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Rendsburger Innenstadt : Die nächsten drei Läden machen dicht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„C.F.Meier“, „Kunst und Handwerk“ und das Jagdgeschäft „Stangenberg“: Sie alle werden ihr Türen zum Jahresende in Rendsburg schließen.

Rendsburg | Das Trauerspiel in der Rendsburger Innenstadt nimmt kein Ende. Jetzt geben die nächsten drei Ladeninhaber auf: Das Geschäft für Arbeitskleidung „C.F.Meier“ schließt am 31. Dezember, „Kunst und Handwerk“ am Altstädter Markt macht am 24. Dezember zu und auch das Jagdgeschäft „Stangenberg“ wird es im Jahr 2015 nicht mehr geben. Unterschiedliche Gründe spielen eine Rolle, doch in einem Punkt sind sich die Inhaber einig: Rendsburg ist für sie kein attraktiver Standort mehr. Sie sehen für sich keine Zukunft in der Stadt.

Betritt man den Laden von Claus-Michael Meier, merkt man gleich, dass in diesem Geschäft Geschichte steckt. Die rot bedruckte Samttapete stammt noch von den Vorbesitzern, früher war ein Casino in den Räumlichkeiten Am Holstentor 1. Die alte Kasse läuft ganz ohne Elektronik, sie ist ein Relikt aus den 50er-Jahren. Kein Zentimeter an den Wänden bleibt ungenutzt: Arztkittel, Latzhosen, Arbeitshandschuhe und Werkzeugtaschen reihen sich aneinander und geben auf 130 Quadratmetern ein buntes Sammelsurium an Arbeitskleidung ab. Claus-Michael Meier führt den Laden bereits in der dritten Generation, seit 1974 ist er Am Holstentor untergebracht. Doch zum Ende des Jahres soll alles vorbei sein. Viel Wehmut sei dabei, so der Inhaber. Ausschlaggebend war für ihn der Verkauf des Hauses. Da die Einnahmen stark zurückgegangen sind, bat Meier die neuen Besitzer – eine Immobilienfirma mit Sitz in Bremen – um eine Mietminderung. Doch sie lehnten ab, sodass Meier keine andere Möglichkeit sah, als aufzugeben.

Es sei aber eine Summe von Umständen gewesen, die ihn dazu bewegt haben: Das Internet sei eine zu große Konkurrenz und es ziehe immer weniger Menschen nach Rendsburg, sondern eher nach Kiel. „Die Innenstadt blutet dadurch total aus“, sagt er.

Meier hat bereits mit seinem Räumungsverkauf begonnen. Im kommenden Jahr wird er selbst eine neue Stelle beim Bauzentrum Zerssen in der Abteilung für Berufsbekleidung antreten.

„Time to say goodbye“ steht es auf einem Zettel im Schaufenster von „Kunst und Handwerk“ am Altstädter Markt geschrieben. Noch ist Ladeninhaberin Christiane Boehme-Eichen dabei, den Weihnachtstisch zu dekorieren. Am 24. Dezember ist dann Schluss in Rendsburg. 30 Jahre lang hat sie Schmuck, Tücher, Naturkosmetik und Textilien aus biologischem Anbau angeboten. Der Grund für das Ende: „Es sind einfach zu wenig Menschen in Rendsburg unterwegs“, sagt sie. Von der Stadt fühle sie sich allein gelassen. Sie zeigt sich empört über die Vorschläge, die Parkgebühren zu erhöhen sowie einen Innenstadt-Zuschlag für Sondernutzungen einzuführen (wir berichteten). „Die legen einem Steine in den Weg. Das ist absolut kontraproduktiv“, sagt sie.

Doch für „Kunst und Handwerk“ soll es weitergehen – nur eben nicht in Rendsburg. „Im Gegensatz zum Pelli-Hof und der Buchhandlung Reichel bin ich noch nicht insolvent und ich möchte noch zehn Jahre weitermachen“, sagt sie. Deshalb zieht es sie im nächsten Jahr nach Eckernförde. Im März 2015 eröffnet sie dort ihren neuen Laden (Am Ochsenkopf 9). „Eckernförde ist eine quirlige lebendige Stadt mit vielen Touristen. Ich werde dort ein schönes, großes Geschäft bekommen. Und meine Stammkunden werden mich auch dort aufsuchen.“ In ihren Räumen am Altstädter Markt soll im kommenden Jahr vermutlich ein Bekleidungsgeschäft eröffnen, so der Besitzer des Hauses Waldemar Behn. Solange aber nicht alles unterschrieben sei, könne er noch keinen konkreten Namen nennen.

Auch Volker Stangenberg wird sein Jagdgeschäft in der Holsteiner Straße zum Jahresende schließen. Der Inhaber wird bald 68 Jahre alt und möchte seinen Ruhestand genießen. Das sei aber nicht der einzige Grund, betonte Stangenberg gegenüber der Landeszeitung. „Die Verdienstmöglichkeiten in Rendsburg sind schwieriger geworden. Das geht nicht nur mir so“, sagt er. Auch der Suche nach einem neuen Mieter für sein Geschäft sieht er mit Skepsis entgegen: „Mir gehört das Haus ja. Das wird nicht einfach, einen neuen Ladenmieter zu finden. Man sieht es ja an den zahlreichen Leerständen hier in der Stadt.“

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