beteiligt werden.  Foto: LAABS
1 von 3
Die Berufliche Schule Gewerbe, Technik, Landwirtschaft (GTL) in Rendsburg soll aufwändig saniert werden. Nun hat sich der Architekt zu Wort gemeldet und möchte an der Sanierung beteiligt werden. Foto: LAABS

shz.de von
17. November 2009, 04:59 Uhr

RENDSBURG | Die Berufliche Schule Gewerbe, Technik, Landwirtschaft (GTL), soll am 1. Januar das zweite Berufsbildungszentrum im Kreis Rendsburg-Eckernförde werden. Gestern votierte der Kreistag für die von der Verwaltung vorgeschlagene Besetzung des Verwaltungs- und Beirates. Bereits seit dem Sommer wird das Schulgebäude saniert. 8,5 Millionen Euro fließen in den nächsten fünf Jahren in das Großprojekt. Nun hat sich der Architekt des Schulbaus, Diethelm Hoffmann aus Kiel, gemeldet. Mit Hinweis auf das Urheberrecht an dem von ihm geplanten Schulgebäude will er an der Sanierung beteiligt werden. Dazu findet heute um 14 Uhr ein Gespräch im Kreisbauamt statt.

Von einem Kollegen aus Rendsburg hat Architekt und Stadtplaner Diethelm Hoffmann von der umfangreichen Sanierung der GTL-Berufsschule in der Rendsburger Herrenstraße erfahren. Er erwarte, am Verfahren beteiligt zu werden, sagte Hoffmann gestern auf Nachfrage der Landeszeitung. "Auch wenn es schon 35 Jahre her ist, hat man als Architekt gewisse Rechte zur Beteiligung an späteren Veränderungen", erklärte der Kieler mit Hinweis auf das Urheberrecht.

Man nehme die Sache sehr ernst, sagte Kreisbaudirektorin Birgit Kulgemeyer auf Nachfrage. Landrat Rolf-Oliver Schwemer habe sie mit der Sache betraut. Heute finde ein Gespräch zwischen ihr und Diethelm Hoffmann statt, dessen Belange sie als "absolut richtig und wichtig" bezeichnete. Die Frage, warum man den Architekten denn nicht früher mit eingebunden habe, schließlich liefen die Planungen ja schon seit Monaten, beantwortete sie mit dem Hinweis, dass man das Urheberrecht als nicht berührt angesehen habe, weil die Schule in ihrem Erscheinungsbild weitgehend unverändert bleibe. "Wir werden alles tun, um eine Entschädigungszahlung wegen einer Verletzung des Urheberrechtes zu vermeiden", versicherte sie. Ein Honorar für Beratertätigkeiten wollte sie jedoch nicht ausschließen. Wichtig sei: "Die Sanierung ist nicht in Gefahr."

Geld spiele bei seiner Intervention nicht die entscheidende Rolle, sagte Hoffmann auf die Frage, ob der Kreis jetzt mit einer hohen Geld-Forderung seinerseits zu rechnen habe. Ihm gehe es um die Wahrung seines Entwurfs. "Immerhin hatte unser damaliges Büro Jungjohann und Hoffmann mit dem Entwurf den Wettbewerb gewonnen. Das Gebäude wurde damals sogar in den Architektenführer Schleswig-Holstein aufgenommen", sagte der Kieler, der bei vielen repräsentativen Gebäuden in Schleswig-Holstein mitgewirkt hat, darunter das Kulturviertel Sophienhof Kiel (1986 bis 1988), die Erweiterung der Kunsthalle zu Kiel oder auch das Rathaus Rendsburg von1980 bis 1983. Außerdem war der heute 74-Jährige von 1986 bis 1998 Präsident der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein.

Der damalige Landrat Geerd Bellmann erinnert sich noch gut an die Planung und die Einweihung (1. März 1975) des Schulbaus. Er stand damals kurz vor Beginn seiner Amtszeit als Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde (1975 bis 2000). "Wir waren damals schon grün", sagte er mit Hinweis auf die heute 22 Bäume, darunter Eichen, Buchen, Ahörner und Linden, im Eingangsbereich der Schule, die man trotz umfangreicher Baumaßnahmen habe erhalten können.

Das Anmelden von Ansprüchen aus den Urheberrechten durch Architekten ist für Bellmann kein ungewöhnlicher Vorgang. "Damit hatten wir früher relativ oft zu tun", erinnert sich der 74-Jährige. Es habe dann viele Gespräche gegeben, an deren Ende eigentlich immer eine Einigung gestanden habe. "Wenn man mal die juristische Seite außer Acht lässt, halte ich es durchaus für sinnvoll, mit dem Architekten zu reden."

Schulleiterin Monika Boye ist von dem Vorgang überrascht, bleibt aber gelassen: "Ich gehe davon aus, dass das Kreisbauamt in Absprache mit dem Architekten die Renovierung und Sanierung wie vorgesehen vollzieht." Der Sanierungsplan sei auf fünf Jahre angelegt und vom Kreis mit rund 8,5 Millionen Euro veranschlagt worden. "In diesem Jahr sind zwei Musterklassen und zwei dringend benötigte Büroräume entstanden. Außerdem wurde der Kiosk umgebaut. Die Flachdachsanierung des Werkstattgebäudes soll bis Ende dieses Monats abgeschlossen werden", sagte die Schulleiterin.

Insgesamt sieht der Plan im nächsten Jahr die Sanierung der Lüftungsanlage (1. Bauabschnitt), einen neuen Fußboden für die Sporthalle, drei weitere umgestaltete Klassenräume und die energetische Erneuerung der Pausenhalle (neue Fenster, Dämmung der Außenwände für rund 1,4 Millionen Euro) vor. 2011 werden 1,1 Millionen Euro für 20 weitere Klassenräume und den 2. Teil der Verbesserung der Lüftungsanlage ausgegeben. Klassenräume und Lüftungsanlage stehen auch 2012 (1,8 Millionen) auf dem Plan. Ende 2013 soll mit der Fassadensanierung und den letzten Arbeiten in der Sporthalle das Projekt Sanierung der Beruflichen Schule Gewerbe, Technik, Landwirtschaft abgeschlossen werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen