Rendsburg-Eckernförde : Die Renaissance der Schallplatte

Tragbarer Plattenspieler: Lutz Bertram zeigt ein Gerät, das man sich auf den Fahrrad-Gepäckträger schnallen konnte.
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Tragbarer Plattenspieler: Lutz Bertram zeigt ein Gerät, das man sich auf den Fahrrad-Gepäckträger schnallen konnte.

Vinyl ist beliebt wie lange nicht mehr: Ein Fan berichtet über seine Faszination und das Nortorfer Museum zeigt die Geschichte des Tonträgers.

shz.de von
31. Januar 2015, 10:00 Uhr

Für die einen war sie einst nur ein Tonträger, für die anderen ist sie heute noch – oder gerade wieder – Kultobjekt: Die Schallplatte erlebt seit geraumer Zeit eine Renaissance. Vor allem junge Musikliebhaber haben das Vinyl für sich wiederentdeckt. Einer der größten Fans im Kreis ist Holger Petersen aus Klein Vollstedt.

„Als ich zwölf Jahre alt war, kam meine Schwester Inge mit einer Platte von Elvis nach Hause: Von dem Moment an war ich von Schallplatten fasziniert.“ Das war im Jahr 1958. Der heute 68-Jährige bezeichnet die Jahre zwischen 1960 und 1970 als Hoch-Zeit der Schallplatte. Vor allem Elvis Presley, die Beatles und die Rolling Stones lösten wahre Massenhysterien aus. Ihre Fans wollten die Musik jederzeit und so oft hören wie möglich.

Seine erste Platte erstand Petersen mit 15 Jahren – es war eine Scheibe der britischen Band The Kinks. Bis Anfang der 1980er hatte er knapp 2000 LPs und 500 Singles gesammelt. Dann war die CD auf dem Vormarsch. Doch die ist für Petersen keine Konkurrenz zum Vinyl: „CDs höre ich im Auto oder bei einer Gartenparty. Ansonsten sind sie mir zu steril und clean. In CDs steckt kein Leben drin“, findet der gelernte Schriftsetzer. In seinen Ohren klingen Schallplatten wärmer, voller und haben einen besonderen Charakter: „Der Frequenzgang der Platte ist auf das menschliche Gehör abgestimmt. Man hört alles so, wie es bei der Aufnahme klang.“ Eine LP abzuspielen, ist für ihn ein geliebtes Ritual: Die Scheibe aus der Hülle nehmen, den Plattenspieler bestücken, die Nadel positionieren, den Tonarm herunterfahren – und genießen.

Schallplatten zu bekommen, ist nicht ganz so einfach. Vor allem, wenn man sie nicht im Internet bestellen, sondern vor dem Kauf in der Hand halten möchte. Früher reiste Petersen regelmäßig nach London und Utrecht, wo es riesige Plattenläden gab. Heute stöbert er auf Platten-Börsen, Flohmärkten und in den wenigen Platten-Läden im Norden.

Nichts kaufen, dafür aber in vergangenen Zeiten schwelgen kann man im Nortorfer Schallplattenmuseum. In dem Ort wurden von 1948 bis 1989 850 Millionen Schallplatten gepresst. Bei der Firma Teldec waren in Spitzenzeiten bis zu 1200 Mitarbeiter beschäftigt, das Unternehmen gehörte zu einem der leistungsfähigsten Presswerke der Welt. Die Besucher des Museums erfahren alles rund um das Kulturgut Tonträger sowie die Technik dazu. „Dem Museumsverein gehören 32  000 Schallplatten, die älteste ist eine Grammofon-Platte, die etwa 110 Jahre alt ist. Darauf zu hören ist eine Aufnahme von Caruso, die in Mailand entstanden ist“, berichtet der Vorsitzende des Museumsvereins, Lutz Bertram. Ein Großteil der Platten sind Spendengeschenke, unter anderem aus Nachlässen. Dazu gehören auch Abspielgeräte. Das älteste im Museum ist von 1906. Ob leistungsstarker Studioplattenspieler, kleiner Zwölfer-Plattenwechsler oder Columbia-Tisch-Grammofon aus England: „Wir können hier Klangwelten von 1906 bis heute entstehen lassen.“ 1400 Besucher hatte das Museum im vergangenen Jahr – das Interesse ist groß, die Tendenz steigend. Manche Besucher bringen sogar eigene Platten mit, die sie seit Jahrzehnten nicht mehr gehört haben.

Dass sich die schwarzen Scheiben einer wachsenden Beliebtheit erfreuen, merke man laut Bertram auch daran, dass Schallplatten und die Abspielgeräte wieder häufiger etwa auf Flohmärkten auftauchen und die Preise dafür bereits gestiegen sind. „Heute ist die Platte aber vielmehr Lifestyle-Produkt als Gebrauchsgegenstand“, meint Holger Petersen. Platten-Fans rät er, auf zwei Dinge zu achten: „Wichtig ist, dass die Platte von einem Profi hergestellt wurde und dass man ein gutes Abspielsystem hat. Ab 500 Euro bekommt man durchaus Brauchbares.“

Brauchbare Platten in den nachgefragten Mengen zu produzieren, ist eher ein Problem. „Es gibt weltweit nur noch etwa 50 Presswerke“, weiß Petersen. Jede Maschine wirft etwa 125 Platten pro Stunde aus. Oft laufen sie deshalb rund um die Uhr. Zwei Schallplatten-Pressen gibt es auch noch in Nortorf. „Unser Ziel ist es, eine davon wiederzubeleben, um unseren Besuchern vorzuführen, wie das Platten pressen funktioniert.“ Bis dahin wird aber noch eine ganze Zeit ins Land gehen.

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