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Landeszeitung

23. Oktober 2017 | 02:54 Uhr

Interview : Die Risiken der Silvesternacht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Rendsburger Wehrführer Gerrit Hilburger über die Gefahren des Jahreswechsels, Einsatzschwerpunkte in der Stadt und die Bilanz des Jahres 2013.

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2013 | 17:42 Uhr

Lärm und Rauchentwicklung durch Böller, Feuergefahr durch vom Wind verwehte Raketen und betrunkenes Partyvolk mitten auf der Straße: Silvester hat es für die Freiwillige Feuerwehr Rendsburg um Wehrführer Gerrit Hilburger (Foto) in sich. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Frank Höfer schildert der 34-Jährige die Risiken des Jahreswechsels und zieht vorläufige Bilanz eines Jahres, das der Wehr so viele Einsätze wie noch nie bescherte.

 

Herr Hilburger, wann kommen Sie in der kommenden Silvesternacht dazu, aufs neue Jahr anzustoßen?

Am meisten ist erfahrungsgemäß in der Stunde vor und nach Mitternacht los. Mit Glück können wir zwischendurch kurz nach Hause, um 2014 mit der Familie zu begrüßen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass das erst weit nach 24 Uhr stattfindet.

 

Wo sind die Einsatzschwerpunkte?
Mastbrook ist immer mit dabei. Auch im Fußgängertunnel war beim letzten Mal leider was los. Zu gefährlichen Situationen kann es aber überall kommen. Auch in Rendsburg haben wir ja Reetdachhäuser. Um die herum gilt ein Sicherheitsradius von mehreren hundert Metern, in dem keine Raketen abgefeuert werden dürfen. Das Problem ist, dass sich bis auf die Hausbewohner die wenigsten daran halten. Und bei starkem Wind werden die Raketen abgetrieben.

 

Wo lauern weitere Gefahren?

Oft erleben wir, dass sich Nachbarn oder Gruppen mitten auf der Straße treffen, um aufs neue Jahr anzustoßen und Böller und Raketen abzufeuern. Dort kommt es dann zu starker Rauchentwicklung, und die Leute stehen plötzlich buchstäblich im Nebel. Für Autofahrer sind sie fast nicht zu erkennen. Die Hauptverkehrsstraßen müssen unbedingt freibleiben, jederzeit könnten Einsatzfahrzeuge heraneilen. Auch Sektflaschen und andere Gegenstände bitte nicht auf der Straße liegen lassen. Ebenfalls sollten Balkone leergeräumt sowie Mülltonnen in sichere Bereiche gestellt werden. Fenster und Türen geschlossen halten, damit sich keine Rakete die falsche Flugbahn suchen kann.

 

Wie sieht Ihr Jahresfazit aus?
Wir hatten so viel zu tun wie noch nie. Bis Sonnabend lagen wir bei 663 Einsätzen, das sind 220 mehr als in 2012, dem bisherigen Rekordjahr. Selbst wenn man die gut 180 Alarmierungen nach dem Orkan „Christian“ Ende Oktober abzieht, liegen wir noch über der Marke von vor zwei Jahren. Großfeuer innerhalb der Stadtgrenzen hatten wir nicht, allerdings mehrere außerhalb, zum Beispiel in Prinzenmoor, wo Mitte Oktober ein landwirtschaftliches Gebäude bis auf die Grundmauern abbrannte.

 

Gab es ungewöhnliche Fälle?
Mir fällt spontan ein Einsatz aus dem Herbst ein: Am 25. November mussten wir einen Arbeiter von der Eisenbahnhochbrücke retten. Er hatte sich schwer am Rücken verletzt. Der ursprüngliche Plan, ihn über den Lasten- und Personenaufzug der Brücke nach unten zu befördern, scheiterte. Für eine Liegendrettung ist der Aufzug nicht groß genug. Also musste unsere Teleskopmastbühne her. Sie reicht bis in 42 Meter Höhe und kann bis zu fünf Personen aufnehmen kann – anders als eine Drehleiter, die nur drei Personen und geringere Höhen schafft. „Bronto“, so nennen wir die Teleskopmastbühne, ist das höchste Hubrettungsgerät dieser Art bei einer Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland. Nur die Berufsfeuerwehren in Hamburg, Berlin oder München verfügen über noch mächtigere Fahrzeuge mit Rettungskorb.

 

Die schönste Eilsache hatten Sie selbst. Am 15. September sind Sie zum ersten Mal Vater geworden. Wie geht’s dem kleinen Henri Elias Dieter?

Er entwickelt sich prächtig, selbst wenn nachts der Meldeempfänger ertönt und Papa raus muss, stört ihn das gar nicht. Passendes Feuerwehroutfit hat er natürlich auch schon.

 

Ist er schon passives Mitglied der Feuerwehr Rendsburg?

Henri ist nun bereits die vierte Generation in unserer Feuerwehrfamilie, da erübrigt sich die Frage.

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