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Ministerbesuch : Die Rückkehr des Königsmoores

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mit Zertifikaten können sich Unternehmen und Bürger an Renaturierungs-Projekten beteiligen – den landesweiten Auftakt macht Christiansholm.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Hartmut Bethke blickt über das flache Land, von dem ihm ein kräftiger Wind ins Gesicht weht. „Das sieht ja ganz ordentlich aus“, sagt der Bürgermeister von Christiansholm und meint die Fläche, die sich, umschlossen von einem Torfwall, vor ihm erstreckt: Torfflächen, etwas Gras, viel Wasser.

1958 hat der heute 72-Jährige selbst an der Entwässerung des Königsmoors mitgearbeitet, um Ackerland zu schaffen. Mit dem Spaten hat er Gräben gegraben. Jetzt haben Baumaschinen in nur drei Wochen die Landschaft neben dem Bauernhof seines Bruders Günther, auf dem auch Hartmut Bethke aufgewachsen ist, komplett verändert. Das Königsmoor ist das erste Wiedervernässungs-Projekt, das durch das neue Konzept der „Moorfutures“ finanziert werden soll. Unternehmen und Privatleute können beim Land Zertifikate kaufen und damit ihre CO2-Bilanz aufbessern. 54 Euro kostet ein solches Papier, mit dem innerhalb von 50 Jahren eine Tonne Kohlendioxid eingespart wird – indem das Geld komplett in die Renaturierung von Mooren fließt. Wächst dort die Torfschicht – in einem intakten Moor um einen Millimeter pro Jahr –, entweichen kein CO2 und andere Gase wie Lachgas und Methan mehr. Auf dem Grünland von ehemaligen, trockengelegten Mooren dagegen zersetzt sich der Torf und setzt klimaschädliche Gase frei. „Das zeigt die Bedeutung der Moore für das Klima“, sagte gestern Umweltminister Robert Habeck (Grüne) bei einem Ortstermin. „Mit den ‚Moorfutures‘ kann jetzt jeder seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, und das direkt vor der Haustür.“

Zu den ersten, die mit den Zertifikaten etwas für das eigene grüne Gewissen machen, gehören Ingrid und Jürgen Schmidt aus Kaltenkirchen. „Wir gehen selbst gerne in Mooren spazieren und wollten einfach etwas für den Klimaschutz tun“, sagt Ingrid Schmidt (65). „So ein natürliches Moor ist ja auch viel schöner als überall nur Mais“, meint Ehemann Jürgen (67).

In zwei Schritten soll das 67 Hektar große Königsmoor wieder zu einem echten Hochmoor werden. Der erste Bauabschnitt ist fertig und wird langsam wieder vernässt, der zweite soll im nächsten Winter folgen. Die Gesamtkosten beziffert Projektmanager Gerrit Werhahn von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein auf 230  000 Euro. Die Agentur ist eine Tochtergesellschaft der Stiftung Naturschutz, der das Land gehört. 40  000 „Moorfutures“ sollen das Projekt tragen, die Stiftung geht bei der Finanzierung in Vorleistung.

„Es tut einem als Landwirt schon etwas weh, wenn Grünland verschwindet“, sagt Milchbauer Günther Bethke, der auch Bürgermeister von Königshügel ist. Aber das ist ja nun die neue Zeit, sagt sein Bruder. „Naturschutz wird immer wichtiger, auch für den Tourismus. Wir freuen uns, dass Besucher hier Kraniche und Schwäne sehen können.“ Und leicht zu beackern war das Land hier sowieso nie – zu nass. Das Geld sei ja wohl da. „Das hätte man aber vielleicht auch für Schlaglöcher nutzen können“, sagt Bethke. Er hofft nun, dass die Wege zumindest nicht auch noch im Moor versinken.


> Mehr zu Moorfutures: www.ausgleichsagentur.de

 

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