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Landeszeitung

15. Dezember 2017 | 13:56 Uhr

Therapie : Die mit den Delfinen schwimmen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Delfin-Therapie hat schon vielen unheilbar kranken, behinderten Menschen Linderung gebracht. Auch eine Familie aus Nübbel hofft auf die heilende Kraft der tierischen Therapeuten. Die Reise soll nach Teneriffa gehen.

von
erstellt am 01.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Thorge lacht oft. Da ist der Sechsjährige eigentlich nicht anders als andere Kinder. Und doch: Der Junge leidet am Angelman-Syndrom, die Folge von genetischen Veränderungen der Chromosomen. Der Sohn von Martina und Stefan Holm aus Nübbel kann nicht sprechen, nur eingeschränkt laufen, ist unruhig und schläft sogar in der Nacht nie mehr als einige Stunden am Tag. Er muss rund um die Uhr betreut werden. Die Familie kommt ständig an ihre Grenzen.

„Wir wünschen uns, dass Thorge auch einmal etwas Ruhe finden kann“, sagt Stefan Holm. Die Eltern setzen ihre Hoffnungen auf eine Therapie, bei der ihr Sohn mit Delfinen und Walen schwimmen soll. Sie haben daher Kontakt aufgenommen mit dem gebürtigen Husumer Volker Todt und seiner Partnerin Roma Spring, die als Hebamme früher in Nordfriesland gearbeitet hat. Die beiden betreiben seit knapp 20 Jahren in Los Gigantes, im Westen Teneriffas, die Walforschungsstudie „Human-Dolphin-Relationship-Projekt, (kurz: HDR). Untersucht werden dabei die Beziehungen zwischen Menschen und Walen.

Der entscheidende Unterschied zu vergleichbaren Delfin-Projekten besteht darin, dass die Fachleute in Teneriffa ausschließlich mit frei lebenden Tieren arbeiten“, erklärt Stefan Holm. Spring und Todt lehnen Therapien in Aquarien kategorisch ab. „Wie soll ein eingesperrter Delfin ernsthaft therapeutische Wirkung entfalten?“, fragen sie und gehen mit ihrem Feldforschungsprojekt bewusst andere Wege. Sie fahren hinaus aufs offene Meer. Bei den Tieren handelt es sich um bis zu acht Meter lange Grindwale und Delfine. Wenn die intelligenten und sanften Säuger den Kontakt verweigern, respektieren die Forscher das. Zeigen die „Freigeister“ des Meeres Interesse, steigt Roma Spring zu ihnen ins Wasser.

Manchmal ist ein autistisches Kind mit an Bord, manchmal eine Gruppe von Therapeuten, die mit kranken Kindern und/oder Erwachsenen arbeiten. Die Ergebnisse der Studien in Teneriffa haben längst Eingang in die internationale Walforschung gefunden. Weitere Erkenntnisse könnten die Beobachtung der Begegnung zwischen dem schwer geistig behinderten Jungen aus Nübbel und den Meeressäugern liefern. „Die beiden Wissenschaftler stehen unserem Reisevorhaben sehr positiv gegenüber“, sagt Stefan Holm.

Die Schwierigkeit: Die Therapiekosten von rund 8000 Euro zahlt keine Krankenkasse. Daher entschlossen sich Thorges Eltern, die Unterstützung von Freunden, Bekannten, Nachbarn und anderen hilfsbereiten Menschen zu suchen. Mit Erfolg: „Die Resonanz war unheimlich groß“, freut sich Martina Holm. So startete die Kirchengemeinde Hohn einen Spendenaufruf. Bisher sind 1100 Euro auf dem eigens eingerichteten Konto des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde eingegangen. Außerdem stifteten die fußballbegeisterten Mitglieder des HSV-Fanclubs Nübbel 1200 Euro für die Familie. Der örtliche Karnevalsverein, die Montagskicker und der Heimatbund gehören ebenfalls zu den Unterstützern. Zudem füllten die Arbeitskollegen von Martina Holm in der Deula eine Spendendose mit 300 Euro.

„Diese Welle der Hilfsbereitschaft hat uns überwältigt“, bedankt sich die Mutter für die Zuwendungen. „Wenn die Therapie nicht zustande kommen sollte, werden die Spenden an den Angelman-Verein weitergeleitet“, verweist Stefan Holm darauf, dass das Geld auf jeden Fall die Kinder mit dem seltenen Gen-Defekt erreicht. Thorges Eltern hoffen jedoch, dass durch weitere Spenden die Finanzierung der Reise mit Thorge und seinen Geschwistern im Alter von 16 und 18 Jahren gesichert werden kann. Denn die Delfin-Therapie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Deshalb wird auch gewünscht, dass die Familie möglichst komplett anreist. „Die Krankheit von Thorge betrifft uns natürlich alle“, bestätigt Stefan Holm.

„Wir erwarten keine Wunder“, sagt der Familienvater. Aber bei anderen Angelman-Kindern habe sich eine Delfin-Therapie äußert positiv auf die Auffassungsgabe ausgewirkt. Thorge werde das Abenteuer auf jeden Fall genießen. Neben seiner oft unbegründeten Fröhlichkeit, die ein Hauptmerkmale des bisher unheilbaren Gen-Defekts ist, gebe es noch ein weiteres medizinisches Indiz. Typisch für die Angelman-Kinder ist ihre ausgeprägte Liebe zu Wasser.

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