Rendsburger Schleife : Die Ruhe vor dem Bohrlärm

Einer von 204: Jeder Brückenpfeiler wird durch vier in Betonfundamente eingelassene Stahlanker gesichert. An einigen Stellen reichen die Fundamente 14 Meter tief in die Erde.  Foto: dru
Einer von 204: Jeder Brückenpfeiler wird durch vier in Betonfundamente eingelassene Stahlanker gesichert. An einigen Stellen reichen die Fundamente 14 Meter tief in die Erde. Foto: dru

In den nächsten zwei Jahren wird es laut in der Rendsburger Schleife: 203 Stahlanker der Eisenbahnhochbrücke werden aus Fundamenten gebohrt und ausgetauscht.

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14. Oktober 2011, 07:46 Uhr

Rendsburg | Im Rahmen der Sanierungsarbeiten der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke werden 204 Stahlverankerungen von 51 Brückenpfeilern aus ihren Betonfundamenten herausgebohrt und durch größere ausgetauscht. Kosten der Aktion: 13,5 Millionen Euro. In der Haderslebener Straße begannen Mitarbeiter des Hamburger Bauunternehmens Fr. Holst am Montag mit den vorbereitenden Erdarbeiten.
Jeder Brückenpfeiler steht auf vier Fundamenten. Eines wurde in der Haderslebener Straße bereits testweise erneuert. "Es sind noch 203 übrig", erklärt Rüdiger Schröder von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, der Eigentümerin der Brücke.
Während der Arbeiten fahren weiterhin Züge über die Brücke
Ein aufwändiges Verfahren: Die unter Denkmalschutz stehende Hochbrücke darf optisch kaum verändert werden. Die Gesetze der Statik verlangen zudem ein klar strukturiertes Vorgehen. Die Baufirma bearbeitet die Fundamente paarweise. Der Grund: Während der Arbeiten fahren weiterhin Züge über die Brücke.
Zunächst wird eine zwölf Quadratmeter große und bis zu vier Meter tiefe Baugrube rings um zwei Betonfundamente ausgehoben. Mit einem Bohrer werden die alten Stahlanker anschließend in ihren Fundamenten freigelegt und ausgetauscht. "Es darf immer nur einer der vier Anker zur Zeit gewechselt werden", betont der Baubevollmächtige Olaf Beitzke. Währenddessen werde die Konstruktion durch provisorische Sicherungen gestützt. Ein zusätzlicher Betonmantel soll dem Bauwerk weitere Stabilität bringen. Sechs bis acht Wochen dauert die Erneuerung eines Brückenfuß-Paares.
In Spitzenzeiten arbeiten 20 Leute an acht Brückenpfeilern gleichzeitig
Noch herrscht in der Haderslebener Straße die Ruhe vor dem Sturm. In ein bis zwei Wochen aber werden dort die Bohrarbeiten beginnen, kündigt Rüdiger Schröder an. Mehrere Stunden dauere so eine Bohrung. Der Sachbereichsleiter für Brücken hofft auf das Verständnis der Bürger. "Gerade der langanhaltende Bohrlärm ist natürlich eine große Belastung für die Anwohner." In einigen Monaten folgen die Fundament-Erneuerungen auf der anderen Seite desselben Brückenpfeilers.
Bis Ende 2014 sollen alle 203 Stahlanker ausgetauscht sein. Ein enger Zeitrahmen. Das Hamburger Bauunternehmen wird die Zahl der Arbeiter in Rendsburg in den kommenden Monaten deshalb nach und nach aufstocken. "Momentan sind wir zu sechst. In Spitzenzeiten müssen wir mit 20 Leuten an acht Brückenpfeilern gleichzeitig arbeiten", kündigt Polier Martin Gundlach an.
Strenge zeitliche Vorgaben
Um die Lärmbelästigung für die Anwohner in Grenzen zu halten, gibt es strenge zeitliche Vorgaben. "Es wird um sieben Uhr morgens angefangen, keine Minute früher. In der Woche ist um 18 Uhr Feierabend, sonnabends um 14 Uhr", betont Schröder. So geräuschvoll und langwierig die Sanierungsarbeiten sind, so notwendig sind sie auch für die Region, erklärt Schröder. "Die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke ist ein überaus wichtiges Verkehrswerk, das wir für die Zukunft fit machen müssen."
Die Deutsche Bahn hatte die Anforderungen an die Brücken-Konstruktion erhöht, um den Kanal künftig mit mehr und längeren Güterzügen überqueren zu können. Da das Unternehmen die Arbeiten bestellt hat, muss es auch die Kosten tragen.

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