Die Motivation entscheidet

Engagiert und hilfsbereit: Senad Braha unterstützt Christa Zimmermann.
Foto:
Engagiert und hilfsbereit: Senad Braha unterstützt Christa Zimmermann.

Migranten finden über den Verein UTS als Bürgerarbeiter den Weg zu einem regulären Job

shz.de von
16. Juni 2014, 07:30 Uhr

Senad Braha kam als Flüchtling nach Deutschland. Jetzt unterstützt er ältere Menschen in Rendsburg wie Christa Zimmermann in ihrer Mobilität und bei ihrer Freizeitgestaltung – und erzählt ihnen dabei viel von seiner serbischen Heimat. Christa Zimmermann freut sich über die Treffen mit Senad Braha – umgekehrt ist es genauso. Senad Braha ist Bürgerarbeiter in Rendsburg, beschäftigt beim „Interkulturellen Seniorentreff“ des Vereins Umwelt Technik Soziales (UTS) in der Materialhofstraße. Die Projektleiterin des Treffs, Rosana Trautrims, hat gemeinsam mit Antje Wolff in der Büdelsdorfer Seniorenwohnanlage „Am Park“ die regelmäßigen Treffen von Migranten und Senioren ins Leben gerufen.

Der Interkulturelle Seniorentreff beschäftigt Menschen wie Senad Braha, der auf Grund einer schweren Erkrankung als schwer vermittelbar gilt und bis ins Alter von 32 Jahren noch nie einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen konnte. Auch derzeit muss er noch pro Woche 15 Stunden medizinisch betreut werden. Trotz intensiver jahrelanger Suche hatte er keinen Arbeitgeber gefunden, der ihn trotz seines Handicaps beschäftigte. Beim Treff von UTS war das anders: Braha war motiviert, Rosana Trautrims entschied sich dazu, ihm trotz häufiger Fehlzeiten eine Chance zu geben. Bereits nach einigen Monaten hatte sich auch seine gesundheitliche Situation stabilisiert. „Er ist ein Gewinn für unsere Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Antje Wolff. „Senad ist zuverlässig, geht herzlich mit den Bewohnern um, ist engagiert und mit ganzem Herzen dabei. Zwar mussten wir uns an seine Arzttermine anpassen, aber es hat sich gelohnt.“

Der Interkulturelle Seniorentreff bietet für ältere Menschen zusätzliche Unterstützungen an und ist ein für die Betreuten wie Christa Zimmermann kostenloses Angebot, ermöglicht durch die Förderung des Europäischen Sozialfonds, des Bundes, des Kreises, der Stadt Rendsburg und des Jobcenters Rendsburg-Eckernförde. Die vier Beschäftigten waren vorher langzeiterwerbslos und sollen eine neue Perspektive am Arbeitsmarkt finden. Das klappe, so Trautrims, erstaunlich gut: Vier von fünf ehemaligen Mitarbeitern fanden direkt aus oder im Anschluss an die Bürgerarbeit einen regulären Job.

„Sie kommen sehr unsicher zu uns und wissen nicht genau, was ein Arbeitgeber von ihnen verlangt“, sagt Rosana Trautrims: „Sie brauchen Unterstützung, werden bei jedem Schritt begleitet und lernen, ihre Ressourcen zu erkennen und einzusetzen. Das wichtigste dabei ist der Wille der Bürgerarbeiter. Er ist aber sehr oft da.“ So wie bei Amal Charif, einer ehemaligen Kollegin von Senad Braha. Sie absolvierte eine Qualifizierungsmaßnahme zur Beschäftigungsassistentin und betreut immer noch Senioren – aber nicht mehr als befristet beschäftigte Bürgerarbeiterin, sondern als fest eingestellte Mitarbeiterin. Senad Braha hofft, Amals Beispiel folgen zu können. An seiner Motivation wird es nicht scheitern.

> Informationen zum Interkulturellen Seniorentreff gibt es beim Verein Umwelt Technik Soziales unter Tel. 0 43 31 / 9 45 36 37

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen