Nord Art : Die Nacht der nackten Marionetten

<dick>Die 'Ausstellungsmacher' </dick> Wolfgang Gramm und Inga Aru zwischen den siegreichen Marionetten aus Schweinehäuten.
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Die "Ausstellungsmacher" Wolfgang Gramm und Inga Aru zwischen den siegreichen Marionetten aus Schweinehäuten.

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20. September 2010, 06:04 Uhr

Büdelsdorf | Wenn der Tag nicht ausreicht, muss die Nacht dazugenommen werden. Am Sonnabend konnte die Kunstausstellung Nord Art von 11 Uhr an bis Mitternacht besucht werden. Die Kunstwerke in den riesigen Hallen der ehemaligen Carlshütte und in dem angrenzenden 60 000 Quadratmeter großen Parkgelände wurden am Abend in farbiges Licht getaucht. Live-Musik, eine Performance der japanischen Künstlerin Hiroko, Essen und Trinken und nicht zuletzt die Verleihung von Kunstpreisen machten die "lange Nacht der Lichter" zu einer stimmungsvollen Veranstaltung.

Das Votum war eindeutig: Teija und Pekka Isorättyä haben den mit 1000 Euro dotierten erstmals vergebenen Publikumspreis der diesjährigen Nord Art gewonnen. "Es ist kein Wunder, dass ein Hallenschiff voller riesiger bewegter und beleuchteter Marionetten aus genähten Schweinehäuten die allermeisten Menschen in ihren Bann zieht", meinte Hans-Julius Ahlmann. Ihre künstlerische Bandbreite stellten die Sieger sofort nach der Preisverleihung unter Beweis: Mit Posaune und Trompete spielten sie in der mexikanisch-finnischen Gipsy-Punk-Band "Polka Madre" auf der Bühne vor dem kunstvoll beleuchteten Kupolofen.

Den zweiten Platz in der Gunst des Publikums belegte Wolfgang Stiller mit seiner Arbeit "Match Stick Men", den abgebrannten Riesenstreichhölzern mit menschlichem Antlitz. Die Japanerin Hiroko belegte den dritten Platz mit ihrer Performance "Gebet für 1000 Seelen und 1000 Kunstwerke".

Der erstmals vergebene Nord-Art-Preis geht an Zeng Chenggang. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung, die von Hans-Julius und Johanna Ahlmann gestiftet wurde, wird dem chinesischen Bildhauer bei der Eröffnung der Nord Art 2011 überreicht (siehe Seite 25).

Marga Deertz war in diesem Sommer schon einmal auf der Nord Art. Trotzdem hat die Fockbekerin bei ihrem zweiten Besuch viele neue Eindrücke gewonnen: "Die Kunstwerke sehen angeleuchtet häufig viel anders aus als bei Tageslicht." Ingrid van het Kaar war von der Vielfältigkeit beeindruckt. "Hier kann man Kunst aus den unterschiedlichsten Kulturen erleben."

245 Künstler aus 55 Ländern sind auf der Nord Art mit über 1000 Werken vertreten und machen sie damit zur größten jährlichen Kunstausstellung Nordeuropas. Konzipiert wurde sie 1999 von Hans-Julius Ahlmann, dem geschäftsführenden Gesellschafter der ACO-Gruppe, und Wolfgang Gramm, dem Geschäftsführer von "Kunst in der Carlshütte" (KiC). Gramm zeigte sich von der Publikumsresonanz am Sonnabend begeistert: "Über den ganzen Tag verteilt waren bestimmt 2000 Menschen hier, so viele wie am Eröffnungstag." Die Nord Art ist noch bis zum 3. Oktober jeweils mittwochs bis sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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