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Nato-Mission : „Die Operation Isaf war insgesamt ein Erfolg“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Oberst Hartmut Zitzewitz spricht im Interview über den Afghanistan-Einsatz. Der LTG-Kommodore führt nun das Geschwader in Masar-i-Sharif.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2014 | 11:19 Uhr

Mit dem Ende der Nato-Mission für Sicherheit und Wiederaufbau in Afghanistan „Isaf“ ist auch für die Transall Schluss. Heute reist der Kommodore des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 aus Hohn, Oberst Hartmut Zitzewitz, nach Masar-i-Sharif. Er organisiert unter anderem die Rückkehr der Transportflugzeuge vom Typ Transall C-160, nachdem das LTG 63 dort zwölf Jahre Leitverband war. Zitzewitz ist seit 1991 Transall-Pilot und hält viel von der Zuverlässigkeit der Maschine. Der 51-Jährige sprach mit Redaktionsmitglied Tilmann Post über seinen fünfmonatigen Einsatz am Hindukusch, über die Situation in der Ukraine und über die Zukunft des Standorts Hohn.

Was ist Ihre Aufgabe in Masar-i-Sharif?
Die ist nahezu identisch mit der Aufgabe, die ich hier habe: Das Führen eines Geschwaders. In dem Fall aber nicht ein Lufttransportgeschwader, wie wir es aus Hohn kennen, sondern ein Geschwader mit verschiedenen Mustern, die derzeit unter dem Isaf-Mandat fliegen. Dazu gehören Hubschrauber CH-53, unbemannte Luftfahrzeuge des Typs Heron und vier Transall-Maschinen. Nur eine Aufgabe ist dabei die Organisation der Rückführung der C-160, weil wir uns im Übergang der Mission Isaf hin zu der möglichen Folgemission Resolute Support Mission (RSM) befinden. Hierzu wird die endgültige Entscheidung nach der Ernennung des neuen afghanischen Präsidenten fallen.

Die Vorbereitungen müssen aber sicher bereits jetzt getroffen werden?
Natürlich sind wir jetzt in einer gewissen Stufe der Vorbereitungen. Isaf läuft zum 31. Dezember aus, die Folgemission sollte dann am 1. Januar 2015 beginnen. Es gibt also Vorplanungen, aber noch keine konkreten Umsetzungen. Im Augenblick ist nicht vorgesehen, dort deutsche Lufttransportkapazitäten mit C-160 vorzuhalten.

Die Familien der stationierten Soldaten können also aufatmen?
Je nachdem, wie sich die politische Lage in anderen Teilen der Welt entwickelt, werden wir zumindest zum Ende des Jahres und nach Abschluss der Mali-Operation ohne einen unmittelbaren Einsatzauftrag dastehen. Die letzte Transall fliegt im Isaf-Rahmen nach derzeitigem Stand Ende des laufenden Quartals. Danach erfolgt die Rückführung, sodass wir von dem Auftrag in Afghanistan erst einmal entbunden sind. Natürlich bleiben die anderen Aufgaben des Lufttransports bestehen, etwa die Versorgung der deutschen Truppenteile im Ausland, zu denen unter anderem die übenden Verbände in Decimomannu auf Sardinien gehören, oder die Versorgung der Flugabwehrraketen-Kräfte in der Türkei. Deshalb arbeitet unser Verband weiterhin hoch angespannt.

Es ist schwer vorstellbar, dass sich Ihre Aufgaben in Afghanistan kaum von denen hier unterscheiden. Was kommt auf Sie zu?
Stimmt, eine große Herausforderung sind die klimatischen Bedingungen mit bis zu 43 Grad im Schatten. Auf der anderen Seite ist der Übergang zur Folgemission spannend, weil wir die neue Obergrenze der deutschen Kräfte von 800 Mann genauestens ausplanen müssen. Dazu kommen die politischen Rahmenbedingungen in Afghanistan. Die Verantwortung ist weitestgehend an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben, die ihre Rolle durchaus gut machen. Wir können uns weiter zurückziehen, gehen nicht mehr in den direkten Einsatz, sondern befinden uns als Bundeswehr immer mehr in die Beratungsfunktion der Afghanen. Das wird auch der wesentliche Inhalt der Nachfolgemission RSM.

Waren die zwölf Jahre Isaf im Rückblick ein Erfolg?
Insgesamt ja. Die Lufttransportkräfte aus allen drei Verbänden Wunstorf, Landsberg und Hohn haben gezeigt, dass sie verlässlich über einen so langen Zeitraum einsatzfähig sind. Der Klarstand der Maschinen betrug nahezu ununterbrochen 100 Prozent, sodass auf die deutschen C-160 immer Verlass war.

Es gibt in der Welt weitere politisch brenzlige Situationen, etwa in der Ukraine. Sehen Sie schon den nächsten Einsatz für Ihre Transall auf sich zukommen?
Von der Geschwaderführung bis zu den Besatzungsangehörigen macht sich hier jeder Gedanken über die politisch brisanten Regionen. Denn wenn sich Deutschland irgendwo außenpolitisch engagiert, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Lufttransport gefordert. Das wiederum heißt, dass die Transall-Verbände dort mit involviert sind. Es heißt immer: Der erste deutsche Soldat, der in einem fremden Land den Fuß auf den Boden setzt, ist mit Sicherheit der Ladungsmeister einer Transall. Vor allem, wenn es um unbefestigte oder kleine Landeplätze geht, ist die Transall die einzige Möglichkeit. Es gibt aber keine Einsatz-Szenarien in Richtung Ukraine.

Fliegt die Luftwaffe noch über die Ukraine, nachdem dort ein Verkehrsflugzeug abgeschossen wurde?
Es gibt zwar viele Möglichkeiten, nach Afghanistan zu fliegen, aber unser üblicher Versorgungsweg dorthin führte ursprünglich tatsächlich über die Ukraine. Derzeit werden aber alternative Routen geflogen.

Die gute alte „Brummelbiene“ Transall wird abgelöst – wann ist es soweit?
Das erste Modell des Nachfolgers Airbus A400M kommt im letzten Quartal dieses Jahres zum künftig einzigen Lufttransportverband nach Wunstorf. Die Flotte wird nach und nach auf 40 Maschinen aufgebaut und übernimmt immer mehr Aufgaben von der Transall. Derzeit kristallisiert sich heraus, dass Ende 2018 die Fliegerei mit der Transall beendet sein wird.

Ist das auch das Ende des Standorts Hohn?
Dem Realisierungsplan der Bundeswehrstruktur folgend wird das LTG 63 mit der Ausphasung der letzten C-160 aufgelöst. Wir werden bis Ende des Jahres 2018 fliegen und dann das Geschwader abwickeln. Schleswig-Holstein wird seinen Lufttransportverband also zum Ende des Jahrzehnts verloren haben.

Haben Sie einen Plan für die Mitarbeiter?
Es wäre fatal, wenn wir uns über die Zukunft des Personals noch keine Gedanken gemacht hätten. Natürlich können wir nicht jedem der 1250 Verbandsangehörigen schon jetzt sagen, wo seine Zukunft liegt. Aber unser Ziel ist es, möglichst allen eine verlässliche Zukunft zu bieten. Besondere Beachtung finden dabei unsere 230 zivilen Geschwaderangehörigen, für die wir in der Region versuchen eine Anschlussverwendung zu finden.

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