Vinyl : Die Renaissance der Schallplatte

Vinyl muss nicht immer schwarz sein: Anna Delfs präsentiert stolz ihre neuste Errungenschaft von Pink Floyd. Foto: Pulsfort
Vinyl muss nicht immer schwarz sein: Anna Delfs präsentiert stolz ihre neuste Errungenschaft von Pink Floyd. Foto: Pulsfort

Die 19-jährige Anna Delfs lässt den alten Spieler ihrer Großmutter wieder aufleben - auch in der Schule.

Avatar_shz von
26. Februar 2013, 08:20 Uhr

Rendsburg | Rückblick: Man ging zu seiner Plattensammlung, auf die man mächtig stolz war, suchte sich die Platte nach Belieben aus und legte sie auf. Na klar; nach einer gewissen Zeit musste damals die begehrte Vinylscheibe umgedreht werden - aber nur, um danach weiter seiner Lieblingsmusik zu lauschen.

Und heute? "Heute habe ich oftmals einfach keine Zeit und Lust, den Computer anzuschalten, zu warten und dann irgendwann mit der Maus auf eine winzige MP3-Datei zu klicken, damit endlich Musik herauskommt. Platten sind da einfach unkomplizierter", findet die 19-jährige Anna Delfs aus Rendsburg und stellt damit wahrscheinlich eine Besonderheit in ihrem Freundeskreis dar. Anna ist ein echter Fan dieses retrostilistischen Musikhörens - und das seit ihrer Kindheit: "Früher war es meine Oma, die mir ihren Plattenspieler hinstellte und mit mir Hörgeschichten hörte. Genau dieser alte Plattenspieler steht heute in meinem Zimmer; nun bin ich diejenige, die dort Platten auflegt", erzählt Anna, während sie stolz ihr neues Pink Floyd-Album zeigt - gekauft in einem "riesigen Plattenladen in Kiel".

Tatsächlich ist die Auszubildende zur Sozialpädagogischen Assistentin damit kein Einzelfall in Deutschland, wie die Marktforschungsgesellschaft Nielsen Entertainment belegt. Ihren Angaben zufolge ist der Verkauf von Langspielplatten in Deutschland seit 2006 um 200 Prozent gestiegen. Neue Vinylfans würden vor allem durch ausgeklügelte Werbung gewonnen. So läge zum Beispiel den meisten Vinylalben ein kostenloser Link zum Herunterladen der digitalen Version bei. Ein weiterer Pluspunkt für junge Menschen sei, dass Plattenläden heute mehr als nur ein Vertriebskanal für Musik, sondern Orte der Begegnung und des kulturellen Erlebens seien, so Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie.

Anna Delfs’ Hobby, bei dem so mancher Erwachsener gut mitreden könnte, ist seit etwa einem halben Jahr wieder ein stärkerer Bestandteil ihres Lebens geworden. Schließlich kam der Plattenspieler vor kurzem sogar mit in die Schule: "Im Kunstunterricht wollte die Lehrerin mit uns kein Radio hören. Alles klar; dann habe ich einfach mal meinen transportablen Plattenspieler mitgenommen und wir haben Märchen auf Vinyl gehört. Dagegen hatte sie nichts."

Platten, so die 19-jährige Anna, seien ihr einfach sympathischer als MP3s, deren Erfolgszug dennoch unbestritten und unübersehbar ist. Egal, ob in der Innenstadt, im Bus, in der Schulpause: Fast alle Jugendlichen hören heutzutage Musik, "die man nicht anfassen kann". Anlass genug für eigene Kommentare (siehe Texte rechts auf der Seite) aus der Jugendredaktion - einen pro Schallplatte - und einen contra alte Technik.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen